Buchbesprechung statt Rezension?

Seit einigen Monaten stoße ich immer wieder auf die Frage: Darf ich als Autorin eigentlich Bücher meiner Kolleginnen und Kollegen rezensieren – die ja unabhängig davon, wie ich das empfinde – zur Konkurrenz gehören? Gehört sich das?

Ich habe im Netz recht unterschiedliche Reaktionen dazu gelesen: angefangen beim Verweis auf das Recht zur freien Meinungsäußerung über die Frage nach dem guten Ton gegenüber Kollegen bis hin zum Verbot der Wettbewerbsverzerrung, das es nicht erlaubt, das „Produkt“ eines Konkurrenten schlecht zu machen, worunter bereits eine 3-Sterne-Rezension zu zählen ist.

Ich kenne mich im rechtlichen Bereich gar nicht aus, daher kann ich mich dazu nicht wirklich äußern. Was sehr deutlich formuliert ist, sind die Richtlinien in Amazon. Allerdings verbieten diese Regeln Autor*innen ja „nur“ das Rezensieren von Büchern auf ihrer Plattform (und dennoch eingereichte Rezensionen werden gegebenenfalls einfach gelöscht), ein generelles Verbot stellt dies aber nicht dar. Da es viele auch bekanntere Autoren gibt, die Rezensionen zu Kollegen schreiben, gehe ich davon aus, dass „in dubio pro re“ eine faire und begründete Bewertung nicht verboten ist. Unabhängig davon bleibt aber natürlich die Frage: Gehört sich das?

Letztlich muss das jede/r für sich selbst beantworten. Für mich haben bei meiner Entscheidung mehrere Gesichtspunkte eine Rolle gespielt. Grundsätzlich rede ich gerne über Bücher, die ich lese. Ich tausche mich gerne darüber mit anderen Menschen aus wie spannend ich eine Geschichte fand, über welche Charaktere ich mich geärgert habe, ob mich der Schreibstil mitreißen konnte … für all das bietet das Internet eigentlich hervorragende Möglichkeiten. Gleichzeitig finde ich die Frage, ob ich als Bekannte oder Konkurrentin nicht in gewisser Weise befangen bin, durchaus berechtigt. Zudem kenne ich das unangenehme Gefühl, das negative Rezensionen mit sich bringen. Kann ich das anderen wirklich antun?

Als ich aber darüber nachdachte, den Rezensionspart meines Blogs zu löschen, merkte ich bald, dass mir die Vorstellung die Freude am Lesen verdorben hat. Deshalb suchte ich nach einer Alternative: auf welche Weise kann ich meine Meinung über Bücher so mitteilen, dass ich weder meine LeidgenossenKollegen verletze, noch mich verstellen muss?
Für mich stand ziemlich schnell fest, dass dann eines in jedem Fall nicht mehr geht: Die Bewertung! Was dagegen spricht? Ich habe zwar eine Bewertungslegende verfasst, bezweifle aber, dass viele sie sich anschauen. Viel mehr fürchte ich, dass die meisten bereits ihre eigene Legende im Kopf haben, was 1, 2, 3, 4 oder 5 „Füchse“ (aka Sterne) für sie bedeuten (ihr könnt mich gerne eines Besseren belehren 😉 ). Das deckt sich sicher nicht immer mit meiner Definition. Wer jedoch eine Rezension nur überfliegt, vielleicht noch das Fazit sieht und sich dann hauptsächlich an der Anzahl der Füchse orientiert, hat mitunter gar nicht meine Meinung zu dem Buch wahrgenommen. Keine – mitunter ohnehin schwer zu entscheidende – Bewertung mehr anzugeben, kommt also meinem eigentlichen Ziel, über das Buch reden zu wollen, deutlich näher. Außerdem weiß ich selbst, dass ich oft schlucken muss, wenn jemand mir eine „schlechtere“ Rezension verpasst. Ohne die Rezension überhaupt gelesen zu haben, wird mir bei 1- oder 2-Sterne-Bewertungen erstmal flau im Magen. Das möchte ich in Zukunft für andere Autor*innen gerne vermeiden. Daher habe ich auch die Bezeichnung gewechselt. Auch wenn das von der Wortdefinition her nicht nötig wäre, werde ich in Zukunft von „Buchbesprechungen“ statt von „Rezensionen“ schreiben.
Eine weitere Neuerung, die ich mir hiermit vornehme, ist, keine Verrisse mehr zu schreiben, beziehungsweise habe ich die (zu) negativen Rezensionen umformuliert oder vom Blog gelöscht. Zwischen (ungerechtfertigten) Lobhudeleien und einem Verriss gibt es meines Erachtens einen guten Mittelweg, den ich ansatzweise bereits verfolge, aber nun vertiefen will: Ich möchte meinen Fokus stärker darauflegen, Stärken und Schwächen eines Romans auszuleuchten und mir auch zu überlegen, für welche Zielgruppe (sollte ich nicht dazu gehören) das Buch interessant sein könnte. Falls ich wirklich gar nicht mit einem Roman klarkomme, ihn entweder abgebrochen oder zu großen Teilen nur überflogen habe, werde ich dazu schlicht keine Besprechung mehr abgeben. Solltet ihr also das Gefühl haben, auf diesem Blog finden sich ja nur eher positive Buchbesprechungen, dann liegt das nicht daran, dass ich einfach immer alles toll finde, sondern daran, dass ich alles andere nicht veröffentliche.

Der Weg ist mit Sicherheit nicht optimal. Aber es ist ein Weg, den ich trotz seiner Steine gerne beschreiten möchte. Was ist eure Meinung dazu? Bzw. wie handhabt ihr das als Autoren und Autorinnen?

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