Das Lächeln der Fortuna

von | 8. Jun 2017 | 0 Kommentare

„Als sein Vater in Ungnade fällt verdingt sich der nun landlose Robin als Stallknecht. Das Schicksal der Familie ‚Warringham‘ vor dem Hintergrund des 100jährigen Krieges.“

Autorin: Rebecca Gablé
Sprecher: Detlef Bierstedt, Roman Roth, Wolfgang Wagner, Ulrike Kapfer, Julia Lowack, Moritz Grove u. a.
Hörspiel: 10:23 (Teil 1), 16:49 (Teil 2), 15:22 (Teil 3)
Sprache: Deutsch
Kauf: 1: Die Flucht ~ 2: Die Wende ~ 3: Die Rückkehr

Zusammenfassung: Robin hasst das Leben als Klosterschüler. Nachdem sein Vater als Verräter Land und Titel aberkannt bekommt, ist es für Robin daher keine Option im Kloster zu bleiben. Kurzerhand flieht er aus der Obhut der Mönche und macht sich auf den Weg nach Warringham, das Land, auf dem sein Vater sich mit der Zucht von Schlachtrössern einen Ruf erworben hat. Weil er eine besondere Gabe für Pferde hat, wird er vom dortigen Stallmeister Conrad als Stallbursche eingestellt. Der neue Earl of Warringham war tatsächlich ein Freund von Robins Vater und so scheint Robin auf dem Gut zunächst sicher zu sein. Doch Mortimer, der einzige Sohn und Erbe des Earls, ist Robin alles andere als wohlgesonnen. Und Fortunas Rad dreht sich für Robin auf und ab …

Rebecca Gablé nimmt sich meist in ihren Büchern neben einer bestimmten Epoche und der damaligen Geschichte auch einen Beruf, bzw. eine Lebensweise vor, die sie genauer beleuchtet. In der Geschichte um Robin spielt die Pferdezucht eine besondere Rolle, was mich als alte Pferdenärrin sehr gefreut hat. Am Anfang ist es die Beziehung von Robin zu dem Pferd Argus, die meiner Meinung nach sehr gut gelungen ist. Auch die Art, wie Gablé Robins Gabe beschreibt, gefiel mir. Sie war sehr dezent und ist bei Robin auch deutlich besser gelungen als im späteren Verlauf der Geschichte bei Ann. Ohne hier spoilern zu wollen, um wen es sich dabei handelt: Anns Gabe steigerte sich mit der Zeit so sehr ins Extreme, dass sie auf mich unrealistisch wirkte, was ich etwas schade fand. Robin hingegen wirkt wie ein durchaus realistischer Pferdeflüsterer. Der Aspekt kommt an entscheidenden Stellen im Roman immer wieder vor, ohne sich dabei so auszubreiten, dass es nervig geworden wäre. Mir haben die Szenen mit den Pferden alle sehr gut gefallen, und sie waren meiner Meinung nach in genau der richtigen Menge vorhanden.

Neben der Pferdezucht nimmt Gablé die historischen Auseinandersetzungen zwischen den Mitgliedern der Plantegent-Familie in den Blick. Robin gerät dabei auf die Seite von John und Henry of Laincester. Er erlebt die Auseinandersetzungen mit Frankreich, Schottland und gegen König Richard aus deren Sicht. Obwohl er damit klar einer Partei angehört, gelingt es Rebecca Gablé meist auch die Motive der politischen Gegner des Hauses Laincester im Blick zu behalten.

Robin gerät in ein durchaus spannendes Intrigenspiel, das sich im dritten Teil der Hörspielreihe mehr und mehr zuspitzt. Spannende und unerwartete Tiefschläge sind sowohl im ersten, als auch im dritten Band vorprogrammiert. Der zweite Band flacht dahingegen etwas ab, da er sich mehr mit Robins Familie auseinandersetzt, aber auch hier steigert es sich gen Ende. Die Aufteilung der Hörspiel-Bearbeitung ist durchaus gelungen. Ich konnte es am Ende jedes Bandes immer nicht abwarten, bis der nächste erschien.

Während Gablé bei den Nebenfiguren durchaus Grauschattierungen rein bringt, sind die beiden Hauptfiguren klar schwarz-weiß gezeichnet. Es gibt zwar ein paar Szenen, in denen um Verständnis für Mortimer geheischt wird, wirklich gelingt dies aber meines Erachtens nicht, dafür ist er einfach ein zu großes Ekelpaket. Den ein oder anderen positiven Zug vermisse ich bei ihm. Es hätte ihn meines Erachtens glaubhafter gemacht, wenn Gablé wenigstens irgendein gutes Haar an ihm gelassen hätte. Robins sich steigernder Hass ihm gegenüber ist damit zwar vollkommen verständlich, lässt ihn aber wie ein schillernder Held dastehen. Manchmal handelte er mir auch etwas zu tugendhaft. Er hat zwar seine Macken, aber durch seine Großherzigkeit gerät er so oft in Bedrängnis, dass ich ihn einige Male wirklich dumm fand. Auch die Frauenfiguren finde ich eher typenhaft dargestellt und ich vermisste ein wenig eine Dame, mit der ich mich hätte identifizieren können. Die einzige, die ich wirklich sympathisch fand, war Lady Catherine, die leider viel zu selten vorkam. Interessant ist jedoch die Sippe rund um Laincester gezeichnet, allen voran John of Gaunt und sein Sohn Henry. Den historischen Persönlichkeiten Farbe zu verleihen, gelingt Rebecca Gablé ganz hervorragend.

Die Hörspiel-Bearbeitung finde ich im Großen und Ganzen gelungen. Die Stimmen der Sprecher waren sehr angenehm und gut zum Zuhören. Besonders passend fand ich die Stimme von Mortimer. Der Klang hatte etwas von falschem Edelmut und passte einfach perfekt zu dem Bild, das ich mir während des Hörspiels von ihm machte. Zwischen den Szenen werden immer wieder Musikstücke eingespielt. Das erleichtert das Zuhören ebenfalls. Ab und an waren die Sequenzen für meinen Geschmack aber etwas lang.

Fazit: Eine sehr schöne Umsetzung des ersten Bandes der Warringham-Saga. Die Geschichte selbst hat eine angenehme Mischung zwischen historischen Fakten und fiktiver, spannender Schicksalssaga. Die Figuren hätten zwar teilweise etwas tiefschichtiger sein können, aber davon abgesehen sind diese 3 Hörspiele trotz ihrer Länge ein kurzweiliges Vergnügen.

Ich lese gerade:

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  • Book cover

    Die Lüge von Amergin Manor

    Antonia Günder-Freytag

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