Herzlich Willkommen

 

Müde schleppt sich die Reisende durch die Straßen. Sie hat einen langen Weg hinter sich, doch der Berg, den sie zu erklimbenz_startseitemen versucht, ist nicht kleiner geworden, im Gegenteil! Die Spitze scheint noch immer gleich weit entfernt wie zu Beginn ihrer Reise. Nun ist sie in einem kleinen Dorf angekommen. Freundliche Einwohner haben ihr den Weg zur nächsten Herberge beschrieben. Sie entdeckt das alte, vergilbte Schild über dem Eingang der Tür. Weil sie nicht erkannt werden will, zieht sie die Kapuze tiefer ins Gesicht und schlingt ihren Mantel enger um ihren Körper.
Die Scharniere quietschen als sie eintritt und der würzige Geruch von Rauch und Alkohol schlägt ihr entgegen. Die Stube ist beinahe leer. In einer Ecke sitzt ein vermummter Mann und raucht seine Pfeife. Sie nickt ihm zu, ebenso wie der Frau, die über ihren Bierkrug gebeugt ist und sie gar nicht bemerkt. Die Fremde zuckt mit den Schultern und wendet sich an den Wirt, der hinter dem Tresen seine Gläser putzt.
Er mustert sie misstrauisch. „Kann ich Ihnen helfen?“
„Ich hoffe doch. Ich suche ein Zimmer für die Nacht.“
„Nur mit Vorkasse. Ich will bare Münzen sehen.“
„Ich habe leider kein Geld bei mir. Aber vielleicht kann ich Ihnen heute Abend beim Bedienen behilflich sein?“
Der Wirt schnaubt. „Die Kneipe läuft nicht sonderlich gut. Da brauche ich keine zusätzliche Hilfskraft. Suchen Sie sich woanders eine Unterkunft. Ohne Geld lass ich Sie nicht hier pennen.“
„Und wenn ich Ihnen mit einer kleinen Veranstaltung Gäste ins Haus locke?“
Der Wirt lacht auf. Die Frau vor ihm ist nicht gerade groß. „Was will ein unscheinbares Persönchen wie Sie denn für einen Zirkus veranstalten? Alleine? Was können Sie denn so Besonderes?“
Die Frau lächelt. „Ich habe eine lange Reise hinter mir. Mit zehn bin ich aufgebrochen und bin durch die unterschiedlichsten Länder und Welten gereist. Ich habe viel erlebt und viel gesehen. Vielleicht interessiert es ja den ein oder anderen, was ich zu erzählen habe. Lassen Sie mich etwas Farbe in diesen grauen Alltag hineinbringen! Lassen Sie mich erzählen von niederschmetternden Schicksalen, von unbeugsamen Männern und Frauen und von Wesen, die nur in eurer Fantasie lebendig werden.“
Der Wirt runzelt die Stirn. „Wer oder was sind Sie?
„Ich bin eine Reisende“, antwortet die Frau. „Ich reise durch Geschichten und halte sie für andere fest, schreibe sie auf. Manche nennen das auch: Autorin. Mein Name ist Isabella Benz.“