Der Plot (1)

von | 26. Mai 2016 | 0 Kommentare

Die Leitfrage dieses und des nächsten Artikels lautet: Wie erarbeite ich einen Plot?

Viele Autoren schreiben nach dem berühmten Bauchgefühl. Der Vorteil davon ist, dass man ständig von seinen Geschichten überrascht wird und mit viel Spannung schreiben kann. Der Nachteil ist, dass die Story häufig Wendungen nimmt und man daher ältere Szenen überarbeiten muss. Nachdem mir dies bei meiner ersten Geschichte passiert ist, war mir klar, dass ich mir in Zukunft vorher eine ausführliche Story-Line überlegen werde. Doch wie Vorgehen? Für meine erste Trilogie habe ich einen Dramenplot verwendet:
Anfang
1. Wendepunkte
Höhepunkt
2. Wendepunkt
Schluss
Prinzipiell halte ich diese Aufteilung nach wie vor für sinnvoll. Um jedoch vorab ein besseres Gesamtbild für meine Romane zu entwickeln, nutze ich mittlerweile ein anderes Konzept: Die sogenannte Schneeflockenmethode. Sie sieht vor, die Geschichte in 9 Schritten zu erarbeiten. Dabei wird immer abwechselnd am Plot, also, der Handlung, und an den Charakteren gearbeitet. Da es genug andere Blogs gibt, die diese Methode vorstellen, verweise ich hier einfach auf einen. Was mir an dieser Methode besonders wichtig ist, sind Schritt 05 und Schritt 08.
In Schritt 05 geht es darum, die Geschichte in Form einer Rückblende aus der Sicht der Protagonisten und wichtigsten Nebenfiguren zu schildern. Normalerweise sind dafür pro Protagonist 1 Seite und pro Nebenfigur eine halbe Seite eingeplant. Bei mir ufert dieser Schritt jedoch regelmäßig aus. Bei „Vermächtnis der Hüter“ war das ganz extrem, da gingen die Rückblenden teilweise über 12 Seiten. Aber ich habe da auch quasi für jeden Charakter bei 0 angefangen und ihn einfach mal erzählen lassen. Heraus kamen dann solche Eskapaden wie z.B. bei Noelia:

Mein ältester Bruder hat, als ich in der Mittelstufe war, bereits eine Ausbildung gemacht und zusätzlich Geld verdient, ab da ging es uns etwas besser. Mein zweiter Bruder hat auch sofort angefangen, etwas zur Haushaltskasse beizusteuern. Ich war eher dafür zuständig, meiner Mutter im Haushalt zu helfen. Dann hat mein Vater seinen Job verloren. Zu dem Zeitpunkt kannten Carolina und ich uns schon zwei Jahre.

Mir hier keine Vorschriften zu machen, sondern die Charaktere einfach mal erzählen zu lassen, was ihnen so auf dem Herzen liegt, hat mir sehr geholfen. Zum einen habe ich sie dadurch richtig gut kennen gelernt, zum anderen haben sie damit bereits eine eigene Stimme entwickelt und es war später viel einfacher, Szenen aus ihrer Sicht zu schreiben. Übrigens habe ich mich auch nicht davon irritieren lassen, wenn manche Ereignisse bei verschiedenen Charakteren in einer unterschiedlichen Reihenfolge stattfanden. Das dann wieder zu ordnen, war später Plotarbeit, aber in dem Moment, da ich die Charaktergeschichten geschrieben habe, ging es erstmal nur um sie und mich 🙂
Schritt 08 ist für mich mittlerweile die Grundlage für jede Rohfassung, selbst bei Kurzgeschichten: Ich mache mir immer zuerst eine Szenenübersicht, und ja, ich schreibe dann tatsächlich anhand dieser Szenen die Geschichte chronologisch runter. Ganz selten ändert sich einmal etwas. Ich bin nicht festgefahren. Aber in der Regel kenne ich meine Charaktere so gut, dass ich schon vor dem ersten Satz weiß, wie die Geschichte verlaufen wird. Und das hat mir doch einiges an Arbeit abgenommen.

Für „Vermächtnis der Hüter“ habe ich aber noch eine zweite Hilfe beim Plotten beansprucht. Was das ist und wie sie ablief? Das folgt im Artikel nächste Woche!

Ich lese gerade:

Data from Goodreads

  • Book cover

    Die Lüge von Amergin Manor

    Antonia Günder-Freytag

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