Dialoge

von | 2. Aug 2016 | 0 Kommentare

Was gibt es schöneres als eine lebendige Unterhaltung? Freunde, die reden, lachen, scherzen? Gegner, die diskutieren, sich beschimpfen, sich anschreien? Liebende, die sich schmeicheln, flüstern, kichern? In Gesprächen kann unglaublich viel Gefühl transportiert werden. Ich persönlich liebe es total, vielleicht, weil ich mich da voll und ganz in meine Charaktere fallen lassen kann. Ich schließe die Augen, lausche dem, was meine Charaktere sagen und haue in die Tasten.

Dialoge sind tatsächlich das, was ich am allerwenigsten überarbeite. Ab und an lese ich sie noch einmal laut und stelle dann fest, dass es etwas holpert. Aber in der Regel ist die wörtliche Rede selbst gleich beim ersten Mal so, dass ich daran nicht mehr viel ändere. Was ich dagegen häufig noch erledigen muss, ist, das drum herum zu schreiben. Zieht jemand die Stirn kraus? Gibt es ein Räuspern? Ballt er vor Zorn die Fäuste? Breitet sich ein Lächeln auf ihren Lippen aus?

Die nackte Version sieht dann meist so aus:

„Dann wird es ja höchste Zeit! Gibt es denn momentan irgendeine, die du sympathisch findest – abgesehen von deinem vorherigen Date; ich fürchte nämlich, die kannst du nach der Aktion vergessen, es sei denn, sie ist die Liebe deines Lebens, dann können wir uns natürlich was einfallen lassen.“ Sie zwinkerte und grinste, weil er hastig den Kopf schüttelte. „Also, ist dir irgendeine andere sympathisch?“
„Nun … äh … du bist ganz nett.“
„Spinner!“

Und umgearbeitet ergibt sich daraus:

„Dann wird es ja höchste Zeit!“ Sie rieb sich die Hände „Gibt es denn momentan irgendeine, die du sympathisch findest – abgesehen von deinem vorherigen Date; ich fürchte nämlich, die kannst du nach der Aktion vergessen, es sei denn, sie ist die Liebe deines Lebens, dann können wir uns natürlich was einfallen lassen.“ Sie zwinkerte und grinste, weil er hastig den Kopf schüttelte. „Also, ist dir irgendeine andere sympathisch?“
Überrumpelt stammelte Dareios: „Nun … äh … du bist ganz nett.“
„Spinner!“, erwiderte sie amüsiert.

An sich müssen Dialoge für sich sprechen. Aber ein bisschen Drumherum macht es doch lebendiger. Schließlich haben wir bei Face-to-Face-Konversationen auch mehr als nur das gesprochene Wort: Wir sehen unseren Gegenüber, riechen ihn, wenn er uns berührt, spüren wir ihn sogar. Und das gehört in einem Dialog (der nicht über Telefon oder so ;)) stattfindet, genauso dazu.

Wie seht ihr das? Mögt ihr lieber Dialoge mit viel oder mit wenig Drumherum?

Ich lese gerade:

Data from Goodreads

  • Book cover

    Die Lüge von Amergin Manor

    Antonia Günder-Freytag

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