Isabella Benz: Die elfte Kurzgeschichte der Anthologie „Wenn alte Wellen singen“ spielt an einem Fluss, der auch bei mir in der Nähe fließt – die Donau! Heute ist die Autorin dieser Geschichte, Elisabeth Schwaha, auf der Autorencouch zu Gast. Herzlich Willkommen, liebe Elisabeth! Erzähl uns doch bitte als erstes, auf welchen historischen Hintergrund du in deiner Kurzgeschichte zurückgreifst.
Elisabeth Schwaha: Der Mittelpunkt meiner historischen Geschichten ist das Ministerialengeschlecht der Kuenringer. Ihr Image ist über Jahrhunderte hinweg kein gutes. In den Sagen werden sie meist als Raubritter kolportiert, wüste Kerle, denen erst der tapfere und edle Herzog von Österreich in einem verwegenen Streich das Handwerk legt.
Tatsächlich hatte dieser edle Herzog nicht zu Unrecht den Beinamen „der Streitbare“ und machte sich in seinem Machtstreben allseits unbeliebt, zu Zeiten, in denen anderswo schon unverbrüchliche Rechte für Ministerialen definiert waren. Diese Rechte forderten die Kuenringer an der Spitze der österreichischen Ministerialen vom Herzog ein.
Entgegen ihrem Raubritterruf waren sie höchste Beamte des Herzogtums, stellten auch den Vertreter des Herzogs selbst, wenn dieser auf Reisen war. Sie erbauten mehrere Burgen und Klöster und machten dadurch das nördliche Niederösterreich (Waldviertel) erst urbar.
Diese Zeit um 1200 ist eine sehr spannende Epoche. In ihr findet sich alles, was man sich für einen Mittelalterroman wünscht: Kreuzzüge, edle und weniger edle Herzöge, die gern gelesene Geschichte um Richard Löwenherz‘ Gefangennahme, byzantinische Bräute, ermordete Münzmeister, Minnesänger, Ketzer und vieles mehr. Mir war, bevor ich „Der Ring des Chuenringers“ schrieb, nicht bewusst, wie fesselnd Geschichte sein kann.
Isabella Benz: Dein Roman spielt, wie bereits eingangs erwähnt, an der Donau und du beschreibst sie meiner Meinung nach sehr eindrucksvoll, wie ich finde. Werfen wir einmal einen Blick in deine Geschichte:

Grünsilbern und unaufhaltsam zog seit Jahrtausenden die Donau tief unter der Burg vorbei und würde das bis zum Jüngsten Gericht tun. Elßlin schauderte. Alles war unaufhaltsam, der Strom, das Schicksal – und vor allem ihre Ehe mit Gelfrat Baumberg aus Regensburg.

Was ist denn dein persönlicher Lieblingsfleck an der Donau?
Elisabeth Schwaha: Als ich ein Kind war, gab es in Wien noch das sogenannte „Überschwemmungsgebiet“, eine richtige Gstettn (= unbewirtschafteter, naturbelassen verwilderter Grund, auf dem so allerlei kreucht und wächst, das ein Stadtkind sonst nicht zu sehen bekommt). Mit der Errichtung des Entlastungsgerinnes wurde diese Gstettn zum zivilisierten Naherholungsziel der Stadt Wien und verlor viel an Reiz. Dennoch gibt es auch heute noch Stellen, wo man die alte Au erleben und sich vorstellen kann, wie die Donau bis zu ihrer recht gnadenlosen Regulierung in den 1870er-Jahren ausgesehen haben mag. Diese Plätze liebe ich, auch wenn ich sie mit Millionen von Gelsen (Stechmücken) teilen muss.
Isabella Benz: Man merkt dir die Begeisterung für die Donau wirklich an! Eine schöne Grundeinstellung, um eine Kurzgeschichte zu verfassen. Aber gehen wir einmal weg von der konkreten Geschichte. Mich würde noch allgemeiner interessieren: Wie bist du eigentlich zum Schreiben gekommen?
Elisabeth Schwaha: Ich habe immer schon geschrieben, seit ich einen Bleistift halten konnte. Wenn andere Kinder zeichneten und malten, krakelte ich Buchstaben. Das Geheimnis von Buchstaben, Wörtern, Sprache faszinierte mich von Anfang an.
Meine Mutter hat viele, meist lustige Gedichte gemacht und mich oft in Reimen angesprochen, sodass ich schon sehr früh selber reimte. Überliefert ist „Pfapfe hapfe“ für „Ich möchte jetzt bitte mein Fläschchen haben“.
Ich habe alles gelesen, was mir in die Finger kam, und so entstand auch bald die Lust am Selbererzählen, Welten und Schicksale erschaffen – und die Bücher schreiben, die ich selber gerne lesen wollte.
Isabella Benz: Und gibt es etwas, das dir beim Schreiben besonders wichtig ist?
Elisabeth Schwaha: Das Wichtigste für mich ist das Hineindenken in die Personen meiner Geschichte. Ihre Handlungen sollen glaubwürdig und nachvollziehbar sein. Ich versetze mich gerne in die Situationen hinein, schaue, horche und rieche, was sich rundum tut.
Und ich versuche, Klischees zu vermeiden. Kein „Die Sonne knallte heiß auf das Pflaster“ oder „…dachte er bei sich“ – bei wem könnte er denn sonst denken? Auch gegen Phrasen wie „zur Geltung bringen“ habe ich eine veritable Aversion. Das sind so leicht hingeschriebene Sätze, die so gut wie nichts aussagen.
Dennoch muss ich leider immer wieder bei mir selbst feststellen, dass es allzu leicht ist, unversehens in die Klischeefalle zu stolpern.
Isabella Benz: Abschließend würde mich gerne noch wissen: Was für ein Verhältnis hast du zum Wasser?
Elisabeth Schwaha: Wir haben ein ausgezeichnetes Verhältnis! Ich kann es literweise in mich hineinschütten, ich kann stundenlang drin herumplantschen, und ich höre und sehe ihm gerne zu, wenn es mir Geschichten zuplätschert und Visionen von geheimnisvollen blaugrünen Reichen zeigt.
Isabella Benz: Ach ja, ein schönes Bild 🙂 Vielen Dank für diese begeisterten und begeisternden Antworten!

Die Anthologie erschien am 10.02. und kann beim Burgenweltverlag oder auf Amazon bestellt werden.