Wer das Schweigen bricht

von | 6. Sep 2016 | 0 Kommentare

„Wow! Ein richtiges Gänsehaut-Buch …“

Autorin: Mechthild Borrmann
Taschenbuch: 224 Seiten
Verlag: Pendragon, Neuauflage: Droemer
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Rezension:

Robert Lubisch findet im Schreibtisch seines verstorbenen Vaters eine alte Schatulle. Darin befinden sich das vergilbte Bild einer hübschen jungen Frau sowie Entlassungspapiere aus der Kriegshaft und der Ausweis eines SS-Hauptmanns William Peters. In der Hoffnung, eine heimliche Geliebte gefunden zu haben, spürt Robert das Fotoatelier auf, indem das Bild entstanden ist und findet heraus, dass es sich bei dem Foto um Therese Peters handelt, die Frau des SS-Hauptmanns William Peters. In deren ehemaligen Haus wohnt mittlerweile eine Journalistin, die eine interessante Story wittert und zu recherchieren beginnt.

Die Spannung baut sich zunächst langsam auf. Die Suche von Robert und wenig später von der Journalistin Rita Albers wird stets von einem Hauch „Geheimnis“ begleitet. William und Therese Peters verschwinden beide im Jahre 1951 aus unerklärlichen Gründen. Früh regte es meine Fantasie an und ich begann, herum zu überlegen: Was war mit den beiden passiert? Was hat Roberts Vater damit zu tun? Tatsächlich erfährt die noch lebende Therese von der Suche und nimmt uns mit in ihre Erinnerungen, beginnend im Jahr 1939. Die Spannung nimmt dann etwa ab der Mitte des Buches rasant zu. Die beiden Anfangsfragen schwingen dabei stets im Hintergrund mit. Dazu gesellt sich unweigerlich die geschickt verpackte Frage: Was ist Wahrheit? Mit der Auflösung des Geheimnisses hatte ich dann tatsächlich nicht gerechnet. Mechthild Borrmann hat definitiv eine Story vorgelegt, die mich fesselte.

Ihren Schreibstil fand ich anfangs etwas gewöhnungsbedürftig. Sie ist nicht sehr ausschweifend. Besonders bei Beschreibungen genügen ihr oft wenige Worte. Allerdings gelingt es ihr damit nach einer kurzen Eingewöhnungsphase auch, die Atmosphäre einzufangen. Die Geschichte wird dabei unglaublich dicht. Bei manchen Passagen überkam mich dann tatsächlich eine Gänsehaut.

Etwas skeptisch war ich anfangs auch, wie das Buch wohl den Umgang mit dem Nationalsozialismus gestalten würde. Meine Befürchtungen wurden jedoch allesamt nicht erfüllt. Der Roman zeigt mit wenigen Charakteren eine spannende Bandbreite von Opfern, Mitläufern, Drahtziehern und Widerständlern. Dabei bleibt alles auf eine schockierende – und Gänsehaut schaffende – Weise „normal“. Ohne in die Sicht der Charaktere zu schlüpfen, gelingt es Borrmann, ihre Hauptfiguren auf ihre je eigene Art erschreckend logisch handeln zu lassen. Die Figuren wirken trotz ihrer Schreckenstaten alle „menschlich“, im Sinne von: echt.

Fazit: Ein Buch, auf das ich mich erst einlassen musste, das mich dann jedoch restlos überzeugt hat. Hervorragend!

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Data from Goodreads

  • Book cover

    Die Lüge von Amergin Manor

    Antonia Günder-Freytag

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