Die Lüge von Amergin Manor

von | 21. Nov 2017 | 0 Kommentare

„Ein altes Herrenhaus in Irland. Eine junge Erbin, die ihren Vater nie zu Gesicht bekommen hat. Und ein Nest voller Lügen, in dem jeder etwas zu verbergen hat … ein spannender Roman, der teilweise etwas knapp geraten ist, seine Geheimnisse dafür aber gut verschleiert.“

Autorin: Antonia Günder-Freytag
Print: 306 Seiten
Sprache: Deutsch
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Zusammenfassung: Als Jolanda ein Herrenhaus in Irland, Amergin Manor, erbt, ist sie schockiert: sie hat ihr Leben in dem Glauben verbracht, dass ihr Vater in ihrer frühen Kindheit verstorben ist. Es ist nicht die einzige Lüge, die Jolandas Lüge bestimmt. Bei Empfang der Nachricht erleidet ihre Mutter einen Schlaganfall und stirbt, bevor sie ihr die Wahrheit über ihre Herkunft verrät. Entschlossen fährt Jolanda nach Amergin Manor. Doch dort scheint jeder ein Geheimnis mit sich herumzutragen: der Verwalter des Anwesens, Farrell, seine Cousine Eanna, deren Mutter Susann, und ihr Halbbruder Luke, der von allen gehasst wird und seit einiger Zeit verschwunden ist …

„Die Lüge von Amergin Manor“ besteht aus 3 Teilen. Während sich der erste Teil hauptsächlich mit der Ankunft Jolandas und ihren ersten unheimlichen Begegnungen befasst, beschäftigt sich Teil 2 mit der Frage, ob sie das Haus behalten will oder nicht. Zuletzt spitzt sich die Situation immer mehr zu und einige Wahrheiten kommen ans Licht.
Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven erzählt. Neben Jolanda nimmt vor allem Farrell eine große Rolle im Buch ein. Die wichtigsten Nebenfiguren sind Eanna und Jason, der im dritten Teil seine eigenen Szenen erhält. Obwohl die Szenen personal erzählt sind und man oft auch Einblicke in die Gedanken der Charaktere erhält, sorgen regelmäßige Perspektivwechsel und das Auslassen der ein oder anderen Empfindung dafür, dass der Leser meist im Dunkeln bleibt.

Dies hat meines Erachtens einen Vor- und einen Nachteil. Zunächst zum negativen Aspekt: teilweise habe ich mich etwas veralbert gefühlt. Viele Dinge, die für mich in eine Szene gehört hätten, werden erst im Nachhinein deutlich. Ein Beispiel aus dem Anfang mag dies verdeutlichen: Eanna hört ein Geräusch im oberen Stock und findet ein offenes Fenster, das immer wieder zuschlägt. Sie schließt es, dreht sich um und schreit. In der nächsten Szene befindet man sich bei Jolanda, die ihrem Psychiater am Ende ihres Gesprächs erklärt, sie hätte Eanna beinahe mit einem Schürhaken erschlagen. Hier hätte ich gerne direkt die Reaktion von Eanna mitbekommen und fand es etwas Schade, dies vorenthalten zu bekommen.

Positiv daran ist natürlich, dass die Spannung kontinuierlich hoch bleibt und ich eigentlich nie wusste, woran ich bei den Figuren war. Selbst bei Jolanda war ich mir teilweise (wenn auch eher selten) unsicher, ob sie nicht doch einfach einen psychischen Knacks hat und sich die Situationen nur einbildet. Einzig Farrell habe ich recht schnell durchschaut. Die anderen blieben mir ein Rätsel, beziehungsweise bin ich ihnen ziemlich auf den Leim gegangen.

Das Ende hat mich diesbezüglich etwas zwiegespalten zurückgelassen. Einerseits hat mich die Autorin wirklich super an der Nase herumgeführt. Was dann vor allem im Epilog offenbart wird, hätte ich nicht erwartet. Normalerweise freut es mich immer, überrascht zu werden und bei dem Mystery-Genre habe ich das auch durchaus erwartet. Andererseits fällt mir auch im Nachhinein nichts ein, das auf dieses Ende hingedeutet hätte. Vielleicht habe ich nicht aufmerksam genug gelesen, aber mir fallen wirklich keine Brotkrumen ein, die gestreut worden wären. Im Gegenteil haben die Szenen eigentlich auf etwas ganz Anderes hingedeutet. Ich persönlich mag es am liebsten, an der Nase herumgeführt zu werden und am Ende doch zu begreifen, wie ich die Wahrheit hätte erkennen können.

Das schmälert nicht meinen grundsätzlich positiven Eindruck. Die Geschichte liest sich schnell und flüssig. Die Charaktere haben alle ihre guten und schlechten Eigenschaften. Sie sind nicht deutlich gezeichnet, was vor allem mit den häufigen Auslassungen zusammenhängt, lassen aber eine Tiefe erahnen, was sie auf ihre Weise interessant macht. Ihre Geheimnisse machen sie authentisch, das ist der Autorin wirklich gut gelungen.

Fazit: Eine spannende Geschichte mit interessanten Charakteren, von denen beinahe jeder ein Geheimnis mit sich herumschleppt. Ich wurde ziemlich an der Nase herumgeführt. Zwar hätte ich mir etwas mehr Brotkrumen in Richtung Wahrheit gewünscht, aber wer gerne rätselt und dann am Ende überrascht wird, ist mit diesem Mystery-Roman gut beraten!

Ich lese gerade:

Data from Goodreads

  • Book cover

    Die Lüge von Amergin Manor

    Antonia Günder-Freytag

    52 %
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