Die Rohfassung

von | 5. Jun 2016 | 0 Kommentare

Wenn der Plot ausgearbeitet ist und die Charaktere soweit stehen, geht es weiter mit dem nächsten Schritt, das, was die meisten vermutlich als das eigentliche „Schreiben“ bezeichnen würden: die Rohfassung. In dieser Zeit ist man tatsächlich vielen Launen ausgesetzt. Manchmal läuft es richtig gut, dann schaffe ich an einem Tag gut 5000, wenn nicht sogar mehr Worte, manchmal hängt es, und ich bin froh, wenn es über 300 sind. Was mir beim Schreiben oder gar bei Schreibblockaden hilft?

Erst einmal finde ich es super wichtig, dass man sich nicht davon abbringen lässt, falls man einmal unzufrieden mit dem Text ist. Die Rohfassung ist die Rohfassung. Die Überarbeitung, eine geschliffene Version der Geschichte, kommt erst viel, viel später. In einer Rohfassung können Wiederholungen noch egal sein, wenn zwischendurch zu viel erzählt wird, oder die Charaktere einfach rumschwafeln, ignoriere ich das getrost. Dann sind zwei Dinge besonders hilfreich, um eventuelle Blockaden zu überwinden: Zum einen hilft es, sich mit anderen Kollegen zum Schreiben zu verabreden und sich gegenseitig Fortschritte zu berichten. Wie bei allem ist es gut, nicht alleine herum zu werkeln. Zum anderen zwinge ich mich, wirklich keine Szene auszulassen.

Ich schreibe die Szenen meiner Perspektivträger der Reihe nach, bei „Die Schwelle – Vermächtnis der Hüter 1“ war das nicht notwendig, da ich ohnehin nur eine Perspektive zu schreiben hatte. Aber beispielsweise bei „Die Dämonen von Lorch“ habe ich zunächst alle Szenen von Theodora, dann alle von Johann, anschließend von Wilhelm und zuletzt von Heinrich geschrieben. Das hat den Vorteil, dass man wirklich ganz und gar in der jeweiligen Erzählstimme der Perspektive aufgeht, aber den Nachteil, dass man im Nachhinein natürlich viel anpassen muss. Wie schon im letzten Beitrag erwähnt: Mir ist es super wichtig, meine Charaktere gut zu kennen. Entsprechend lasse ich mich beim Schreiben voll und ganz fallen und von ihnen treiben. Sie sind es, die die Geschichte erzählen. Und ich bin nur diejenige, die sie festhält und aufschreibt.

Daher fällt es mir auch besonders schwer, eine auktoriale Perspektive einzunehmen. Gleichzeitig ist mir die Ich-Perspektive zu nah, dann habe ich keinerlei Abstand mehr zu meinen Personen. Die Sie-/Er-Perspektive ist optimal. Ich kann meinen Figuren beobachten, ihnen zuhören und alles einfangen, was sie mir verraten. Meist lese ich diese Perspektive auch am liebsten.

An die Autoren unter euch:
Wie geht es euch damit? In welcher Perspektive schreibt ihr am liebsten? Was beachtet ihr bei der Rohfassung? Und welche Tricks nehmt ihr zu Hilfe?

An die Leser unter euch:
Habt ihr eine Form, in der ihr am liebsten Geschichten lest? Also, Ich-Form, Er-Form oder vielleicht sogar die experimentelle Du-Form?

Ich lese gerade:

Data from Goodreads

  • Book cover

    Die Ratten von Chakas (Die Greifen #1)

    C.M. Spoerri

    100 %
    100 %

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