Südafrika

von | 29. Jul 2017 | 0 Kommentare

Südafrika gilt nicht ohne Grund als Regenbogennation, denn mit 11 Amtssprachen, Holländern, Engländern, Zulu, Suthu und Xhosa – nur um ein paar zu nennen – treffen hier die unterschiedlichsten Kulturen aufeinander. Die Vielfältigkeit findet sich auch im Wetter, das häufig schwankt, man weiß nie, was einen nun erwartet. Unter diesen Bedingungen zu arbeiten ist nicht leicht, zu planen scheint unmöglich. Doch es ist gerade die Herausforderung, Gottes Schöpfung in ihrer Vielfältigkeit zu vereinen, die die Arbeit besonders macht.

Youth for Christ – Kwa Zulu Natal hat viele Projekte. In einem dieser Projekte, Khayalethu, übersetzt: „unser Zuhause“, durfte ich von September 2009 bis März 2010 mitwirken. Es befasst sich damit, Kinder von der Straße zu holen und sie wieder in ihre Familien zu integrieren. Zwei Shelter stehen der Organisation zur Verfügung: Jungen und Mädchen dürfen hier ein Jahr lang leben, bekommen Kleidung, werden versorgt und täglich in die Schule gefahren. Die Wochenenden sollen sie bei ihren Familien verbringen. Häufige Gespräche mit diesen sind nötig, denn das Endziel ist es, den Kindern einen Neuanfang mit ihren Verwandten zu ermöglichen.

Doch die Arbeit endet nicht hier. Vor gut fünf Jahren begann die Organisation, nachzuforschen: Woher kommen die Straßenkinder? Und bald fand man die drei Townships, aus denen die meisten der Kinder geflohen waren. Neben der Straßenarbeit und der Arbeit in den Sheltern begann nun für Khayalethu eine Vorsorgearbeit in eben diesen Townships.

Auch ich durfte die meiste Zeit in einem der Townships verbringen: Site 11 war mein Arbeitsplatz. Von unserem Volontärshaus, das sich neben dem Shelter der Jungen befindet, gingen wir gegen halb neun zu dem Büro Khayalethus. Dort fing unsere Arbeit an: den Tagesablauf planen, Probleme diskutieren und nach Lösungen suchen, während uns der Chef des Teams zu unserem Township fuhr.

Besonders vormittags nahmen wir uns vieler verschiedener Aufgaben an: Wir empfingen Besucher, die uns ihre Sorgen vortrugen, gingen durch die Straßen und schauten nach Kindern, die nicht in der Schule waren, machten Hausbesuche, um mit den Eltern über gefährdete Kinder zu sprechen, oder gingen in die Schule der Kinder, wo uns die Lehrer über deren Verhalten unterrichteten. Vor dem Jahreswechsel hatten wir zudem dienstags eine Sozialarbeiterin da, die mit alkoholabhängigen Eltern über Drogen und Entzug sprach. Manchmal war es nötig, Erwachsene ins Krankenhaus zu bringen. Oder wir begleiteten Eltern und Kinder, um Geburtsurkunden und Kindergeld zu beantragen. Ab und an besorgten wir auch Essen für die Familien. Je nach dem, was notwendig war. Ansonsten galt es, das Nachmittags-Programm vorzubereiten.

Zwischen ein und drei Uhr kamen die Kinder aus der Schule zurück, die Jüngsten früher, die Älteren später. Zuerst halfen wir ihnen bei den Hausaufgaben und die Frühesten beschäftigten wir mit Spielen, bis genug da waren, um das Programm zu starten. Montags bastelten wir mit ihnen. Dienstags redeten wir über Life-Skills, zum Beispiel Zähneputzen, HIV und Aids, Richtiges Lernen, Mut, Hilfsbereitschaft und vieles mehr. Mittwochs waren Spiele angesagt. Und Donnerstag schließlich die Bibelstunde, in der wir ihnen unter anderem von der Schöpfung der Welt, Gottes Liebe, Jesus’ Tod und in vier Etappen die Joseph-Geschichte erzählten. Idealerweise waren die vier Programmpunkte durch ein wöchentliches Thema verknüpft, was allerdings nicht immer gelang. Zwei Mal die Woche bereiteten wir vormittags auch Brot für die Kinder vor, bestrichen Toast mit Marmelade oder Peanutbutter und lösten Sirup in Wasser auf, was wir den Kindern nach dem Programm aushändigten.

Zwischen vier und fünf holte unser Boss uns wieder ab. Meist war diese Autofahrt ebenfalls von einem nacharbeitenden Gespräch bestimmt. Gegen halb sechs waren wir schließlich Zuhause, die Arbeit hatten wir aber nicht zwangsläufig abgeschlossen. Immer häufiger stand abends noch eine halbe oder eine ganze Stunde Arbeit an, in denen Berichte fertig geschrieben, Dokumente der Kinder bearbeitet oder bereits das Programm des nächsten Tages vorbereitet werden mussten.

Freitags lief unser Tag anders ab, da wir nicht in unser Township fuhren. Vormittags trafen sich die Mitarbeiter des Teams „Khayalethu“ zu einem Gebetskreis, in dem die Teams mehr von der Woche der anderen erfuhren und anschließend traf sich unser Team zu einer Besprechung. Die Arbeiter der drei Townships trugen Berichte vor, die Mittwoch und Donnerstag geschrieben wurden und bei Problemen fahndete man gemeinsam nach einer Lösung. So verging der Vormittag schnell. Nachmittags war es uns frei gestellt, zu tun, was wir wollten und so suchte ich mir unterschiedliche Beschäftigungen. In der ersten Hälfte meines Aufenthalts ging ich häufig in das Mainoffice, um dort je nach Aufgabe, Berichte zu schreiben, Dankesschreiben zu frankieren oder Recherchen zu betreiben. In der zweiten Hälfte registrierten meine deutsche Kollegin und ich schnell, dass die Organisation unter schweren Geldproblemen litt. Deshalb starteten wir die Suche nach Spendern. Wir schrieben einen Bittbrief, und gingen durch die Straßen, zu größeren Geschäften, in das Einkaufszentrum und zu Tankstellen, redeten mit den Zuständigen und konnten sogar die ein oder anderen Erfolge erzielen. Gerade diese Arbeit forderte aber auch Überstunden früh am Morgen oder spät am Abend.

Einige Male durften wir außerdem die Kinder von Site 11 außerhalb unserer eigentlichen Arbeit unterstützen: Ein Schulkonzert und zwei Workshops an Wochenenden. Den ersten Workshop erlebten wir gleich nach dem wir ankamen und so waren wir nicht sehr in die Vorbereitung involviert. Den zweiten Workshop organisierten wir dafür tatkräftig mit. Mit den jüngeren Kindern studierten wir das Lied „He’s got the whole world in his hand …“ ein und die Älteren führten ein Theaterstück auf, in dem die Problematiken der Alkoholabhängigkeit, der Respektlosigkeit zwischen Eltern und Kindern und der vielen verschiedenen Sexualpartnern aufgegriffen wurden.

Die Arbeit in Südafrika war so wechselhaft wie das Wetter und so variantenreich wie die Kulturen der Nation. Zumindest eines hat es mich gelehrt: Flexibel zu sein, ist notwendig, um Menschen zu helfen. Man weiß nie, wann Probleme auftreten und häufig kommen sie geballt. Wenn man einmal Zeit hat, sollte man sie nutzen, denn wer weiß, was der nächste Tag bringt?

Wenn du mehr über meine Arbeit und meine Erfahrungen in Südafrika lesen möchtest, kannst du mir gerne einen Kommentar unter diesem Beitrag hinterlassen oder mir privat eine Nachricht über das Kontaktformular zukommen lassen.

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  • Book cover

    Die Ratten von Chakas (Die Greifen #1)

    C.M. Spoerri

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