Isabella Benz: Zu Geschichten, die von Wasser handeln, gehören auch Geschichten, die auf dem Wasser handeln, sprich: in einem Schiff! Einen besonderen Fokus darauf hat in der Anthologie „Wenn alte Wellen singen“ die Autorin Corinne Hocke gelegt. Liebe Corinne, ich darf dich heute auf der Autorencouch ganz herzlich begrüßen! Fangen wir einmal mit dem Thema „Schiff“ an: Du beschreibst das Leben auf einem Schiff sehr ausführlich. Warst du selbst schon einmal auf einer längeren Seefahrt? Wie hast du darüber recherchiert?
Corinne Hocke: Ich war schon öfter auf Schiffen verschiedener Größe unterwegs und habe es immer geliebt – auch wenn es durchaus mal beängstigende Situationen gab. Gerade, wenn man auf dem Meer ist und die Wellen mal ein wenig höher schlagen. Da kommt man sich schon sehr klein vor, besonders, wenn man in einem Schlauchboot sitzt. Daher konnte ich mich recht gut in die Angst meiner Hauptperson hineinversetzen. Einen Sturm auf einem mittelalterlichen Segelschiff möchte ich nicht erleben.
Isabella Benz: Bedeutet das, dass du Wasser eher skeptisch gegenüber stehst?
Corinne Hocke: Nein, ich liebe Wasser! Das Plätschern eines kleinen Baches ebenso wie die ruhige Strömung eines großen Flusses oder das Tosen eines Wasserfalls. Klare, stille Seen und Teiche oder das Meer in seiner gewaltigen und faszinierenden Weite, aber gleichzeitig mit so viel Kraft ausgestattet, dass einem angst und bange werden kann. Schwimmen finde ich übrigens auch toll. Man fühlt sich so herrlich leicht und vom Wasser umschmeichelt. Habe ich schon gesagt, dass ich Wasser liebe?
Isabella Benz: *lach* Ok, ich glaube dir! Jetzt einmal unabhängig vom Wasser: Seit wann schreibst du eigentlich?
Corinne Hocke: Ich schreibe, mit immer mal wieder längeren oder kürzeren Unterbrechungen, seit meiner Kindheit. Ich habe relativ früh lesen gelernt und immer reihenweise Bücher verschlungen. Das hat meine Fantasie angeregt, und gelegentlich habe ich mal eine der Geschichten zu Papier gebracht. Ich mag einfach den Umgang mit Wörtern und Sprache. Man kann so wunderbare Bilder damit entstehen lassen.
Isabella Benz: Das stimmt! Und ich würde sagen, das ist der richtige Zeitpunkt, um einmal einen Blick in deine Geschichte zu werfen:

Dass ausgerechnet Konstantinopel das Ziel der Reise war, hatte Alessandro von Anfang an erschreckt, doch als sie in der Morgendämmerung vor zwei Tagen die riesige Stadt erreichten, hatte der Junge sich einer Panik nahe gefühlt. Die vielen Menschen und die gewaltige Ausdehnung der Stadt machten ihm Angst …

Dein historischer Hintergrund ist der Handel mit Konstantinopel – was fasziniert dich so sehr daran, dass du darüber eine Kurzgeschichte geschrieben hast?
Corinne Hocke: Geschichte fand ich schon immer spannend. In der Schule war es eins meiner Lieblingsfächer. Je weiter weg von der Gegenwart, desto besser, war damals meine Devise. Mittlerweile ist das Mittelalter meine „Lieblingsepoche“, die oft gar nicht so finster war, wie der Volksmund oft behauptet.
Isabella Benz: Das stimmt allerdings! Sag uns doch bitte abschließend: Was ist dir beim Schreiben denn besonders wichtig?
Corinne Hocke: Ich denke, zum Schreiben gehört – neben Spaß und Inspiration – auch eine ordentliche Portion Durchhaltevermögen. Daran arbeite ich bei mir immer noch. Kurzgeschichten sind da manchmal ein guter Einstieg, weil man eben nicht ewig daran sitzt und dann auch mal etwas fertig schreibt. Ich weiß gar nicht, wie oft ich Geschichten begonnen und irgendwann nicht mehr weiter geschrieben habe, weil ich entweder eine Weile keine Zeit hatte oder – der häufigere Grund – nach einigen Seiten der Meinung war, dass meine Geschichten nicht gut genug wären. Wenn ich dann Monate später noch einmal einen Blick darauf geworfen habe, fand ich es doch gar nicht mehr so schlecht, habe dann aber meist keinen Anknüpfungspunkt mehr gefunden. Mein Tipp wäre daher: nicht entmutigen lassen! Und ruhig mal was Kürzeres schreiben, weil es einfach ein gutes Gefühl ist, eine Geschichte auch mal zu Ende gebracht zu haben.
Isabella Benz: Und das ist sicher ein schönes Gefühl. Vielen Dank für deine ausführlichen Antworten!

Die Anthologie erschien am 10.02. und kann beim Burgenweltverlag oder auf Amazon bestellt werden.