Isabella Benz: Und weiter geht es! In den nächsten Wochen werde ich euch die Autoren der Anthologie „Wenn alte Wellen singen – Wassergeschichten des Mittelalters“. Den Anfang macht CM Dyrnberg! Herzlich Willkommen auf der Autorencouch. Zunächst würde mich interessieren, da diese Anthologie ja Wasser als verbindendes Element hat: Wie würdest du dein persönliches Verhältnis zu Wasser beschreiben?
CM Dyrnberg: Da antworte ich prosaisch: Wasser ist vor allem Trinkwasser.
Isabella Benz: Ich gestehe, ich bin ja überhaupt kein Fan davon, Wasser zu trinken. Außer klares, frisches Quellwasser, das ist sehr lecker 😉 Aber sagmal: Was bedeutet die Schreiberei eigentlich für dich?
CM Dyrnberg: Ich schreibe selten und wenig; wenn, dann als Ausgleich zum Berufsalltag.
Isabella Benz: Dafür ist deine Kurzgeschichte „Hochwasser“ stilistisch aber wirklich sehr ausgereift. Vielleicht werfen wir gerade einmal einen Blick darauf:

Stumm standen wir zwischen den grausigen Funden wie Verlorene in einem Labyrinth. Der Prior fand als Erster seine Stimme wieder. Erst vor eineinhalb Jahren hatte ihn der Bischof in unser entlegenes Kloster gesandt, um den Posten des Stellvertreters zu besetzen. Er war, wie man so sagte, in der Welt herumgekommen und hatte an angesehenen Universitäten studiert, an diesem Morgen aber wich auch aus seinem Gesicht alles Weltmännische.

Hast du denn einen Tipp, den du anderen Schreibbegeisterten mitgeben möchtest?
CM Dyrnberg: Sich selbst nicht überschätzen und sich selbst nicht zu wichtig nehmen. Eine gute Geschichte kriegen nur wenige hin … aber mir persönlich macht das Scheitern auch irgendwie Spaß.
Isabella Benz: Das ist eine gute Einstellung, finde ich. Magst du uns erzählen, was der historische Hintergrund deiner Kurzgeschichte ist?
CM Dyrnberg: In meiner Geschichte tritt Wasser als Naturkatastrophe auf. Mich haben dabei die Differenzen wie Parallelen zwischen mittelalterlichen und gegenwärtigen Diskursen gereizt: Wie deutet der Mensch eine solche Katastrophe? Plump könnte man sagen: „Die Menschen damals haben alles auf Gott bezogen, wir aber sind aufgeklärt und tun dies nicht mehr.“ Nur wäre eine solche Antwort meines Erachtens völlig falsch: Gerade unsere gegenwärtigen Debatten über Natur sind voll religiöser Semantik wie auf der anderen Seite das Christentum im Mittelalter nicht so einheitlich auftrat wie wir uns das heute laienhaft vorstellen. Darauf wollte ich hinaus – ich hoffe nur, dass sich die Geschichte spannender liest als die Metaebene, die ich hier gerade beschrieben habe.
Isabella Benz: *lach* Definitiv, zumindest mich hat sie voll mitfiebern lassen! Deine Geschichte besticht meiner Meinung nach durch ihre beklemmende Atmosphäre. Liegt dir diese Art des Schreibens besonders oder war das eher ein Experiment?
CM Dyrnberg: Da ich nur wenig schreibe, könnte ich keinen Stil nennen, der für mich typisch wäre. Im vorliegenden Fall aber entstand die Atmosphäre aus der Geschichte. In anderen Worten: Ein mittelalterliches Kloster am Tag nach einem verheerenden Hochwasser, das Tote zurücklässt, stelle ich mir nicht als einen vergnügungssteuerpflichtigen Ort vor.
Isabella Benz: Das ist ein gutes Argument. Vielen Dank für deine offenen Worte!

Die Anthologie erschien am 10.02. und kann im Burgenweltverlag oder auf Amazon erworben werden.