Ideenfindung

von | 29. Mrz 2016 | 0 Kommentare

Häufig werde ich in Lesungen gefragt, wie meine Romane eigentlich zustande kommen. Woher kommen mir die Ideen? Wie gehe ich beim Schreiben vor? Was sind für mich schöne, was weniger schöne Momente? In den kommenden Posts möchte ich auf verschiedene Aspekte eingehen, und zwar immer am Beispiel dieses Fantasy-Epos.

Am Anfang jeder Geschichte steht die Idee. Meist ist es nur ein Funke, ein Satz, eine Szene, ein Charakter. Und dieser Gedanke kann aus ganz verschiedenen Situationen erwachsen. Er kann einem im Traum zufliegen. Er kann in Form von Musik zu einem Sprechen. Oder er kann durch ein anregendes Gespräch zustande kommen, ja, manchmal genügt sogar ein einziger Satz. Ich muss zugeben, bei “Vermächtnis der Hüter” war der Auslöser für die Idee deutlich banaler: Für mich begann ein neuer Lebensabschnitt, mir kam die Idee im Jahr nach meinem Abitur.

Direkt nach meinem Schulabschluss bin ich erst einmal für ein halbes Jahr nach Südafrika geflogen, um dort Kindern in den Slums zu helfen. Die dortige Landschaft, vor allem die Drakensberge, aber auch die weißen Strände und das Meer, haben das Setting von “Vermächtnis der Hüter” maßgeblich geprägt. Das wunderschöne Land hat sich einen großen Platz in meinem Herzen erobert, und das habe ich in Limejra verarbeitet. So ist zum Beispiel Hermanus Bay, die Stadt, in der die großen Buckelwale ihre Wanderung beginnen, Vorbild für “mein” Selamenca:

Die Strahlen der Sonne brachen sich in den heranrollenden Wellen, brachten sie zum Glitzern und die Gischt überflutete den weißen Sandstrand. Ein paar Meter entfernt begannen die ersten Häuser der Stadt. Kalvie. Benannt nach den riesigen Meersäugern, die zur Brutzeit in der Bucht Schutz suchten und ihre Jungen in dem flachen Gewässer hüteten, bis diese alt genug waren und sie gemeinsam an Mittelcascavel vorbei ins kältere Melija-Meer zogen.

Die Zeit in Südafrika hat also erstmal sozusagen die Welt erschaffen. Die Geschichte wurde dann zu Beginn meiner Studienzeit geboren, als ich im Sommer 2010 nach Tübingen zog. In mir reifte die Vorstellung, wie es wohl wäre, Magie zu studieren. Und dann waren da diese beiden Charaktere. Eine junge Studentin und ein junger Student, er aus einer angesehenen Familie, sie mysteriöser Weise aus dem Nichts aufgetaucht. Seine Eltern kennen ihr Geheimnis und fürchten um sein Leben. Deshalb erzählen sie ihm eine Lüge, die er glaubt, und sie kann ihm die Wahrheit nicht erzählen, weil sie magisch daran gebunden ist …

Es sollte ganze 3 Romane dauern, bis ich endlich zu dieser Szene gekommen bin, denn irgendwie erschien es mir falsch, direkt mit der Geschichte der beiden anzufangen. Von dem einen Szenenbild und der Welt motiviert, überlegte ich, wie es zu der Angst seiner Eltern kommen konnte. Nach und nach entwickelten sich von dort ausgehend die Charaktere und natürlich der Plot. Aber das ist eine andere Geschichte, bzw. folgt in den kommenden Blogbeiträgen 😉

Ich lese gerade:

Data from Goodreads

  • Book cover

    Die Lüge von Amergin Manor

    Antonia Günder-Freytag

    52 %
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