Die Himmelsbraut

von | 21. Mrz 2017 | 0 Kommentare

„Schön und stimmungsvoll geschrieben. Fritz beschreibt die Zeit des Umbruchs und das Leben im Kloster wirklich gut. Nur die Geschichte um Antonia und Philipp geht dabei streckenweise etwas unter.“

Autorin: Astrid Fritz
Print: 480 Seiten
Sprache: Deutsch
Kauf: Amazon ~ Buchhandel ~ Verlag

Zusammenfassung
Antonia, die jüngste Tochter eines Edelknechtes der Ritter von Holderstein, und Philipp von Holderstein sind von Kindes Beinen an unzertrennlich. Ehe Philipp in die Dienste eines Ritters tritt, merken beide, dass sich aus der kindlichen Freundschaft neue, ihnen unbekannte Gefühle entwickelt haben. Doch es kommt zu keiner Aussprache und während Philipp mit seinem neuen Herrn durch die Lande zieht, versucht Antonias Vater seine drei Töchter unter die Haube zu bekommen. Die mittlere Tochter, Magdalena, tritt auf eigenen Wunsch hin in ein Kloster ein. Auf der Rückreise von der Hochzeit der ältesten Tochter wird die Gruppe jedoch überfallen. Einzig Antonia überlebt das Massaker und befindet sich nun unter der Obhut von Philipps Vater. Da dieser eine Hochzeit zwischen Antonia und seinem Sohn nicht gutheißt, stellt er Antonia vor eine Wahl, die sie letztlich zu ihrer Schwester Magdalena ins Kloster treibt. Und welches das ist, kann Philipp nicht in Erfahrung bringen …

Fritz schreibt sehr stimmungsvoll. Obwohl sie mitunter längere Passagen mit reiner Nacherzählung, bzw. die Zusammenfassung von Ereignissen bietet, war es vom Schreibstil her so angenehm zu lesen, dass ich nicht dazu verleitet war, die Seiten zu überspringen. Ausführlich zeichnet Fritz das Leben im Kloster nach. Dabei ist sie durchaus in Grautönen unterwegs, die Vorteile werden ebenso gezeigt wie die Schattenseiten, auch wenn letztere überwiegen mögen. Diese Beobachtung lässt sich meines Erachtens ebenso auf andere historische Aspekte des Romans übertragen: Fritz bemüht sich stets, keine klare Position zu beziehen, sondern die verschiedenen Anliegen der gegnerischen Seiten zu beleuchten. Dass dabei dennoch Tendenzen – allein schon durch die Charakterisierung der Protagonisten – zutage treten, lässt sich wohl kaum vermeiden.

Im Gegensatz zu den Historischen Ereignissen findet sich unter den Charakteren eine deutlichere Einteilung in Gut und Böse. Das mag sicher nicht für alle Charaktere zutreffen, hierbei ist vor allem Philipps Vater zu nennen, der eine sehr ambivalente Persönlichkeit darstellt. Gerade bei den beiden Protagonisten vermisste ich die Ecken und Kanten aber. Sie schienen mir beide doch sehr in die (hilflose) Opferrolle gedrängt. Ich hätte mir mehr Aktivität von ihnen erwünscht. Zwar ist durchaus nachvollziehbar, warum diese Aktivität unterbleibt, gefehlt hat sie mir dennoch.
Bei den Nebenfiguren stechen zwar einige hervor und manche machen auch eine Entwicklung durch. Im Großen und Ganzen trifft man hier aber auf „Typen“: Die verwöhnte adlige Priorin, die gutmütige, weise Äbtissin, der gut aussehende und vereinnahmende Rebellenanführer … Kurzum: mehr von den Grauschraffierungen aus der Historischen Darstellung hätte ich mir auch für die Charaktere gewünscht.

Obwohl ich mich nirgends gelangweilt habe und das Buch mich gut gefesselt hat, würde ich den Spannungsbogen als eher flach verlaufend bezeichnen. Das hängt damit zusammen, dass ich die Geschichte um Antonia und Philipp als roten Faden erwartet hatte. Sicher stehen die beiden als Perspektivträger im Mittelpunkt, allerdings mehr als Einzelpersonen und weniger als Paar. Der Roman erzählt ihre Schicksale, die durchaus miteinander verbunden sind. Aber eben diese Verbindung tritt, anders als ich es erwartet hatte, vor allem im Mittelteil stark in den Hintergrund. Hinzu kommt, dass Fritz mit dem Überfall auf Antonias Familie eine spannende Quest aufwirft, die dann leider in großen Teilen des Romans keine Rolle spielt. Insofern wurden also meine Erwartungen enttäuscht, „Die Himmelsbraut“ funktioniert jedoch meiner Meinung nach auch ohne den strammen roten Faden.

Fazit:
Antonia und Philipp haben – unabhängig voneinander – sehr bewegte Leben und mit ihren Protagonisten fängt Fritz sehr gut den Geist des Umbruchs ein. Allerdings darf man an diesen Roman nicht mit der Erwartung einer Liebesgeschichte herangehen. „Die Himmelsbraut“ hat ihren Schwerpunkt nicht auf den Charakteren, sondern auf den Historischen Ereignissen und deren Wahrnehmung. Wer gerne in die Reformationszeit abtaucht und wen zudem das damalige Klosterleben interessiert, der ist mit diesem Roman genau an der richtigen Adresse.

Ich lese gerade:

Data from Goodreads

  • Book cover

    Die Lüge von Amergin Manor

    Antonia Günder-Freytag

    52 %
    52 %

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