Tamonia

von | 27. Sep 2016 | 0 Kommentare

“Eine junge Frau kämpft gegen die Vorurteile, die die Völker ihrer Welt füreinander hegen – Low Fantasy mit einigen überraschenden Wendungen.”

Autorin: Dorothe Zürcher
Print: 252 Seiten
Sprache: Deutsch
Kauf: Amazon ~ Buchhandel ~ Verlag

Zusammenfassung:
Als Renias Schwester Kerla an den elterlichen Hof zurückkehrt, merkt Renia sofort, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist. Ihre Schwester wurde von den Priestern Tamonias auserwählt, eine große Ehre für sie, da ihre Mutter aus dem „barbarischen“ Land Hiskaia stammt und Kerla und Renia, obwohl Töchter eines einflussreichen Herzogs, somit nur halb zu den Tamoniern gehören. Doch Kerla wirkt alles andere als glücklich. Irgendetwas bedrückt sie. Bevor Renia sie zur Rede stellen kann, wird Kerla tot aufgefunden: Sie hat sich selbst im Teich ertränkt. Kurz darauf muss Renia erfahren, dass nun ihr die Aufgabe zukommt, die eigentlich Kerla hätte erfüllen sollen: Sie soll Mechanon gebären, den Erlöser, der als einziger den bösen Kergaron vernichten kann. Eigentlich eine Ehre, wäre Mechanon nicht ein Halbwesen, halb Mensch, halb Dämon. Denn das bedeutet, dass Renia sich von einem Dämon schwängern lassen soll.

Dorothe Zürcher verarbeitet in ihrem Roman einige hochaktuelle Themen. So treiben Erdbeben, die die tamonischen Priester auf Kergaron zurückführen, Flüchtlinge ins Land. Die Tamonier sind jedoch alles andere als bereit, die Flüchtlingsströme bei sich aufzunehmen. Gleichzeitig treffen im Roman immer wieder verschiedene Kulturen und Glaubenseinstellungen aufeinander, die von Vorurteilen geprägt sind. Dorothe Zürcher bewegt sich, was das anbelangt, ganz im Strom ihrer Zeit, was mir Recht gut gefallen hat. Auch der Einfluss, den die Mythen und der Glaube auf das Leben der Gläubigen, insbesondere auf die Protagonistin Renia haben, ist sehr gut dargestellt und machte mich nachdenklich. Gut gefallen hat mir auch das Motiv der Priesterhunde, die sehr lebendig dargestellt sind. Zudem bietet der Roman einige überraschende Wendungen, sodass ich zwischendurch selbst nicht mehr wusste, wem Renia noch glauben kann. Dorothe Zürcher verschleiert die Motive der vielen Schlüsselfiguren geschickt und zwingt den Leser, ganz aus Renias Sicht das Geschehen mitzuerleben.

Allerdings konnte ich nicht alle Wendungen, die von Renia ausgingen, richtig nachvollziehen. Manche Entscheidung von Renia, ihre Gedanken und Gefühle, blieben mir verschlossen. Extrem empfand ich das im zweiten Teil. Der erste hatte mir sehr gut gefallen, er war spannend und erfrischend … anders. In Teil 2 hatte ich jedoch das Gefühl, das nun doch wieder alles in alte Bahnen zurückgelenkt wird, und da kam ich mit Renia einfach nicht mit. Sie trifft etwa in der Mitte des Buches eine wichtige Entscheidung, die alles beeinflusst, aber warum sie das tut, konnte ich nicht verstehen. Es wurde dadurch für mich auch etwas zäh. Zumal mit dem Unverständnis auch meine Sympathie für Renia schwand. Sie ist mir etwas zu naiv in ihrem Glaubenssystem verhaftet, sodass ich mich nur schwer mit ihr identifizieren konnte.
Hinzu kommt, dass mich der Roman streckenweise sehr an den Herrn der Ringe erinnerte. Ich weiß, es gibt auch andere Geschichten, in denen riesige Augen vorkommen, aber dass dieses Auge Renia in ihre Träume verfolgt, klingt doch sehr nach Sauron und da wäre sicherlich auch ein anderes Motiv möglich gewesen, ich denke da zum Beispiel an grüne Tentakel oder so, in der Hoffnung, nicht zu viel zu spoilern 😉
Den Klappentext empfinde ich im Nachhinein als etwas irreführend. Um Kerla geht es in dem Roman eigentlich weniger, sie stirbt bereits auf den ersten 14 Seiten. Meines Erachtens steht Renia und ihre Quest absolut im Mittelpunkt, was meiner Meinung nach im Klappentext deutlicher hätte werden können. So hört es sich nach einem Krimi an, als würde Renia den Mord ihrer Schwester auflösen müssen, aber auch das schafft sie sehr schnell und darum geht es im Roman auch nur am Rande.

Fazit: Der Roman ist solide geschrieben und bietet einiges an Spannung, auch wenn ich mit der Protagonistin nicht ganz warm werden konnte. Wer gerne schnelle Geschichten liest und sich nicht an “Herr der Ringe”-Imitationen stört, der sollte hier zumindest mal in die Leseprobe schnuppern und sich selbst ein Bild machen!

Ich lese gerade:

Data from Goodreads

  • Book cover

    Die Lüge von Amergin Manor

    Antonia Günder-Freytag

    52 %
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