Recherchereise: Regensburg

von | 16. Mrz 2017 | 0 Kommentare

Regensburg ist nach Wien und Dürnstein die dritte Station, in der sich Richard Löwenherz – zumindest für kurze Zeit – aufhält. Hierhin beruft Kaiser Heinrich den Reichstag ein, auf dem Herzog Leopold von Badenberg seine Geisel präsentiert. Kaiser Heinrich und König Richard begegnen sich dort das erste Mal und in „Tod einer Hofdame“ spielt die Stadt insofern eine besondere Rolle als dort die Tote gefunden wird, aufgrund derer der Krimi beginnt. Im Gegensatz zu Wien und Dürnstein hat mich auf diesen Ausflug letztes Wochenende mein Freund begleitet, der ein deutlich besserer Fotograf ist als ich. Von den zig Fotos, die er geschossen hat, habe ich euch aber nur eine verkleinerte Auswahl in die Galerie unten gepackt 😉
Wir starteten Samstagfrüh und kamen am späten Vormittag in Regensburg an. Nach einer anstrengenden Parkplatzsuche, die uns schließlich in ein leider nicht ganz billiges Parkhaus führte – am nächsten Tag waren wir etwas schlauer, dazu aber mehr weiter unten – war unsere erste Station der Dom von Regensburg. Das heutige Domgebäude wurde erst ab 1220 erbaut, stand zum Zeitpunkt des Romans also noch nicht. Dennoch ist es eine wirklich beeindruckende Kirche, die mit ihren zwei Türmen zum Wahrzeichen von Regensburg gehört. Da das Wetter wunderschön war, haben wir uns zunächst auf den Stufen des Domes ein wenig von der Sonne wärmen lassen. Danach haben wir nicht nur das Innere des Domes, sondern auch im dortigen Museum den Domschatz bewundert. Ich bin bei solchen Kunstwerken ja immer sehr zwiegespalten: einerseits ist die oft filigrane Arbeit an Stoffen oder goldenen Kelchen, Tabernakeln und Bischofsstäben wirklich beeindruckend. Andererseits muss ich immer unwillkürlich daran denken, über wie viele Menschen dies letztlich Leid gebracht hat, sei es beim Bau der monumentalen Kirchen oder, weil sie Abgaben leisten mussten, um den Prunk zu bezahlen. Entsprechend schwanke ich ständig zwischen Faszination und Abscheu. Ward ihr schon einmal in einem Domschatz-Museum? Wie ist es euch dabei ergangen?
Einen Steinwurf des Domes entfernt befindet sich der Alte Kornmarkt, der für meinen Roman wichtig ist, da Heinrich VI dort seinen Kaiserhof hatte. Aus der damaligen Zeit ist nur noch ein Turm, der zur Alten Kapelle gehört, erhalten, man kann sich jedoch meines Erachtens gut vorstellen, wie die mindestens ein Stockwerk hohen Gebäude sich um den heutigen Park- und samstags auch Marktplatz gedrängt haben müssen. Direkt am Alten Kornmarkt befindet sich auch das Historische Museum. Den Besuch dort verschoben wir aber auf den kommenden Tag. Nach dem Alten Kornmarkt zog es uns zunächst zur Steinernen Brücke.
Die Brücke ist neben dem Dom das Wahrzeichen der Stadt Regensburg und das zurecht. Sie ist die älteste Steinbrücke Deutschlands, erbaut 1135-1147, eigentlich unglaublich, dass sie immer noch so viele Menschen täglich trägt, oder? Natürlich hat sie einige Renovierungen hinter sich und eine Zeitlang war sie auch um eine S-Bahn-Überfahrt erweitert worden, aber in ihren Grundfesten ist sie immer noch die Brücke von damals. Unglücklicherweise war die zweite Hälfte der Brücke bei unserem Besuch von einem Gerüst zugedeckt. Wir konnten zwar drüber, aber in ihrer ganzen Länge und Größe konnte ich sie nicht von außen betrachten. Dafür werde ich wohl irgendwann einmal wiederkommen müssen!
Nach der Steinernen Brücke neigte sich unser erster Tag bereits dem Ende zu. Wir schlenderten noch ein wenig durch die Stadt und kehrten am Abend bei einem wirklich guten Italiener ein, den ich hier gerne weiter empfehle: die Pizzeria Italia in der Oberen Bachgasse 6. Die Pizzaböden waren schön dünn, was ich in Rom schätzen gelernt habe: im Gegensatz zu den napolitanischen (oder gar amerikanischen Pizzen) sind römische Pizzen so dünn ausgerollt, dass man eine Ganze problemlos schafft und sich danach nicht überfressen fühlt (Hand aufs Herz: wer kennt mein Problem? 😉 ). Dazu ist das Ganze in einem netten und schlichten Ambiente gehalten und – was für Studenten natürlich auch nicht zu verachten ist – bezahlbar. Mein Freund und ich waren uns an diesem Abend einig, dass wir, sollten wir wieder einmal in Regensburg sein, diese Pizzeria in jedem Fall noch einmal aufsuchen müssen!

Wir übernachteten in einer Airbnb-Wohnung etwas außerhalb von Regensburg, aber nur 15 Minuten Autofahrt entfernt. Dafür war es absolut still. So tief und fest konnte ich selten die erste Nacht in einem fremden Bett schlafen. Entsprechend gut erholt machten wir uns am nächsten Morgen nach einem Kaffee beim Bäcker wieder auf in die Regensburger Altstadt. Diesmal informierten wir uns besser bezüglich der Parkmöglichkeiten und es gibt tatsächlich einen kostenlosen P&R-Parkplatz, der „Untere Wöhrd“, keine 5 Minuten Fußweg von der Steinernen Brücke entfernt auf der Donauinsel. Wir waren allerdings recht früh da, ich vermute, dass der Parkplatz ab 11:00 auch nicht mehr frei gewesen wäre, aber das als kleiner Tipp am Rande …
Da wir am Tag zuvor einige Menschen auf dem Kirchturm der Evangelisch-Lutherischen Dreieinigkeitskirche (Am Ölberg 1) gesehen hatten, machten wir uns erst einmal auf den Weg dorthin in der Hoffnung, einen schönen Ausblick auf Regensburg zu erhaschen. Leider erfuhren wir dort, dass der Turm noch nicht für Besucher geöffnet sei und am Samstag lediglich ein Filmteam Zutritt hatte. Um die Aussicht vom Turm aus genießen zu können, muss man im Zeitraum von Mai bis September nach Regensburg gehen.
Damit war der erste Punkt auf der Sonntags-To-Do-List leider gescheitert. Wir machten uns also sofort auf zum Historischen Museum und hatten unerwartet Glück: Das Museum bot eine Führung zum Mittelalterlichen Regensburg an! Wir waren zwar schon ein paar Minuten zu spät, schlossen uns der kleinen Truppe aber dennoch nachträglich an und erfuhren einige interessante Details über die Entwicklung Ratisbonas vom Römer Kastell bis zur Erlangung des Stadtrechtes. Auch über die Entstehung der Steinernen Brücke wusste der Führer einiges zu berichten, was nicht nur ich spannend fand.
Da auch Sonntag ein wirklich sonniger und schöner Tag war, beschlossen wir, von der Regelung „Festtag bricht Fasttag“ Gebrauch zu machen und gönnten uns um die Mittagszeit einen schönen großen Eisbecher. Danach gab es noch zwei Dinge, die ich unbedingt erledigen wollte: Das Kloster Sankt Emmeram sowie die Porta Praetoria besichtigen. Zunächst machen wir uns auf dem Weg ins Kloster, das vom Fluss aus gesehen am anderen Ende der Bachgasse zu finden ist. Die Grundfeste des Klosters ist aus dem Jahr 1166, also fast so alt wie die Brücke. Lediglich das Innere wurde im 17. Jahrhundert umgestaltet. Die Pfarrkirche Sankt Rupert schließt sich direkt an die Klosterkirche an und so hat man nebeneinander zwei wuchtige Kirchengebäude, die einen in Staunen versetzen und definitiv einen Blick wert sind. Vor allem in der Klosterkirche haben wir uns lange aufgehalten, da dort in jeder Ecke wieder eine neue Besonderheit auftaucht und man sogar das Heiligengrab besichtigen kann. Wer gerne Kirchen besichtigt, sollte in Regensburg diese in keinem Fall verpassen, auch wenn sie nicht so berühmt ist wie der Dom.
Mit der Porta Praetoria, die auf dem Rückweg zum Parkplatz lag, reisten wir in der Regensburger Geschichte nochmal ein paar Jahrhunderte zurück. Die Porta bildete eine der Eingangstüre des römischen Legionslagers aus dem 2. Jahrhundert nach Christus. Sie wurde in den bischöflichen Hof integriert und ist es deshalb noch gut erhalten. Weiß man nicht, wie alt die Steinmauern sind, die man an dieser Stelle vorfindet, könnte man die Porta auch schlicht für einen langweiligen Steinbogen halten. Ich persönlich fühle mich aber an solchen Stellen immer die Vergangenheit gesetzt und stelle mir vor, wie Legionäre und Fuhrwerke und Handwerker und so durch diese Porta ins Lager gekommen sind … Bei einem Städtetrip wird Geschichte richtig lebendig! Mir hat Regensburg sehr gut gefallen, auch wenn es eine eher kleinere Stadt ist: für einen Wochenendausflug war/ist es genau das Richtige.

Ich lese gerade:

Data from Goodreads

  • Book cover

    Die Ratten von Chakas (Die Greifen #1)

    C.M. Spoerri

    100 %
    100 %

Folge dem Blog über Bloglovin

Follow