Weltenbau

von | 21. Jun 2016 | 0 Kommentare

Schon im Bereich „Urban Fantasy“ muss sich ein Autor gut überlegen, wie viel Magie es gibt, welche Kreaturen noch da sind, oder welchen Regeln das Mystische Element unterliegt. Es ist zwar keine Recherche im eigentlichen Sinne nötig, aber die Arbeit, die man hineininvestiert, ist ähnlich aufwendig, manchmal sogar noch aufwendiger.
Für „Vermächtnis der Hüter“ habe ich es mir gleich doppelt schwer gemacht: Ich habe mehr oder weniger zwei Welten neu kreiert. Eine davon, Haphtir, ist relativ simpel aufgebaut. Cascavel hingegen ist deutlich komplexer. Wie die Welten letztlich aufgebaut sind, habe ich bereits auf den entsprechenden Seiten erzählt, heute geht es mehr darum, welche Schritte ich zur Entstehung dieser Welt durchlaufen bin.

Ich orientiere mich meist an unserer Erde, wenn ich Welten kreiere. Dabei ist mein erster Punkt: Ich mache mir Gedanken über die Klimazonen und dadurch bedingt über die Pflanzen- und Tierwelt. Die Erde ist super, weil es so viele Vorbilder gibt: Wo sind Wüste? Meer? Wälder? Berge? Flüsse? Wie warm ist es? Oder befinden wir uns gar in der Antarktis? Das zu entscheiden ist vorrangig mal das Wichtigste, weil das natürlich auch die Form mitbestimmt, wie Menschen oder auch magische Rassen sich organisieren können.
Dank meinem Studium kenne ich mich mit sehr vielen verschiedenen „Staatsformen“ aus: Königreiche, Ständegesellschaften, Monarchien, Absolutismus oder auch Stämme, es gibt so viele Möglichkeiten, wie Menschen sich strukturieren. Und irgendeine Struktur brauchen sie. Dann ist die Frage, wo die Menschen oder die Rassen leben können. Ist das Land für die betreffende Rasse wirtlich oder unwirtlich? Je nachdem ist die Besiedlung dicht oder weniger dicht. Bei einer hohen Bevölkerungsdichte ist eine parlamentarische Organisation, Königreiche oder ein Kaisertum wahrscheinlicher, bei weniger dicht besiedelten Gegenden, werden wohl eher sehr kleine Königreiche oder mehr etwas in Richtung Stämme wahrscheinlicher sein.
Parallel dazu ist ein Glaubenssystem zu entwickeln. Der Glaube (auch der Unglaube!) bedingt wiederum die Kultur mit allem, was daran hängt: Feiertage, Wochenstruktur, Gebäude, usw. Daneben gibt es noch Schul- und Studiensysteme zu bedenken. Sobald dieses allgemeine einigermaßen steht, mache ich mir Gedanken über bestimmte Ortschaften, die dann im Roman eine Rolle spielen.

Was mir große Freude bereitet hat, um spielerisch noch mehr über meine Welt herauszufinden, war: ein Reisetagebuch! Ich habe aus der Sicht von Noelia ein Tagebuch verfasst, in dem sie ihre Flitterwochen mit Juan beschreibt. Ein Absatz daraus ist folgender:

Huch, die Bahn wackelt ganz schön. Das bin ich gar nicht gewohnt. Juan meint, das liegt an den unterirdischen Quellen, die würden mit Magie reguliert werden, aber manchmal verschiebt sich da ein bisschen was. Erdbeben sind in Agol dadurch auch wesentlich häufiger als in Limejra, aber gut: in keinem Land in Südcascavel ist das so schlimm wie in Mittelcascavel, da sind schlimmere Erdbeben. Das hier sind nur kleine Erschütterungen und es ist auch einigermaßen kontrolliert.

Auf die Weise mit einer Protagonistin die eigene Welt zu erkunden, das hat mir super viel Spaß gemacht!

An die Leser unter euch:
Da ich häufiger die Kritik bekommen habe, in „Vermächtnis der Hüter“ sei die Welt sehr kompliziert: Erkundigt ihr euch, wenn ihr einen Fantasyroman lest, ob es Hintergrundinformationen über die Welt gibt? Mögt ihr ein „Lexikon“ und „Karten“ als Anhänge? Und wenn ja: Schaut ihr euch so etwas vor, nach oder sogar während dem Lesen an?

An die Autoren unter euch:
Wie geht ihr beim Weltenbau vor? Habt ihr einen besonderen „Trick“ den ich nicht genannt habe?

Ihr habt noch nicht genug Infos darüber, wie Autoren ihre Welten gestalten? Dann empfehle ich euch den Blogbeitrag von Susanne Wolff zu diesem Thema: Tintenspuren – Der Weltenbaukasten

Ich lese gerade:

Data from Goodreads

  • Book cover

    Die Lüge von Amergin Manor

    Antonia Günder-Freytag

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