Autorin: Lynn Raven
Taschenbuch: 736 Seiten
Verlag: cbt
Sprache: Deutsch
Bewertung: Eine spannende Fantasy-Romanze mit offenem Ende
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Thalia
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Nachdem ich bereits Lynn Ravens “Der Kuss des Kjer” verschlungen habe, war ich sehr gespannt darauf, ein weiteres Buch von ihr in Händen zu halten, und ich wurde nicht enttäuscht, meine Erwartungen haben sich großteils erfüllt, auch wenn mir persönlich das Ende zu offen war und mitunter die ausführlichen Gedankengänge von ihrer Hauptfigur Lucinda nach meinem Geschmack etwas Kürzer hätten ausfallen können.

Ungewöhnlich – insbesondere für einen Nicht-Twilight-Leser wie mich – war die Ich-Perspektive, in der das Buch hauptsächlich geschrieben ist. Lynn Raven entführt uns in die Welt von Lucinda Moreira, die ein dunkles Geheimnis mit sich trägt: Sie ist die Blutbraut von Joaquin de Alvaro, einem der mächtigsten, dunklen Hexer Amerikas. Seit sie sich zurückerinnern kann, flieht sie vor ihm. Allein der Gedanke, dass er oder einer der anderen Hexer ihr Blut trinken könnte, bereitet ihr Atemprobleme. Die Hexer der Hermandad brauchen das Blut ihrer Blutbräute jedoch, um nicht zum „Nosferatu“, zum Vampir zu werden – der Preis ihrer Macht. Wer unter ihnen nahe daran ist, Vampir zu werden, wird hingerichtet.

Joaquin läuft also die Zeit ab. Doch auch als sein bester Freund, der Auftragskiller Raphael, Lucinda findet und zu ihm bringt, zwingt er sie nicht, ihr sein Blut zu geben. Nach und nach kommen Geheimnisse ans Tageslicht, die Lucindas Vergangenheit und bisheriges Leben grundlegend auf den Kopf stellen. Sie beginnt, ihr Verhältnis zu Joaquin neu zu überdenken, etwas, das ihr Kopfzerbrechen bereitet. Ebenso wie der junge und charmante Chris, den sie kennen lernt, kurz bevor Raphael sie zu Joaquin bringt. Denn Chris hat seine eigenen, dunklen Geheimnisse. Ohne es zu merken gerät Lucinda mehr und mehr in die Fänge der Machtspielchen der amerikanischen Hexer.

Wie sich das Verhältnis von Lucinda und Joaquin entwickeln wird, ist eigentlich bereits zu Beginn des Buches vorhersehbar. Dennoch finde ich es immer wieder von neuem faszinierend, wie diese Charakterentwicklung vonstatten geht. Joaquins Handlungsmotive liegen lange Zeit im Dunkeln und was ihn letztendlich antreibt, wie genau er tickt, ist doch noch einmal eine interessante Wendung und macht den Charakter facettenreich. Ebenso faszinierend und interessant fand ich Raphaels Persönlichkeit, der mit seinem Sarkasmus die Geschichte ab und an auflockert. Weniger überzeugt haben mich Chris – bei ihm habe ich zu früh „gewusst“, was los ist, obwohl das natürlich durchaus auch seinen Reiz hat – und Lucinda, letztere vielleicht auch, weil ich mit der Ich-Perspektive nicht ganz warm geworden bin, besonders gestört hat mich bei ihr allerdings diese zwar verständliche, aber letztendlich doch penetrante Furcht vor dem Vampirbiss, sie war zu präsent und hat den Charakter etwas einseitig erscheinen lassen, bei ihr hätte ich mir noch ein wenig mehr Facetten gewünscht, allerdings wäre es dann natürlich auch schwierig gewesen, sie als Identifikationsfigur zu behalten. Identifizieren konnte ich mich mit ihr durchaus.

Definitiv gelungen ist der Autorin die Darstellung des Settings. Die amerikanischen Städte werden ebenso lebendig wie die Atmosphäre der Hitze in der Wüste, und die Hintergründe um die Hexer der Hermandad sind genau zum richtigen Zeitpunkt eingestreut.

Der Spannungsbogen ist die meiste Zeit über hoch. Es gab nur eine einzige Stelle, an der er meiner Meinung nach nicht ganz funktioniert hat. Ansonsten treibt insbesondere die Spannung darum, was genau Joaquin vorhat und was mit Lucinda geschehen wird, die Geschichte voran.

Fazit: „Die Blutbraut“ von Lynn Raven hat mich gut unterhalten, auch wenn mich nicht alle Wendungen überrascht haben. Der Schreibstil ist durch die Bank gut und die Story liest sich leicht. Die Hintergründe um die „Vampire“ sind interessant und (einigermaßen) originell, die Charaktere – obwohl ich nicht mit allen warm geworden bin – wirken liebevoll ausgearbeitet. Einzig das Ende hat mich ein bisschen enttäuscht, es bleiben einige Fragen offen, die ich gerne noch geklärt haben würde. Ich bin gespannt, ob irgendwann eine Fortsetzung in den Bücherregalen zu finden ist, hätte es aber schöner gefunden, wenn die Story in sich geschlossener gewesen wäre. Nach meinem Empfinden ist zwar ein Ende da, allerdings ist ein Handlungsstrang, den ich doch sehr interessant fand, mehr abgebrochen als abgeschlossen. So bleibt ein leicht fader Nachgeschmack, bei einer ansonsten doch deftig gewürzten und äußerst schmackhaften Fantasyromanze.