Autor: Yalda Lewin
Editio: 275 Seiten
Sprache: Deutsch
Bewertung: Spannender Auftakt einer mystischen Kriminalreihe, für Fans von Ghostwisperer u.ä.
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Thalia
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Jakob Roth ist kein normaler Bewohner Berlins. Er ist ein Hochsensibler. Seine besondere Fähigkeit: Er kann in Menschen lesen, an Orten die Vergangenheit erfühlen und Geister sehen. Jahrelang hat er diese Fähigkeiten in seinem Beruf als Ermittler der Akademie, die hochsensiblen Menschen ein Zuhause bietet. Bis ihn eine Intrige den Job und auch die Liebe seiner Ehefrau Mirella gekostet hat.

Als eben diese plötzlich vor seiner Haustür steht, ahnt Jakob Schlimmes. Mirella hat ein Jobangebot von seinem ehemaligen Chef. Zunächst will Jakob nichts damit zu tun haben. Doch dann kann er nicht widerstehen und wirft einen Blick in die Akte: Ein mysteriöser Leichenfund in den Beelitzer Heilstätten beschäftigt die Ermittler. Sofort weckt der Fall Jakobs Interesse, denn das Mädchen ist an Tuberkulose erkrankt genau wie die drei Frauen, mit denen sich Jakob kurz vor seiner Entlassung beschäftigt hat. Und Jakob begreift, dass er mit diesem Fall seinen Sprung zurück in die Akademie schaffen kann, und vielleicht, so hofft er zumindest, auch den Sprung zurück in Mirellas Herz.

Yalda Lewin schafft mit „Die dunkle Seite des Weiß“ ein hervorragendes Debüt. In dem spannenden Kriminalfall lässt sie immer wieder ihr Wissen als Heilpraktikerin einfließen, was ich persönlich besonders spannend fand. Die Einbindung der Hintergründe über die Tuberkulose und der kleine geschichtliche Rekurs auf das Jahr 1911 gelingen der Autorin mühelos. Ebenso nervenaufreibend wie spannend gestaltet sie außerdem das Beziehungsgeflecht aus Jakob, Mirella, der Archivarin Katharina und Mirellas neuem Freund Ernesto Sanchez. Ab und an ist mir das zwar etwas zu typisch, aber dies fängt die Autorin hervorragend durch den Kriminalfall auf. Dieser hat mich so gefesselt, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte und entsprechend den Roman innerhalb von zwei Tagen durchgelesen hatte.

Der Auftakt der Serie führt zahlreiche Figuren ein, die auch in den folgenden Bänden zu „Paranormal Berlin“ eine entscheidende Rolle spielen werden. Besonders Mirella bietet eine Entwicklungsgrundlage, die sicherlich auch in den Folgebänden für spannende Konflikte sorgen wird. Etwas zu ähnlich waren mir die „lockeren“ Charaktere des Pathologen „Hades“ und des Heilpraktikers Oliver, hier hoffe ich, dass in den kommenden Büchern eine stärkere Profilierung stattfinden wird.

Einige Rezensenten sind der Meinung, dass die paranormalen Fähigkeiten von Jakob und Mirella nicht genug zum Tragen kommen. Dem kann ich mich nicht anschließen. Natürlich: Der Kriminalfall steht deutlich im Vordergrund, nichts desto trotz tragen die Fähigkeiten von Jakob und Mirella deutlich zur Lösung des Falls bei. Jakob ist mir dabei fast ein bisschen zu „mächtig“, aber vielleicht wird auch dies noch in den nachfolgenden Bänden etwas differenzierter gestaltet. Sehr gut hat mir außerdem das Lokalkolorit Berlins gefallen, man merkt, dass hier eine Kennerin am Werk ist!

Insgesamt also ein durchaus gelungener Auftakt, der Lust auf mehr macht. Für die Skeptiker: Die Geschichte kann durchaus auch für sich stehen und ist in sich abgeschlossen. Trotzdem – oder gerade deshalb? – freue ich mich auf die weiteren Fälle mit Jakob Roth im Paranormalen Berlin.