Die Ratten von Chakkas

von | 26. Sep 2017 | 0 Kommentare

„Spannender Auftakt einer Jugendbuch-Serie mit liebevollen Charakteren, der nur gegen Ende für meinen Geschmack etwas mehr Biss hätte haben dürfen.“

Die Ratten von Chakas ~ Die Greifen-Saga 1
Autorin: C. M. Spoerri
Taschenbuch: 380 Seiten
Sprache: Deutsch
Kauf: Amazon ~ Buchhandel ~ Verlag

Zusammenfassung: Seit dem Tod ihrer Eltern lebt die sechzehnjährige Mika mit ihrem Bruder Faím bei den Kanalratten, die niedersten Bewohner der Hafenstadt Chakkas. Während die „Ratten“ (Diebe) immerhin noch einer Gilde angehören, gelten die Kanalratten als nichts. Mica träumt davon, dem Anführer der Kanalratten zu entkommen. Als Faím ein goldenes Ei aus dem Wassertempel von Chakkas stiehlt, nimmt das Unheil seinen Lauf. Mika gerät bei dem Versuch, ein wertvolles Schwert zu stehlen, in die Hände des Diebes Cassiel. Er macht ihr das Angebot, bei den Dieben unterzukommen, doch mit dem Angebot allein ist Mika noch lange nicht an ihrem Ziel. Unterdessen wird Faím vom Anführer der Kanalratten verjagt und gelangt auf ein Schiff, auf dem er sein ganz eigenes Abenteuer erlebt. Werden die Geschwister sich je wiederfinden?

Für mich war dieser Roman der erste, der mich in die Welt von Chakkas entführte. Die Alia-Reihe, die der Greifen Saga vorangegangen ist, kannte ich nicht. Obwohl die Beschreibungen der Welt eher spärlich blieben, fühlte ich mich sehr schnell wohl in der Hafenstadt. Da die Protagonistin Mika der untersten Schicht angehört, weiß sie sehr viel über die anderen Gesellschaftsschichten, über die Gilden und die Berufe, die in der Stadt vorkommen. Neben den Dieben stehen dabei durch Faím insbesondere Händler und Seeräuber im Mittelpunkt. Einzig die kurz angesprochene Abgrenzung von Magielosen(?) blieb für mich etwas rätselhaft und, wie sich die „Schurken“ von den Dieben unterscheiden, aber vielleicht löst sich das ja noch im Laufe der folgenden Bände. Die Unterscheidung zwischen Ratten und Kanalratten ist dafür sehr gut gelungen.
Wirkte die Geschichte anfangs eher wie Low Fantasy auf mich, wurde ich mit der Zeit eines Besseren belehrt. Chakkas ist definitiv eine High Fantasy Welt, in der nicht nur Magie, sondern auch magische Wesen eine wichtige Rolle spielen. In Band 1 nimmt Spoerri dabei besonders Meerjungfrauen und Greife in den Blick, aber auch ein Elf kreuzt den Weg der Leser*innen.

Die Szenen, in denen der Greif auftaucht, sind sehr schön beschrieben. Obwohl der Greif nie Perspektivträger ist, fühlt man mit ihm mit. Allerdings tritt das Fabelwesen erst ziemlich genau nach der Hälfte der Geschichte auf. Da hatte ich nach dem Titel etwas Anderes erwartet und die erste Hälfte habe ich mich auch lange gefragt, was der Name der Reihe soll. Spoerri bleibt dabei wage. Sie lässt zwar durchschimmern, dass der Greif noch eine tragende Rolle spielen wird, welche genau bleibt aber offen.

Laut den Kapitelüberschriften hat die Geschichte drei Perspektivträger, wobei die ein oder andere Nebenfigur ebenfalls eine kurze Szene erhält. Über den letzten Perspektivträger möchte ich in dieser Rezension nicht zu viel verraten, die anderen beiden sind Faím und Mika. Anfangs konnte ich mich als ältere Schwester sehr gut mit Mika identifizieren. Die Sorge um ihren Bruder ist der rote Faden, der sich durch den ersten Band zieht und am Ende zu einem passenden Abschluss kommt (ich verrate natürlich nicht, zu welchem :-P).
Faím fand ich anfangs etwas langweilig und hatte mehrmals das Bedürfnis, ihm in den Allerwertesten zu treten. Allerdings nimmt seine Geschichte dann doch eine spannende Wendung, die ich nicht erwartet hatte. Ich finde ihn als Charakter immer noch ziemlich wehleidig und etwas zu schwach, aber sein Abenteuer gefällt mir. Der Dieb Cassiel und die Wirren um ihn haben mir anfangs ebenfalls gut gefallen. Er beginnt nicht wie ein 08/15-Love-Interest.

Insgesamt bietet Spoerri einen durchaus guten Spannungsbogen. Die Geschichte geht mit dem Diebstahl des goldenen Eies gleich in medias res. Auch der nahezu unmögliche Auftrag, den Mika von ihrem Boss erhält, sowie die damit verbundene Drohung setzen die Spannungslatte sehr hoch. Die meiste Zeit über hält das Buch auch, was es am Anfang verspricht. Lediglich die etwa letzten 40 Seiten schwächelten dahingehend ein wenig. Da das rein quantitativ aber nicht sehr ins Gewicht fällt, mindert es keineswegs meinen durchaus positiven Gesamteindruck.

Fazit: Eine faszinierende Welt, zwei spannende Abenteuer und ein angenehmer Schreibstil – ich finde das Buch für Jugendliche und Junggebliebene absolut empfehlenswert und freue mich schon auf den weiteren Verlauf der Abenteuer.

Ich lese gerade:

Data from Goodreads

  • Book cover

    Die Lüge von Amergin Manor

    Antonia Günder-Freytag

    52 %
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