Herzeliebez frouwelin,
got gebe dir hiute und iemer guot!
Kund ich baz gedenken din,
des hete ich willeclichen muot.
Waz mac ich dir sagen me,
wan daz dir nieman holder ist?
owe da von ist mir vil we.
Herzeliebez frouwelin, Walther von der Vogelweide
Mit dieser Strophe beginnt das bekannteste Lied von Walther von der Vogelweide, dem Protagonisten der Kurzgeschichte, deren Autor Detlef Klewer heute auf der Autorencouch sitzt. In seiner Kurzgeschichte „Und erlöse uns von dem Bösen …“, veröffentlicht in der Anthologie „Gesänge aus Dunklen Zeiten„, wird der Dörfler Cuno zu Unrecht beschuldigt, die Zukünftige seines besten Freundes ermordet zu haben. Zufällig gerät Walther von der Vogelweide mit dem Händler Deigenhardus in das Dorf und begegnet Cuno. Alle drei haben ein Geheimnis, das sie wohl hüten …
Isabella Benz: Herr Klewer, seit wann schreiben Sie und wie sind Sie zum Schreiben gekommen?
Detlef Klewer: Ich schreibe eigentlich seit meinem 12. Lebensjahr. Alles begann mit FanFictions aus dem Perry Rhodan-Universum (http://www.perry-rhodan.net/). Als begeisterter Leser dieser SF-Reihe habe ich meine eigenen Geschichten dazu entwickelt. Kurz darauf entdeckte ich die großartigen Larry Brent-Romane von Dan Shocker (http://de.wikipedia.org/wiki/Larry_Brent) für mich und es entstanden viele kurze Horrorstorys rund um die PSA. Selbstverständlich waren diese ersten Gehversuche nur für den engsten Familien- und Freundeskreis bestimmt und niemand sonst hat sie je zu sehen bekommen.
Später dann verlagerte sich mein Interesse schwerpunktmäßig zum phantastischen Film, obwohl sich mein Bücherschrank natürlich weiter mit phantastischer Literatur füllte. King, Tolkien, Asimov. Die üblichen Verdächtigen eben.
Die ersten Veröffentlichungen von Filmkritiken und Artikeln erfolgten in der ambitionierten Film-Zeitschrift „Vampir“. Danach gab es eine Kolumne in der Film-Illustrierten und die Mitarbeit bei der „Moviestar“. Viele Jahre blieb ich dem Genre-Film treu. Es entstanden insgesamt fünf Fachbücher zum Thema.
Isabella Benz: Wie und warum sind Sie von Sachbüchern zur Belletristik gewechselt?
Detlef Klewer: Die Belletristik hat mich eigentlich immer begleitet. Während meiner eher journalistischen Zeit schrieb ich auch sporadisch aus reinem Spaß Kurzgeschichten, die nach Fertigstellung allerdings direkt in der Schublade verschwanden. Erst 2011 hat mich meine Frau Irmgard dazu motivieren können, die entstehenden Shortstorys auch Verlagen für ihre Anthologien anzubieten, um sie mit deren Lesern zu teilen.
Isabella Benz: Gibt es gewisse Ähnlichkeiten, oder würden Sie sagen, dass die Herangehensweise an eine Kurzgeschichte eine gänzlich andere ist als an ein Sachbuch?
Detlef Klewer: Geschichten zu schreiben ist Spaß pur. Man lässt seiner Fantasie weitestgehend freien Lauf. Lediglich bei Period Pieces* muss man den geschichtlichen Hintergrund beachten. Sachbücher dagegen sind immer harte Arbeit. Die Recherche ist aufwändig und sehr zeitintensiv, das Gesamtkonzept muss stimmen und zu guter Letzt muss man die Balance zwischen hohem Informationsgehalt und flotter Schreibe finden. Das ist mir nur bei meinem letzten Sachbuch zum Thema Vampire wirklich gut gelungen.
Isabella Benz: Ein wenig Recherche war ja aber für unsere historische Geschichte auch notwendig. Wie intensiv haben Sie sich mit Walther von der Vogelweide auseinandergesetzt? Können Sie selbst Mittelhochdeutsch?
Detlef Klewer: Ja, das ist schon richtig. Für Geschichten, die in einem geschichtlichen Kontext stehen, muss man natürlich Recherche betreiben. Es muss ja historisch korrekt bleiben, auch wenn die Handlung selber Fiktion ist. Bei meiner „Walther von der Vogelweide“-Story hatte ich den unbestreitbaren Vorteil, dass meine Frau Irmgard früher Mitglied einer Musikgruppe war, die mittelalterliche Musik interpretiert und gespielt hat. Sie hatte noch viele Einzelheiten aus dem Leben des Sängers parat, die ich nutzen konnte. Aber nein, Mittelhochdeutsch kann ich in dieser Form nicht.
Isabella Benz: Gibt es irgendwo die Möglichkeit, eine Hörprobe von den Liedern Ihrer Frau zu ergattern?
Detlef Klewer: Leider nein. Ihre musikalische Schaffensphase liegt schon einige Jahre zurück. Daher existieren lediglich noch ein paar Songs auf Tape. Da die Gruppe aber mit anderer Besetzung immer noch existiert, besitzt sie keinerlei Rechte mehr an den Stücken.
Isabella Benz: Schade! Aber zuletzt würde mich noch interessieren: Haben Sie ein bestimmtes Ritual, das Ihre Kreativität fördert?
Detlef Klewer: Nein, da existiert kein geheimnisvolles Kreativitäts-Ritual, das ich zelebriere. Ein kluger Schriftstellerkopf – ich glaube es war Stephen King – hat einmal auf die Frage, wie er seine Geschichten schreibt, geantwortet: Ein Wort nach dem anderen. Und genauso ist es. Ich setze mich hin und schreibe. Dann fließt das „mythenmetzsche Orm“ fast immer von ganz alleine.
Das Einzige, was einem Ritual vielleicht nahe kommt, ist der Umstand, dass ich eine Geschichte stets auf einem Blatt Papier beginne. Ich liebe es zuerst ein vollgeschriebenes, mit durchgestrichenen Sätzen und Anmerkungen versehenes Blatt vor mir zu haben und erst dann mit einem Textprogramm am Computer weiter daran zu arbeiten. Fragen Sie mich nicht warum … Vielleicht weil meine allerersten Geschichten auch handschriftlich entstanden sind. Da schließt sich möglicherweise der Kreis.
Isabella Benz: Ja, gut möglich. Warum sollte man auch eine Vorgehensweise, die sich bewährt hat, ändern? In jedem Fall, vielen Dank für Ihre interessanten Antworten!
Detlef Klewer: Vielen Dank für Ihr Interesse an meinen Geschichten!

„Kein Wort mehr über Graf Dietrich, aber … es ist ein weiter Weg bis zum Hofe König Friedrichs. Wäre es Euch vielleicht Recht, ein Stück des Weges … gemeinsam mit mir … zurückzulegen?“ Er streckte Walther die Hand entgegen, die dieser ohne Zögern ergriff.
„Dann ist es also beschlossene Sache, mein Freund“, lachte Deigenhardus. „Ich muss Euch allerdings gestehen, dass mir Euer Name nicht unbekannt ist, denn landauf, landab heißt es: Herr Walther von der Vogelweide, wer den nicht kennt, der tät mir leide. Wäre es wohl allzu vermessen, Euch um die Gunst eines Liedes zu bitten?“
Walther lächelte erfreut, erhob sich und schritt zu seinem Gepäck. Er nahm seine sorgfältig in Tuch eingeschlagene Handharfe aus einer Tasche und setzte sich mit ihr an das prasselnde Feuer. Dann griff er in die Saiten und sang, um die ihm erwiesene Freundlichkeit auf seine Art zu erwidern.

„Ich meine, dies ist die beste der Vogelweide-Geschichten.“ – Jana Hoffhenke
* Da ich mich darüber auch erst selbst schlau machen musste: „Period piece ist die Bezeichnung für eine kreative Arbeit, die eine bestimmte, geschichtliche Periode beinhaltet.“ (http://en.wikipedia.org/wiki/Period_piece)
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