Drachenkralle: Die Klaue des Morero

von | 28. Aug 2017 | 0 Kommentare

„Ein herrschsüchtiger Regent sucht nach einem mächtigen Artefakt, das die ganze Welt versklaven kann. Nur ein paar Jugendlichen und deren Drachen stellen sich ihm in den Weg …“

Autorin: Janika Hoffmann
Print: 370 Seiten
Sprache: Deutsch
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Zusammenfassung
Simon trifft auf die Drachin Maya, die in einem Gebirge von Männern angegriffen wird. Aus einem ihm nicht bekannten Grund durchtrennt er die Stricke, mit denen die Drachin gefesselt ist. Als die Männer ihn daraufhin angreifen, wird er von Maya gerettet. Schnell merken die beiden, wie verbunden sie sich fühlen und beschließen, ein Verpflichtungsritual einzugehen. Die Bewohner von Simons Dorf Taran sind zunächst gar nicht begeistert, denn sie fürchten sich vor der Drachin. Mit der Zeit gewöhnen sie sich an Maya.
Dann wird Simons Dorf angegriffen. Der machtgierige Igor hat seine Schergen ausgesandt, um die Klaue des Morero zu finden, ein Artefakt, mit dem er alle Menschen beherrschen könnte. Simon und seine Freunde wollen das nicht zulassen. Sie beschließen, das Artefakt selbst zu suchen und Igor zuvorzukommen.

Das Buch ist wirklich schön gemacht. Sowohl Cover als auch Layout haben mir gut gefallen. Das Hardcover liegt angenehm in der Hand, die Schrift hat eine leicht lesbare Größe, und ein besonderer Hingucker sind die Zeichnungen, die die Kapitel einleiten. Eingeteilt ist die Geschichte in drei Teile, von denen die ersten beiden etwa gleich lang und der dritte etwas kürzer ist.

Inhaltlich beschäftigt sich der erste Teil damit, wie sich Simon und Maya kennen lernen. Bei einem Streifzug mit Simons bester Freundin Katharina treffen die beiden außerdem auf den Drachen Maro, der in der Geschichte wichtig wird. Im zweiten Teil nimmt die Suche nach der Klaue den meisten Raum ein. Diese wird durch ein Rätsel versteckt, das die Freunde zu lösen versuchen. Den dritten Abschnitt werde ich nicht resümieren, da das ein zu großer Spoiler wäre. Die meisten Szenen sind aus der Sicht von Simon geschrieben. Ab und an kommt jedoch auch Alexis, Igors Sohn, zu Wort, der zu Beginn des Buches einen starken Silberdrachen mit einem Ritual unterwerfen soll, um seinen Vater bei dessen brutalen Machenschaften zu unterstützen.

Ein böser Herrscher, ein Artefakt, das alle unterwerfen kann, und eine hoffnungsvolle Allianz zwischen einem Jungen und einer Drachin – das klang nach einer Mischung aus Herr der Ringe und Eragon. Doch ich war gespannt, was Janika Hoffmann, die ich persönlich sehr schätze, aus dem Stoff machen würde. Bekannte Elemente können ja zu einer originellen Geschichte verarbeitet werden. Leider ist das für meinen Geschmack in der Drachenkralle nicht wirklich gelungen. Ich führe das auf zwei Gründe zurück:

Als erstes sind da die Stereotypen Charaktere zu nennen, deren Motivation sich mir nicht erschloss. Am schlimmsten war das bei Igor, der durchweg einfach nur als machtgierig beschrieben wird. Seine Macht kann er eigentlich nur durch seine Schergen ausüben, die halt alle furchtbare Angst vor ihm haben, und von denen es keiner wagt, sich ihm zu widersetzen. Ja, er hat sich einen Drachen unterworfen. Aber gegen Maya und Maro kämpfen seine Leute auf seinen Befehl doch auch. Sie könnten sich schon gegen ihn wehren, wenn sie sich zusammenschließen. Aber auf die Idee kommt niemand. Seinen Sohn finde ich zwar etwas interessant gestaltet, da der zumindest in einem Zwiespalt steckt, allerdings ist bei ihm außer Angst auch keine richtige Motivation zu erkennen.
Was die Gruppe um Simon und Maya anbelangt: Sie wollen nicht tatenlos zusehen. Das ist ja auch legitim. Allerdings schwebt Simons Familie in keiner unmittelbaren Gefahr. Bis die Männer in Taran aufgetaucht sind, hat aus irgendeinem Grund auch noch nie jemand etwas von diesem mächtigen Igor gehört. Aber trotzdem sieht Simon es als seine Pflicht an, etwas zu unternehmen. Bei ihm habe ich mich oft gefragt, ob er sich bewusst ist, dass er sich und seine Freunde in Lebensgefahr bringt. Dabei wirkt er auch nicht überheblich oder so, als würde er sich selbstüberschätzen. Tatsächlich ist mir Simon einfach ein blasses Rätsel geblieben, bei dem ich nicht so ganz wusste, was ich von ihm halten sollte.

Der zweite Grund ist, dass mir in dem Roman ein klarer Spannungsbogen fehlt. Im ersten Teil habe ich die ganze Zeit darauf gewartet, dass die im Klappentext angekündigte Suche endlich losgeht. Stattdessen finden sich dort Kennenlern-Szenen um Kennenlern-Szenen. Am relevantesten ist erst einmal, dass die Dörfler Maya nicht trauen. Dann kommt es endlich zu dem angekündigten Überfall und Simon entscheidet sich … und dann folgt erst eine lange Abschiedsszene, bevor es endlich losgeht. Zu dem Zeitpunkt habe ich bereits einiges nur überflogen.
Im zweiten Teil ist immerhin ein klares Ziel erkennbar, bei dem ich auch etwas mitfiebern konnte, und entsprechend auch weniger quer las. Aber selbst dort sind Schwierigkeiten im Prinzip gelöst, sobald sie auftauchen, von Konflikten keine Spur. Und die Protagonisten müssen auch nicht wirklich etwas tun, um die Probleme zu lösen. Zwischendurch hat Simon zwar Geistesblitze, aber meistens ist es doch eher der Zufall oder irgendjemand hilft ihnen.

Da das Beisiel SPOILER-Gefahr enthält müsst ihr es ausklappen, um es zu lesen.

Simons Schwester Jana, die sich heimlich mit schleicht, wird von einem Knöcherwaran gebissen und vergiftet. Die Freunde versuchen, sie zu einer Pflanze mit Gegengift zu bringen, was aber utopisch weit weg ist. Zu ihrem Glück erscheint wie aus dem Nichts eine weitere Drachin und deren Reiterin, die zufällig die Pflanze dabei haben …

Der Schreibstil von Janika Hoffmann ist im Großen und Ganzen solide. Ich musste mich zwar erst einlesen und besonders am Anfang gab es einige Stellen, die ich etwas seltsam fand (wieso braucht Simon einen ganzen Absatz, um das Brüllen des Drachen zu beschreiben?), aber das ist bekanntlich Geschmackssache. Nur sind bei der Überarbeitung doch ein paar Fehler durch- oder reingerutscht. Ein Beispiel aus Seite 25: „Jana jedoch schien gerade dadurch jedoch ihre Worte wiederzufinden.“ Solche Schnitzer sind mir vor allem anfangs aufgefallen, als ich noch aufmerksamer gelesen habe. Da kam es etwas alle paar Seiten vor, ich kann aber nicht sagen, ob das für das ganze Buch gilt.

Fazit: „Drachenkralle – Die Klaue des Morero“ hat eine ganz typische Schwarz-Weiß-Welt. Die Charaktere bleiben oberflächlich, die Geschichte ist eher langatmig und konnte mich nicht fesseln. Aber vielleicht sind Liebhaber von klassischer Fantasy, die nicht so sehr nach dem einen roten Faden suchen, mit der Geschichte besser beraten als ich.

Ich lese gerade:

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  • Book cover

    Die Lüge von Amergin Manor

    Antonia Günder-Freytag

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