Isabella Benz: Heute darf ich Christa Lippert auf der Autorencouch begrüßen! Sie ist eine der Autorinnen der Anthologie Hexensteine (AmazonThalia) und hat sich meinen Fragen ausgesetzt. Liebe Christa, zunächst würde mich interessieren: Wie viel Zeit hast du denn in der Regel zum Schreiben?
Christa Lippert: Nun, im Grunde hätte ich so vier bis fünf Stunden täglich Zeit zum Schreiben, aber da ich dazu absolute Ruhe brauche, und das mit drei kleinen Enkelkindern im Haus nicht gut möglich ist, kann ich nur ab 21 Uhr schreiben. Oft fehlt mir dann die Motivation. So komme ich auf höchstens vier bis fünf Stunden in der Woche zum Schreiben. Oft schaffe ich es auch eher, während der Arbeit zu schreiben, anstatt zuhause.
Isabella Benz: Deine Kurzgeschichte, die in den Hexensteinen abgedruckt ist, beschäftigt sich ja indirekt auch mit dem Leben nach dem Tod. Wie stehst du persönlich denn dazu?
Christa Lippert: Oh, das ist eine Frage, die sich nicht mit wenigen Worten beantworten lässt. Nach traditionellem Glauben steigt die Seele ja entweder in den Himmel oder fällt in die Hölle. Daran glaube ich nicht. Aber auch, dass es nach dem Tod absolut nichts gibt, ist für mich keine Option. Wenn ich mir Gedanken um ein Leben nach dem Tod mache, dann sehe ich in der Regel die Seele als unsterblich an. Da sie, meinen Vorstellungen zufolge, nicht in irgendwelche Fegefeuer oder himmlische Sphären aufsteigt, kommt für mich eigentlich nur eines in Frage, nämlich die Wiedergeburt. Ich möchte mir gerne vorstellen, dass die Seele nach dem Tod ein neues Leben findet, welches sie ausfüllen kann.
Zwischenweltliche Wesen, wie Geister oder Erscheinungen, halte ich eher für unreal. Aber nur, weil ich noch nie etwas derartiges gesehen habe, will ich diese Möglichkeit nicht als völlig absurd abtun. Wer weiß, vielleicht gibt es sie ja doch?
Isabella Benz: Zumindest dein Protagonist trifft ja auf ein solches Wesen. Werfen wir doch als einen Blick auf ein Zitat aus deiner Geschichte:

Nevin bewegte sich ein Stück zur Seite und glitt mühelos durch einen Baum hindurch. Auf seinem Gesicht erschien ein breites Grinsen. „Ganz schön praktisch, ein Geist zu sein. Hat ’ne Menge Vorteile.“

Hierbei handelt es sich ja um eine Mischung aus den Genres Historik und Phantastik. Was hältst du denn von der Verbindung zwischen diesen beiden?
Christa Lippert: Viel! Nun ja, diese Verbindung ist eine der häufigsten in der Fantasy. Ich lese gerne Romane, die Fantasy und Mittelalter miteinander verbinden. Spielen diese Geschichten in unserer Welt, erwarte ich allerdings vom Autor, dass er sich in dieser Zeit auskennt und die Gegebenheiten dieser Zeit gut wiedergibt. Selbst ein modernes Wort unbedacht eingesetzt, kann schon die Stimmung verderben. Sprache, Kleidung und Erzählweise sollten dem historischen Rahmen angepasst sein. Übertrieben gesagt: Rennt ein römischer Legionär mit Flipflops oder Sneakers rum, hört bei mir der Spaß auf.
Aber auch da gibt es Ausnahmen. Erkennt der Leser auf Anhieb, dass die Geschichte mit derlei Ausdrücken aus der modernen Zeit gespickt ist, um eine Art Slapstick-Charakter zu verdeutlichen, kann das durchaus amüsant sein. Nur sind diese Art Geschichten nicht Jedermanns und -fraus Sache.
Spannend finde ich es, mich mit der Einfachheit auseinanderzusetzen, in der die Menschen zu dieser Zeit lebten. Gerade die fehlenden Kommunikationsmittel, die langen Reisen von einem Ort zum anderen und die Konflikte, die von „Mann zu Mann“ ausgetragen werden mussten, finde ich daran reizvoll. Es war ein hartes Leben im Mittelalter, und mein Held darf es nicht leicht haben.
Isabella Benz: Dafür hast du dir ja mit der Hungersnot in Irland das richtige Ereignis herausgesucht. Hast du eigentlich eine besondere Verbindung zu diesem Land?
Christa Lippert: Leider war ich noch nie in Irland. Ich würde es gerne einmal kennenlernen. Die Landschaft muss wunderschön sein. Besonders faszinieren mich die Geschichten um Kobolde, Elfen und andere Fabelwesen, die besonders in Irland bis heute hoch geschätzt und sehr lebendig sind.
Isabella Benz: Zum Schluss würde mich noch interessieren – unabhängig von deiner Kurzgeschichte: Hast du eigentlich ein Lieblingsbuch?
Christa Lippert: Nein. Ich lese sehr viel und es gibt in meinem Bücherregal eine Menge Bücher, die ich sehr schätze. Oftmals lese ich eines und bin total begeistert. Das erhebe ich dann für kurze Zeit zu meinem Lieblingsbuch, bis ich wieder eines lese, das das vorige verdrängt. Die Liste der Bücher, die mir die Liebsten sind, ist recht lang. Angefangen von den Büchern von Marion Zimmer-Bradley (Darkover-Reihe), über Tad Williams (Osten Ard Saga), Jonathan Stroud (Bartimäus-Reihe) bis hin zu Cinda Williams Chima, deren Geschichten in der heutigen Zeit spielen und gekonnt mit Magie durchsetzt sind, oder meiner neusten Entdeckung: S. J. Kincade (Die Weltenspieler-Serie).
Isabella Benz: Da geben sich ja auch Historische und Phantastische Romane die Klinke in die Hand, das passt ja 🙂 Dann danke ich an der Stelle Recht herzlich für das Interview und wünsche dir noch einige gute Ruhezeiten zum Schreiben!