In Ullesthorpe kommt es zu mysteriösen Vorfällen: Tiere werden zerrissen aufgefunden, als ob ein großer Hund oder ein Wolf über sie hergefallen wäre. Doch es gibt keinerlei Spuren, die darauf hindeuten, dass sich ein Wolf oder ein streunender Hund in der Nähe aufhält. Der Duke of Lancester fürchtet, dass ein Dämon hinter den Angriffen stecken könnte. Deshalb bittet er Meister Wyclif um Rat. Der Geistliche soll gemeinsam mit seinem Schüler die Überfälle aufklären.
Mit „Die Bestie von Ullesthorpe“ von Susanne Haberland deckt die Anthologie „Gesänge aus Dunklen Zeiten“ ein weiteres Genre ab, in dieser Kurzgeschichte wird es nämlich kriminalistisch.
Isabella Benz: Wyclif und sein Schüler, die einen Kriminalfall lösen – ich muss zugeben, dass mich Ihr Duo ungemein an Sherlock und Watson erinnert hat. War das beabsichtigt?
Susanne Haberland: Sherlock Holmes und Doktor Watson sind natürlich Vorbilder für Meister Wyclif und Gilles, ebenso wie Umberto Ecos William von Baskerville und Adson von Melk und viele andere klassische Detektivpaare. Eine kriminalistische Geschichte von einem Schüler des Detektivs erzählen zu lassen, hat viele Vorteile: Man kann die Gedankengänge des Ermittlers je nachdem, wie es passt, entweder über ein Gespräch mit dem Schüler erklären oder im Dunkeln lassen.
Isabella Benz: Das ist natürlich ein interessanter Kniff, danke, dass Sie uns darüber aufgeklärt haben. Das ist vermutlich ein Mitgrund, weshalb die Figur des Wyclif einen beinahe übermenschlichen Charakter hat. Ein anderer ist, wie der Duke Wyclif gleich zu Beginn vorstellt:
»Meister Wyclif«, wisperte er, »was ist das für ein Wesen, das keine Trittspur hinterlässt? Ein Dämon, der durch die Luft kommt und wieder verschwindet? Ihr seid ein Geistlicher und obendrein ein kluger Mann. Nein, widersprecht mir nicht. Ihr habt einen scharfen Blick, lasst Euch weder durch die Ehrfurcht vor Vorgesetzten noch den Hochmut gegenüber Untergebenen ablenken. Ich bitte Euch: Reist nach Ullesthorpe und untersucht diese Angelegenheit in meinem Namen!«
Schreiben Sie häufiger über solche Figuren? Oder ist das eher eine Ausnahme?
Susanne Haberland: Ich schreibe gern über historische Figuren und lasse sie auch im phantastischen Kontext oft mit Zitaten zu Wort kommen, und ja, da gibt es schon sehr viele faszinierende Persönlichkeiten. Auch John of Gaunt war ein außergewöhnlich facettenreicher Mensch, trotz seiner schlechten Presse zu Lebzeiten.
Isabella Benz: Das klingt, als ob Sie damit schon häufiger experimentiert hätten. Sind Sie denn meist im historischen Bereich tätig? Oder bedienen Sie noch weitere Genres?
Susanne Haberland: Ich schreibe meist Geschichten aus dem Bereich der Phantastik, aber weniger klassische Fantasy in der Nachfolge Tolkiens, sondern eher Geschichten aus den Grenzbereichen zum Historischen, das, was mein Vater (er ist pensionierter Deutschlehrer) „Historisches mit Viechern“ nennt. Insofern ist „Die Bestie von Ullesthorpe“ sehr typisch für meine Art, Geschichten zu erzählen.
Isabella Benz: Arbeiten Sie auch aktuell an etwas dergleichen?
Susanne Haberland: Mein erstes Buch, „Drachen, Gold und Gaunerehre“ ist seit Februar als E-Book erhältlich und wird demnächst auch als Printversion erscheinen. Die Geschichte spielt in einem viktorianischen London „mit Viechern“. Zurzeit arbeite ich an einem zweiten Roman, bei dem ich allerdings noch in den Anfangskapiteln stecke. Parallel dazu entstehen einige Kurzgeschichten für Ausschreibungen. Zurzeit boomt der Myth Punk, die Umsetzung lokaler Sagen oder Märchen in moderne Kurzgeschichten, das ist genau mein Ding.
Isabella Benz: Schön, dass der Trend Ihnen da so zuspielt. Möchten Sie zum Abschluss noch denjenigen Lesern, die selbst schreiben, einen Tipp mitgeben?
Susanne Haberland: Ich würde ihnen eindringlich raten, niemals für eine Veröffentlichung zu bezahlen. Ein Verlag, der Geld von den Autoren verlangt, ist nicht seriös, und wer seine Werke nicht anders publizieren kann, der schreibt vermutlich nicht gut genug und sollte entweder üben oder sich ein anderes Hobby suchen.
Isabella Benz: Eine klare Ansage. Herzlichen Dank dafür, dass Sie uns einen Einblick in Ihr Schreibleben gewährt haben.
Susanne Haberland: Auch Ihnen herzlichen Dank!
„Eine flüssige Kriminalgeschichte mit einer schaurig-schönen Atmosphäre.“ – Isabella Benz