Autor: Marina Boos
Verlag: Planet Girl
Sprache: Deutsch
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Bewertung: Eine sechzehnjährige, deutsche Schülerin kämpft in Namibia darum, die Unschuld ihres Bruders zu beweisen.

Mia ist verzweifelt: Seit Stunden sitzt sie am Flughafen von Windhuk und wartet auf ihren älteren Bruder, der sie eigentlich abholen wollte. Zwei Jahre ist es her, dass sie ihn das letzte Mal gesehen hat. Da ihm in Deutschland ein Raubüberfall angehängt wurde, ist Markus nach Namibia ausgewandert. Mias Eltern halten ihren eigenen Sohn für schuldig und haben jeglichen Kontakt zu ihm abgebrochen. Entsprechend hat Mia hart kämpfen müssen, bis ihre Eltern sie in das gefährliche Afrika reisen ließen – und nun fehlt von Markus jegliche Spur!

Mia nimmt all ihren Mut zusammen und spricht einen Fremden an, der sie tatsächlich in eine Farm bringen kann, die in der Nähe der Farm ihres Bruders ist. „In der Nähe“ bedeutet in Namibia allerdings anderthalb Stunden Fahrt entfernt und der einsetzende Regen macht eine Überfahrt rasch unmöglich. Mia hängt auf der fremden Farm fest. Ihr Bruder ist nach wie vor verschwunden. Und zu allem Überfluss erfährt sie dann auch noch, dass Markus des Mordes verdächtigt wird.

Bereits nach den ersten Seiten hat Marina Boos mich in der trockenen und heißen Wüste Namibias gefangen. Liebevoll eingearbeitete Details geben ein faszinierendes und klares Bild der fremden Welt, die sich zumindest mit meinen Eindrücken, die ich bislang in Südafrika machen durfte, decken. Dabei verliert sich die Autorin allerdings keinesfalls in Landschaftsbeschreibungen, im Gegenteil. Die Atmosphäre wird der spannenden Geschichte locker nebenher beigefügt, und spannend ist die Geschichte zweifelsohne.
Schon am Flughafen teilt man das Gefühl der Hilflosigkeit mit der jungen Protagonistin, die in einer fremden Welt mutterseelenallein gelassen wird. Und Nervosität und Angst steigern sich im weiteren Verlauf noch. Immer wieder habe ich Angst um das Leben der taffen Schülerin bekommen und, ebenso wie sie, misstrauisch versucht, jede einzelne Person auf der Farm zu durchdringen.

Daneben kommt auch die Romantik nicht zu kurz. Mia freundet sich rasch mit dem Sohn des Farmbesitzers, Alex, an, der seine ganz eigenen Bürden zu tragen scheint. Lange bleibt er eine der mysteriösen Unbekannten, bei dem nicht klar ist, auf wessen Seite er steht. Das Knistern zwischen den beiden Jugendlichen hat Marina Boos fabelhaft eingefangen, sodass mir beim Lesen ab und an ein angenehm warm ums Herz wurde.
Gut gefallen haben mir auch die jeweiligen Kapitelanfang: Jedes Kapitel beginnt mit einem Tagebucheintrag Mias, der immer wieder neue Facetten des Mädchens aufzeigt, dem Leser ein gutes Bild der Hauptfigur vermittelt und ihren Eindruck von Namibia wiederspiegelt.
Insgesamt also ein atmosphärisch-schön geschriebener und spannender Roman mit einer interessanten Perspektivträgerin!
Warum ich trotzdem „nur“ 4 Sterne vergeben habe?

Ich habe ehrlich lange mit mir gerungen, es gibt aber drei Kleinigkeiten, die mich in der Summe doch vom fünften Stern abgehalten haben:
An ein paar wenigen Stellen wirkten mir Mias Gedankengänge zu erwachsen, da habe ich ihr für kurze Zeit den 16-jährigen Teenager nicht mehr abgekauft, das verfliegt schnell, aber es hat mich doch drei-, viermal aus der Geschichte herausgerissen, was etwas Schade ist.
Dahingegen fehlen mir teilweise Informationen über Mias Beziehung zu ihren Eltern. Mir sind die Eltern von Markus und Mia fast zu negativ dargestellt, sie wirken typenhaft, werden zwar immer wieder erwähnt, kommen aber in keiner einzigen Szene vor. Da es für die Ausgangssituation von Markus und Mia sehr wichtig ist, wie sie zu ihren Eltern stehen, hätte ich mir hier mehr gewünscht. Ich hätte die Haltung der Eltern gerne nachvollziehen können. Das ist mir aber leider nicht gelungen.
Der letzte Punkt betrifft das Ende, bzw. die Auflösung des Thrillers. Darüber lässt sich natürlich immer streiten, und ich werde darüber jetzt nicht zu viel sagen, nur das: Ich fand die Auflösung nicht schlecht, hätte mir aber mehr erhofft.

Das Fazit bleibt dennoch: Definitiv ein lesenswertes Buch! Für Afrika-Fans ein absolutes Muss, aber auch für Fans von Jugendbuch-Thrillern zu empfehlen.