Recherchereise: Wien und Dürnstein

von | 26. Feb 2017 | 0 Kommentare

Wien ist von meinem Heimatort Stuttgart zwar nicht allzu weit entfernt, aber auch kein wirklicher „Katzensprung“, nichts, das man einmal an einem Wochenendausflug besuchen könnte, sondern wofür man sich schon etwas mehr Zeit einplanen sollte. Nun erscheint im Mai „Tod einer Hofdame“, ein Historischer Kriminalroman mit Richard Löwenherz als wichtigste, historische Persönlichkeit und grundsätzlich besuche ich gerne die Örtlichkeiten, in denen meine Romane handeln. Entsprechend habe ich die erste freie Woche genutzt: Auf in den Fernbus und ab nach Wien!
Der Bus fuhr über Nacht und ich erreichte mein Ziel in den frühen Morgenstunden des vergangenen Montags. Passenderweise kam ich in Erdberg an, mittlerweile ein Stadtteil Wiens, der zu Zeiten von Richard Löwenherz noch ein eigenes kleines Dorf war. Hier wurde Richard auf der Rückreise seines Kreuzzuges gefangen genommen und dem Badenberger Leopold V., der zu dem Zeitpunkt in Wien weilte, übereignet. Die Gefangennahme war zwischen dem Stauferkaiser Heinrich VI. und dem französischen König Philipp August beschlossen worden, Leopold handelte jedoch nicht uneigennützig: ehe er den englischen König an den Kaiser auslieferte, schloss er einen Vertrag ab, der unter anderem ein hohes Lösegeld für Richards Freilassung festsetzte. Diesem Lösegeld verdankte Wien die um 1200 entstehende Stadtmauer. Sie besuchte ich als erstes, nachdem ich meinen Rucksack im B’n’B untergebracht hatte.

Meine einzige Auskunft war, dass sich die Stadtmauer bei der U-Bahn-Haltestelle Stubentor befindet. Als ich dort ausstieg, entdeckte ich zunächst jedoch nur ein riesiges Denkmal. Also fragte ich beherzt nach. Eine ältere Dame im Rollstuhl lächelte mich verschmitzt an und meinte nur: „Gehen Sie mal hinter das Denkmal.“ Und tatsächlich: dieses riesige Ding hatte mir einfach nur den Blick versperrt, bzw. fiel mir dann auf, dass ich auch einfach den falschen Ausgang genommen hatte. Hier befanden sich also die Überreste der um 1200 entstandenen Mauer!
Beschwingt setzte ich meinen Weg fort: als nächstes sollte es zu den beiden ältesten Kirchen Wiens gehen, dem Stephansdom und der Peterskirche. Auch wenn beide mehrmals bearbeitet und zum Teil nach Zerstörung neu errichtet wurden, reicht ihre Baugeschichte doch recht weit zurück. Die ältere der beiden ist die Peterskirche, die einer Legende nach 792 von Karl dem Großen gegründet wurde. Ein Relief auf der Außenseite der Kirche erzählt noch heute davon, allerdings ist die Geschichte historisch nicht nachweisbar. Genauere Informationen hat man diesbezüglich über den Stephansdom. Seine Gründungsurkunde reicht in das Jahr 1137 zurück, der erste Bau war 1147 abgeschlossen. Leider wurde dieser Bau komplett abgerissen und 1230 durch eine spätromanische Kirche ersetzt. Was mich erstaunt hat, war, wie nahe diese beiden Kirchen beieinanderstehen: sie sind keine 2 Minuten Fußmarsch voneinander entfernt! Kirchenbauten waren zwar Prestigeprojekte, warum die beiden Kirchen des 12. Jahrhunderts aber so nah beieinander sind, erschließt sich mir nicht … Habt ihr dafür eine Erklärung?
Nach diesen beiden Kirchen suchte ich nach den eigentlichen drei Eckpfeiler der Stadt Wien im 12. Jahrhundert: dem Markt, dem Burghof und der Ruprechtskirche. Diese drei stehen auch sehr dicht zusammen, Wien war damals wirklich eine kleine Stadt. Vom Hohen Markt zur Ruprechtskirche sind es etwa 3 Minuten Fußweg. Das Gelände dazwischen war der Burghof, also wirklich überschaubar, sollte man meinen … Tatsächlich bin ich fast eine Stunde umhergeirrt, um die Ruprechtskirche zu finden! Das lag zum einen daran, dass mein Orientierungssinn nicht gerade der Beste ist, zum anderen aber auch daran, dass die Kirche von den großen Häusern, die sie umgeben, komplett verschluckt wird. Als ich sie aber endlich gefunden habe, war ich schwer beeindruckt: das Fundament und der erste Abschnitt des Turmes sind noch aus dem 12. Jahrhundert und ich bin froh, dass ich bei der Suche nicht aufgegeben habe.

Der Dienstagvormittag war total verregnet, weswegen ich mich hauptsächlich in Buchhandlungen herumgetrieben habe. Am Mittag wurde es zumindest trockener und ich konnte noch etwas durch die Stadt schlendern. Hierbei fand ich besonders das Rathaus beeindruckend, das Gebäude ist wirklich riesig. Und insgesamt mag ich den Baustil der Stadt sehr gerne, die Bereiche, die ich gesehen habe, erinnern mich ein wenig an „Rom in schnicke“ – nicht, dass Rom fürchterlich heruntergekommen wäre, aber in Wien scheint man sich doch mehr um das Erscheinungsbild zu bemühen.

Den Mittwoch verbrachte ich in Gesellschaft zweier wunderbarer Autorenkolleginnen: Betty Kay und Susanne Halbeisen. Wir haben gelacht, gescherzt, geplottet, gut gegessen und waren spazieren. Es ist wirklich schön, Kolleginnen, mit denen man sonst nur übers www Kontakt hatte, einmal live zu begegnen und ich freue mich schon sehr auf die Buchmesse in Leipzig, auf der ich die beiden wiedersehen werde!

Am Donnerstag habe ich mich etwas weiter von Wien fort getraut: nach Krems und Dürnstein an der Donau. In Krems besaß Leopold V. einen Hof, in Dürnstein ließ er Richard Löwenherz von Hadmar II. von Kuenring bewachen. Die Ruine der ehemaligen Burg steht noch immer und ein Themenweg erzählt über Richard und all die Persönlichkeiten, mit denen er zu tun hatte. Auf die Ruine hinaufzusteigen, hat sehr viel Spaß gemacht und man hat von dort einen wirklich guten Blick auf die Donau und das umliegende Tal. Das Dorf, das zur Ruine gehört, ist winzig und fast alles ist auf den Tourismus rund um Löwenherz ausgerichtet, aber es ist schnuckelig und in jedem Fall einen Besuch wert!
Krems ist die nächst größere Stadt, mit der ich mich zwar historisch nicht so sehr auseinandergesetzt hat, die aber auch einige hübsche Gebäude und eine tolle Altstadt herzuzeigen hat. Im Sommer gibt es die Möglichkeit, eine Schiffstour mit Weinverköstigung zu unternehmen. Das kommt auf meine „irgendwann-mal-To-Do-Liste“ 😉

Freitag war bereits mein letzter Tag, da ich Samstag recht früh nach Stuttgart zurück musste. Da man in Wien wenigstens in einem Kunstmuseum gewesen sein sollte, und der Tag ohnehin wettertechnisch nicht der beste war, bin ich vormittags ins Obere Belvedere gegangen und habe mir Werke aus der Renaissance, dem Klassizismus und von Klimt angesehen. Danach habe ich noch die Virgilkapelle besichtigt. Sie wurde um 1220 in Auftrag gegeben und das, was man jetzt noch von der U-Bahn-Station Stephansdom aus erreicht, ist ein Bau aus dem 13. Jahrhundert. Ein Audioguide erzählt ausführlich über die Entstehung der Kapelle und die darüber befindliche Marienkirche. Außerdem gibt es eine kleine Ausstellung, die über das Leben im Mittelalter in Wien berichtet. Sehr empfehlenswert, falls ihr mal in Wien sein solltet! Die restliche Zeit verbrachte ich noch einmal damit, durch die Wiener Altstadt zu schlendern. Eine wirklich schöne Stadt.

Wart ihr schon einmal dort? Was ist euer Lieblingsgebäude? In der Bilderschau findet ihr noch einige Eindrücke!

Ich lese gerade:

Data from Goodreads

  • Book cover

    Die Ratten von Chakas (Die Greifen #1)

    C.M. Spoerri

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