Tod einer Hofdame

1192: Das Jahr, in dem Richard Löwenherz im Deutschen Reich gefangen gehalten wird:
Es war still in Regensburg. Wie jede Nacht. Nur etwas war anders. Unter der Steinernen Brücke lag der Leichnam einer jungen Frau …
Mord oder Selbstmord? Der Tod ihrer Schwester bringt Aleydis dazu, sich gegen alle Konventionen aufzulehnen. Doch wer glaubt schon einer Hofdame, die dem Bischof widerspricht? Verbissen versucht sie, auf eigene Faust zu beweisen, dass es kein Selbstmord war. Die Suche nach dem Täter führt sie zu Richard Löwenherz, der ihr seine Unterstützung anbietet. Doch Aleydis ist misstrauisch. Interessiert er sich wirklich für ihr Anliegen, oder will der König von England nur die leeren Tage seiner zermürbenden Ehrenhaft füllen? Hin- und hergerissen zwischen Wahrheit und Lügen übersieht sie den Schatten, der ihr unbemerkt folgt …

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Das Buch entführt, auf eine historische Reise, die mit spannenden sowie kriminalistischen Ereignissen einhergehen. Es ist informativ, solide und hat mich gut unterhalten.

Nadine Lutter

Bloggerin

Der Trailer zu diesem Roman ist leider noch nicht vorhanden, aber in Planung.

Über die Gefangenschaft von Richard “Löwenherz” Plantagenet ist aus zwei Gründen recht wenig bekannt: Zum einen waren der österreichische Herzog Leopold und Kaiser Heinrich VI anfangs darauf bedacht, nicht zu viele Informationen nach außen dringen zu lassen, zum anderen wurde die Geschichte früh legendhaft überformt. Entsprechend bot es sich an, einen fiktiven Krimi in die Fakten hineinzuweben, die über Richards Gefangenschaft bekannt sind.
Zu diesen Fakten gehört seine Gefangennahme in der Nähe von Wien am 21. Dezember 1192. Zweimal war König Richard den Österreichern zuvor entkommen, die ihn suchten, da der deutsche Kaiser Heinrich VI. ihn nach einer Unterredung mit dem französischen König Philipp August zur Fahndung ausgeschrieben hatte. In einer kleinen Vorstadt Wiens war er nur mehr in Begleitung des Ritters Wilhelm de L’Ètang und eines deutschsprachigen Knappen, der in legendarischen Quellen William Stagny genannt wird. Da Richard an hohem Fieber litt, schickte er den Knappen zum Kauf von Lebensmitteln in die Stadt. Bereits beim ersten Mal fiel der Knappe auf, weil er mit byzantinischen Münzen bezahlte. Beim zweiten Mal sollen ihn die Handschuhe mit dem königlichen Wappen, dem goldenen Leoparden, endgültig verraten haben. Er wurde gefoltert und führte schließlich die Menge zu Richard Plantagenet.
Der Herzog brachte den wertvollen Gefangenen nach Dürnstein, das eine Tagesreise auf der Donau von Wien entfernt war. Dort übernahm Hadmar II. von Kuenring die Verantwortung für den Engländer. Herzog Leopold nahm unverzüglich Kontakt zu Kaiser Heinrich VI. auf und sie arrangierten ein Treffen in Regensburg. Dort begegneten sich König Richard Plantagenet und der Stauferkaiser Heinrich VI. am 6. Januar 1193 das erste Mal. Der Herzog, der fürchtete, Kaiser Heinrich könne den Gefangenen ohne eine entsprechende Lösegeldzahlung sofort für sich beanspruchen, schickte Richard jedoch umgehend zurück nach Dürnstein.
Er blieb unter der Obhut Hadmars II. von Kuenring, bis die Verhandlungen am 14. Februar 1193 abgeschlossen waren. Kaiser Heinrich und Herzog Leopold vereinbarten Speyer als Ort der Übergabe. Vermutlich treidelten Herzog Leopold und sein Gefolge über Donau und Main. Am 19. März 1193 fanden zwei Zisterzienseräbte Richard in Ochsenfurt. Sie waren vom englischen Konzil geschickt worden, um mehr über den Verbleib des Königs in Erfahrung zu bringen. Drei Tage später trafen der Herzog und König Richard in Speyer ein. Dort wurde dem Plantagenet vorgeworfen, das Heilige Land verraten zu haben – was vermutlich auf seine Vereinbarung mit Saladin anspielt – den Mord an Konrad von Montferrat in Auftrag gegeben zu haben und Absprachen mit dem Kaiser gebrochen zu haben. Letzteres meint entweder sein Bündnis mit dem Usurpator Tankred in Sizilien, oder aber, dass er den Sachsenherzog Heinrich den Löwen nach dessen Verbannung durch Heinrich VI. bei sich aufgenommen hatte. Am 25. März 1193 musste er einer Lösegeldforderung von 100 000 Mark zustimmen. 

Die Selbsttötung galt im mittelalterlichen Recht als Mord. Begründet wurde dies unter anderem mit dem Gebot der Nächstenliebe. Davon wurde eine Aufforderung zur Eigenliebe abgeleitet, die Selbsttötung verbiete. Wer sich das Leben nahm, wurde mit Exkommunikation bestraft und erhielt kein kirchliches Begräbnis. Neben dem kirchlichen Recht ist auch der Aberglaube des Volkes zu berücksichtigen. Untote konnten demnach nach einem schrecklichen Tod – worunter auch der Selbstmord gezählt wurde – zu Wiedergängern werden. Um dies zu verhindern, gab es verschiedene Methoden. So wurden Leichen im Grab mit einem Pfahl durchschlagen oder mit Steinen beschwert. Möglich war auch, sie zu fesseln oder kopfunter zu beerdigen. In schwerwiegenden Fällen wurden den Leichen die Köpfe abgeschnitten oder sie wurden gänzlich zerteilt. Mit der letzten Maßnahme schützte man sich nicht nur gegen potentielle Wiedergänger, sondern schreckte auch Nachahmer ab.

Aleydis von Tettingen:
Da ihr Ehemann Lothar von Landenberg Marschall am Kaiserhof ist, muss sich Aleydis ebenfalls als Hofdame in der Gesellschaft der Sizilianerin Konstanze aufhalten. Sie hasst es jedoch, ihr Temperament zu zügeln und fühlt sich daher am Kaiserhof alles andere als wohl. Nur in Gegenwart ihrer Schwester Belanca fühlt sie sich wohl. Als Belanca tot unter der Steinernen Brücke gefunden wird, ist Aleydis fest entschlossen, die Wahrheit über den Tod ans Licht zu bringen.

Richard „Löwenherz“ Plantagenet:
Der König von England ist zur Untätigkeit verdammt und entsprechend gelangweilt. Seine Zeit vertreibt er sich damit, die Wachen seines Aufpassers Hadmar von Kuenring zu ärgern. Doch dann wird in Regensburg eine Hofdame tot aufgefunden. Richards Neugierde ist sofort geweckt. Aber hat er mehr mit dem Mord zu tun, als er zugeben will?

Lothar von Landenberg:
Trotz ihres Ungestümen Temperaments liebt Lothar seine Ehefrau Aleydis von ganzem Herzen. Als deren Schwester tot aufgefunden wird, versucht er sie jedoch daran zu hindern, über den Unglücksfall nachzuforschen. Hat er wirklich nur, wie er beteuert, Angst um ihren Ruf und ihre Sicherheit?

Rudwin von Gomaringen:
Rudwin, der Reichsmundschenk, konzentriert seine Aufgabe, sich um die Tränke und Speisen am Hof zu kümmern, allzu sehr auf Bier und Wein. Hat er zu viel getrunken und dabei Informationen ausgeplaudert, beschuldigt er meist seine Frau Belanca, ihn nicht gehindert zu haben. Häufig artet dies in eine Prügelei aus. Ob er Belanca auch in der Nacht ihres Todes bedrängt und versehentlich die Brücke hinuntergestoßen hat?

Magnus von Tettingen:
Magnus ist der ältere Bruder von Aleydis und Belanca. Nach Belancas Tod begleitet er Aleydis nach Dürnstein, damit sie mit Richard Plantagenet über dessen Treffen mit Belanca reden kann. Belanca ist gleich der zweite Unglücksfall, der ihn innerhalb weniger Jahre erschüttert, denn seine junge Frau verstarb samt seines Neugeborenen im Kindbett, während er sich auf dem Feldzug nach Sizilien befand. Für ihn ist „der Engländer“ ein absolut rotes Tuch. Und seine Abscheu ist Aleydis bei ihren Ermittlungen alles andere als hilfreich.