Lesefreude und Analyse?

von | 14. Jan 2018 | 0 Kommentare

In meinem Blogbeitrag „Buchgestöber“ habe ich mich bereits mit der Frage auseinandergesetzt, inwiefern Autor/inn/en auch Leser/inn/en sind. Das Thema dieses Blogbeitrages geht in eine ähnliche Richtung.
In letzter Zeit fällt mir häufiger auf, wie schwer es für mich ist, mich komplett auf eine Geschichte einzulassen. Das hat vor allem einen Grund: ich bin durch das Korrekturlesen darauf geschult, Fehler wahrzunehmen. Seien es nun Tippfehler, Fehler in der Rechtschreibung oder in der Grammatik, ich bemerke sie fast alle. Ob ich dadurch weniger Lesevergnügen habe? Bestimmt! Ob ich dadurch keine Otto-Normal-Leserin bin? Vermutlich stimmt das ebenfalls. Ob ich dadurch keine „guten“ – im Sinne von zu strenge – Kritiken verfasse? Darüber will ich in diesem Blogbeitrag nachdenken.

Fakt ist, dass ich selten komplett in einer Geschichte versinke. Ausnahmen sind Romane wie „Die Tage, die ich dir verspreche“ und „Die silberne Königin“, in die sich so gut wie keine Fehler eingeschlichen haben. Mehr Rechtschreibfehler habe ich leider in den letzten Selfpublishing-Büchern entdeckt, die ich lesen durfte. Das ist schlicht eine Tatsache und nicht als Kritik am Selfpublishing oder den entsprechenden Personen gemeint.
Da ich durch die Fehlerchen nicht tief in die Geschichte eingetaucht bin, habe ich natürlich auch noch einmal anders analysiert. Ich denke bereits während des Lesens intensiver über die Charaktere und die Plot-Entwicklung nach. Sicher weiß ich dann schon recht früh die Pro und Contras, die ich in einer Buchbesprechung dann auch nenne.
Ich versuche dabei aber stets offen zu bleiben. Verändern sich die Figuren im Laufe der Geschichte, berücksichtige ich das in einer Besprechung. Auch spannende Wendungen erwähne ich oder ob die Geschichte plätschert.

Sicher bin ich einer Geschichte mit mehreren Fehlern – und dazu zähle ich auch Fehler auf jeder zweiten Seite – eine kritischere und schwerer zufriedenzustellende Leserin. Meist finde ich es besonders anspruchsvoll, die Spannungskurve angemessen zu bewerten. Dennoch glaube ich, meine Empfindungen zu Geschichten angemessen reflektieren und klar unterscheiden zu können zwischen dem, was die Fehler bewirken, und was mich tatsächlich an den Charakteren oder dem Plot stört.

Ich würde gerne wieder einen Roman lesen, bei dem ich alles vergessen kann. Für einige Stunden komplett in eine andere Welt einzutauchen, war für mich in meiner Kindheit und in meiner Jugend das Größte. Doch das funktioniert heute einfach nicht mehr. Ich bin überzeugt, dass das nicht an der Schreiberei liegt, weil ich schon länger schreibe als ich Korrekturarbeiten übernehme, das Problem aber erst seit den Korrekturen habe.
Sicherlich bin ich dadurch eine strengere Rezensentin. Andere können besser in Geschichten verschwinden und dadurch fallen ihnen vielleicht weniger negative Aspekte auf. Vielleicht entgehen ihnen dadurch aber auch positive Dinge.
Ich bemühe mich immer, ein möglichst differenziertes Bild von Romanen zu liefern. Dass ich das Lesen weniger genießen kann als früher, wirkt sich durchaus auf meine Kritiken aus. Aber Fairness hat nichts damit zu tun, wie viele Mängel man an einem Roman findet. Viel relevanter ist, wie man seine Probleme begründet und dabei eben auch die Vorzüge eines Romans erläutert, zumindest empfinde ich das so.

Wie seht ihr das? Was macht für euch eine gute Buchbesprechung aus? Und wie geht es euch beim Lesen? Könnt ihr gut abschalten? Oder reibt ihr euch auch schnell an „Kleinigkeiten“?

Ich lese gerade:

Data from Goodreads

  • Book cover

    Im Bann der zertanzten Schuhe (Märchenspinnerei #5)

    Janna Ruth

    65 %
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