Isabella Benz: Heute darf ich Julia Marhenke auf der Autorencouch begrüßen! Sie hat zwei Kurzgeschichten aus der Anthologie Hexensteine (Amazon; Thalia) verfasst. Liebe Julia, deine Geschichten sind ja sehr unterschiedlich. Eine ist eher historisch, da andere sehr modern. Welche von beiden hat dir denn mehr Spaß gemacht?
Julia Marhenke: Da ich ein besonderes Faible für Wölfe habe, hat mir die Geschichte von Sarolf natürlich sofort gefallen. Das Einarbeiten in eine vergangene Zeit und das Einfühlen in den Charakter waren spannend, aber auch schwierig. Schließlich wollte ich keine gravierenden historischen Fehler in der Handlung haben. Dafür bin ich zu perfektionistisch veranlagt. Zudem ist Sarolf ein männlicher Hauptcharakter, wodurch ich bei manchen Reaktionen darauf achten musste, ihn nicht zu „weibisch“ werden zu lassen. 😉 Da war die Geschichte von Ines schon einfacher. Auch wenn ein Krankenhaus nicht unbedingt ein Ort ist, an dem ich mich oft aufhalte, fiel es mir nicht so schwer in die Handlung einzutauchen und sie auf Papier zu bannen.
Isabella Benz: Dass du Wölfe gerne magst, ist in deiner ersten Kurzgeschichte auch gut erkennbar, wie ich finde. Werfen wir einmal einen Blick darauf:

Traurig blickte er den Wolf an. Dann deutete er auf seine Hütte. „Komm, alter Freund“, lockte er mit brüchiger Stimme. Sanft drückte er die Tür zur Hütte auf und strich, in Erinnerungen versunken, über das morsch werdende Holz. Das Tier drückte sich winselnd an ihn.

Wie bist du denn bei der Entwicklung dieser Kurzgeschichten vorgegangen? Bist du eher ein Planer oder ein Bauchschreiber?
Julia Marhenke: Prinzipiell schreibe ich eher aus dem Bauch heraus, wodurch meine Charaktere sich allerdings manchmal in Situationen bringen, aus denen sie nur schwer wieder herauskommen. Ich habe dabei aber eher das Gefühl, frei schreiben zu können. Plane ich vorher genau durch, fühle ich mich in der Handlung eingeschränkt, auch wenn ich sie selbst so entwickelt habe. Klingt das seltsam?
Bei den Kurzgeschichten der Anthologie waren die Plots grob vorgegeben, damit sie zu Ende und Anfang der vor- und nachfolgenden Geschichten passten. Ich konnte mich daher gleich zu Beginn mit den Charakteren befassen und habe versucht, diese möglichst glaubwürdig zu gestalten und dem Leser die Möglichkeit zu geben, sich in sie einfühlen zu können. Dann habe ich die Geschichten in einem Stück erst einmal herunter geschrieben und anschließend Stück für Stück überarbeitet, bis alles gepasst hat. Die Herausforderung für mich war dabei der vorgegebene Plot, da ich dies zu dem Zeitpunkt noch nie wirklich strukturiert nach Plan geschrieben hatte. In dem Fall war es aber wichtig, da die einzelnen Geschichten ja zu einem großen Ganzen gehören. Nach einigen Anfangsschwierigkeiten hat es aber gut geklappt und ich denke, die Geschichten fügen sich sehr gut in das Gesamtbild ein.
Isabella Benz: Das finde ich auch! Worauf achtest du beim Schreiben eigentlich besonders? Gibt es eine Besonderheit in deinem Schreibstil, durch den du dich vielleicht mit einem anderen Autor vergleichen kannst?
Julia Marhenke: Die Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. Wie gesagt, ich schreibe meist eher aus dem Bauch heraus, daher muss sich die Geschichte beim Schreiben erst einmal „gut“ anfühlen. Das Feilen, Umschreiben und Perfektionieren kommt dann erst später, wenn die Geschichte gesackt ist. Während des Schreibens, achte ich vor allem darauf, dass ich Ruhe und Zeit habe, denn nur mal zehn Minuten zwischendurch zu schreiben, liegt mir gar nicht.
Und das Besondere an meinem Schreibstil? Puh … Ich glaube, da hat sich in den letzten Jahren einiges geändert. Durch meinen Beruf schreibe ich unter anderem auch viele Freizeitreportagen und habe mir dafür einen lockeren, leicht verständlichen, stärker beschreibenden und ab und an lustigen Stil angewöhnt. Der zeigt sich inzwischen auch in meinen Geschichten. Wobei ich gestehen muss, dass ich momentan gar nicht mehr so viel zum Schreiben neben der Arbeit komme.
Mit einem bekannten Autor würde ich mich nicht vergleichen. Natürlich gibt’s Vorbilder und Vorlieben, aber um mich vergleichen zu können, habe ich glaube ich noch nicht genug veröffentlicht. Und eigentlich will ich ja auch meinen eigenen Stil haben und nicht den von jemand anderem.
Isabella Benz: Ein durchaus erstrebenswertes Ziel. Auch wenn du momentan nicht so viel zum Schreiben kommst – nicht viel heißt ja nicht gar nichts: Woran arbeitest du denn momentan?
Julia Marhenke: Momentan überlege ich, einmal in eine ganz andere Richtung zu gehen und eher eine Art Alltagsroman zu schreiben. Eine grobe Idee habe ich schon und ich denke, ich werde den November nutzen, um sie soweit wie möglich umzusetzen.
Isabella Benz: Da wünsche ich dir auf jeden Fall viel Erfolg. Zum Abschluss mal noch eine „markttechnische“ Frage: Was hältst du von E-Readern/E-Books?
Julia Marhenke: Lange Zeit habe ich mich gegen Ebooks gesträubt. Dafür habe ich viel zu gerne meine Bücherregal in Wohn- und Arbeitszimmer stehen, liebe das Gefühl der Blätter und das Knistern, das beim Umblättern entsteht. Dennoch habe ich mir vor einigen Wochen einen E-Reader zugelegt. Nicht immer mit einem dicken Wälzer in der Handtasche herumlaufen zu müssen oder den halben Koffer für den Urlaub mit Büchern zu packen, hat doch auch seine Vorteile. Dennoch möchte ich meine Bücher zuhause nicht missen und bin mir sicher, dass sie auch weiterhin Zuwachs bekommen werden. 😉
Isabella Benz: Ich bin sicher, das werden sie 🙂 Vielen Dank für dieses spannende Interview!