Isabella Benz: Hallo Doro. Herzlich Willkommen auf der Autorencouch. Du hast bei der Anthologie Eight Shades of Love (mobi; epub) mitgemacht und dich bereit erklärt, mir dazu ein paar Fragen zu beantworten. Vielleicht magst du uns zunächst beantworten: Was bedeutet Liebe denn für dich?
Dorothea Stiller: Liebe ist etwas ganz Tolles und sie kommt in so vielen Formen. Im Prinzip ist sie so etwas wie „Die Macht“ bei Star Wars – so eine Energie, die das gesamte Universum zusammenhält. Die romantische Liebe ist nur ein kleiner Teil davon. Liebe ist das, was uns zu sozialen Wesen macht, und Liebe ist auch das einzige, das uns Menschen davon trennt, Monster zu sein. Im Englischen gibt es so einen schönen, griffigen Ausdruck dafür: „our one redeeming quality“. Übersetzen ließe es sich vielleicht als „unsere einzig positive Eigenschaft“. Wenn ich in die Welt schaue und sehe, was Menschen anrichten und wozu sie fähig sind, könnte ich verzweifeln. Und dann sehe ich irgendwo ein kleines Zeichen von Liebe und Mitgefühl und denke: okay. Wir sind vielleicht nicht NUR schlecht.
Isabella Benz: Wenn wir schon dabei sind, Menschen an sich zu beschreiben: wie würdest du denn deine Protagonisten in drei Worten charakterisieren?
Dorothea Stiller: Jussi ist träumerisch, warmherzig und menschlich, Suvi freiheitsliebend, naturverbunden und geheimnisvoll.
Isabella Benz: Das klingt nach einer interessanten Mischung, v.a. das letzte. Ich finde, eine Spur Mystery klingt auch in deinem Schreibstil an. Werfen wir einmal einen Blick auf ein Zitat aus deiner Geschichte:

Für alles gab es die richtige Zeit. Aber wie sehr man es sich auch wünschen mochte, man konnte die Zeit leider weder anhalten noch beschleunigen. Man musste warten können. Auf das Leben. Auf die Liebe. Vielleicht auch auf den Tod.

Ich finde das wirklich sehr stimmungsvoll! Brauchst du denn bestimmte Rituale, um dich in eine solche Stimmung zu versetzen?
Dorothea Stiller: Rituale habe ich eigentlich nicht, weil ich immer dann schreiben muss, wenn sich ein Zeitfenster öffnet. Allerdings findet sich meist eine Tasse Kaffee oder Tee neben meinem Laptop, abends auch gerne mal etwas Alkoholisches (Sekt, Wein, Malt Whisky – natürlich entweder oder, nicht alles auf einmal). Gegen Schreibfrust hilft auch Schokolade, aber ich versuche mich da zu disziplinieren.
Isabella Benz: Die Anthologie besteht ja nicht nur aus Kurzgeschichten, sondern hinter jeder Kurzgeschichte findet sich auch eine kurze Leseprobe. Bei dir aus deinem Werk „Conny und die Sache mit dem Hausfrauenporno“. Warum hast du dich gerade dafür entschieden?
Dorothea Stiller: Entschieden habe ich mich dafür, weil es mein Romandebüt ist. Mein zweiter Forever-Roman „Einmal, keinmal, immer wieder“ ist theoretisch eine Fortsetzung, funktioniert aber auch als Einzelband. Man muss den ersten nicht gelesen haben, um den zweiten lesen zu können. Hat man allerdings vor, beide zu lesen (und das hoffe ich ja), ist es natürlich sinnvoll mit dem ersten anzufangen. Die Charaktere sind mir nach zwei Romanen sehr ans Herz gewachsen. Ich mag Conny, ihre Familie und Freunde inzwischen so sehr und kenne sie so gut, als gehörten sie zu meinem eigenen erweiterten Freundeskreis.
Isabella Benz: Eine letzte Frage bleibt uns noch. Romance ist ja das verbindende Element für alle Kurzgeschichten der Anthologie Eight Shades of Love, aber gibt es etwas, das deine Geschichten von den anderen abgrenzt?
Dorothea Stiller: Meine Kurzgeschichte hat wie Nataschas Geschichte eher Märchencharakter. Als Inspiration zu dieser Geschichte diente mir eine Tarotkarte: „Die Herrscherin“ aus dem „Legacy of the Divine Tarot“ von Ciro Marchetti (Llewellyn, 2009). Die großen Trümpfe, zu denen die Herrscherin gehört, beziehen sich auf allumfassende menschliche Erfahrungen. Bei der Herrscherin geht es um die schöpferische Kraft der Liebe, das Werden, Wachsen und Vergehen und um natürliche Kreisläufe. Sie hat also eher einen philosophischen Blickwinkel auf die Liebe und ist märchenhaft-verträumt. Die Karte der Herrscherin war Vorlage für die Figur der Suvi. Auf der Karte ist sie als Herrscherin über die Natur dargestellt und Beerenfrüchte, Pilze und grünes Laub haben mich an Finnland erinnert. Außerdem steht die Karte für natürliche Kreisläufe des Wachsens, Werdens und Vergehens.
Isabella Benz: Spannend. Dann bedanke ich mich an dieser Stelle recht herzlich für das Interview und wünsche weiterhin noch viel Spaß und Erfolg beim Schreiben!
Wer mehr über Dorothea Stiller und ihre Werke erfahren möchte, findet weitere Informationen auf ihrer Homepage, und es lohnt sich, ihr auf Facebook zu folgen.