Das Lächeln der Fortuna

Das Lächeln der Fortuna

„Als sein Vater in Ungnade fällt verdingt sich der nun landlose Robin als Stallknecht. Das Schicksal der Familie ‚Warringham‘ vor dem Hintergrund des 100jährigen Krieges.“

Autorin: Rebecca Gablé
Sprecher: Detlef Bierstedt, Roman Roth, Wolfgang Wagner, Ulrike Kapfer, Julia Lowack, Moritz Grove u. a.
Hörspiel: 10:23 (Teil 1), 16:49 (Teil 2), 15:22 (Teil 3)
Sprache: Deutsch
Kauf (Folgende Links kennzeichne ich gemäß §2 Nr. 5 TMG als Werbung): 1: Die Flucht ~ 2: Die Wende ~ 3: Die Rückkehr

Zusammenfassung: Robin hasst das Leben als Klosterschüler. Nachdem sein Vater als Verräter Land und Titel aberkannt bekommt, ist es für Robin daher keine Option im Kloster zu bleiben. Kurzerhand flieht er aus der Obhut der Mönche und macht sich auf den Weg nach Warringham, das Land, auf dem sein Vater sich mit der Zucht von Schlachtrössern einen Ruf erworben hat. Weil er eine besondere Gabe für Pferde hat, wird er vom dortigen Stallmeister Conrad als Stallbursche eingestellt. Der neue Earl of Warringham war tatsächlich ein Freund von Robins Vater und so scheint Robin auf dem Gut zunächst sicher zu sein. Doch Mortimer, der einzige Sohn und Erbe des Earls, ist Robin alles andere als wohlgesonnen. Und Fortunas Rad dreht sich für Robin auf und ab …

Rebecca Gablé nimmt sich meist in ihren Büchern neben einer bestimmten Epoche und der damaligen Geschichte auch einen Beruf, bzw. eine Lebensweise vor, die sie genauer beleuchtet. In der Geschichte um Robin spielt die Pferdezucht eine besondere Rolle, was mich als alte Pferdenärrin sehr gefreut hat. Am Anfang ist es die Beziehung von Robin zu dem Pferd Argus, die meiner Meinung nach sehr gut gelungen ist. Auch die Art, wie Gablé Robins Gabe beschreibt, gefiel mir. Sie war sehr dezent und ist bei Robin auch deutlich besser gelungen als im späteren Verlauf der Geschichte bei Ann. Ohne hier spoilern zu wollen, um wen es sich dabei handelt: Anns Gabe steigerte sich mit der Zeit so sehr ins Extreme, dass sie auf mich unrealistisch wirkte, was ich etwas schade fand. Robin hingegen wirkt wie ein durchaus realistischer Pferdeflüsterer. Der Aspekt kommt an entscheidenden Stellen im Roman immer wieder vor, ohne sich dabei so auszubreiten, dass es nervig geworden wäre. Mir haben die Szenen mit den Pferden alle sehr gut gefallen, und sie waren meiner Meinung nach in genau der richtigen Menge vorhanden.

Neben der Pferdezucht nimmt Gablé die historischen Auseinandersetzungen zwischen den Mitgliedern der Plantegent-Familie in den Blick. Robin gerät dabei auf die Seite von John und Henry of Laincester. Er erlebt die Auseinandersetzungen mit Frankreich, Schottland und gegen König Richard aus deren Sicht. Obwohl er damit klar einer Partei angehört, gelingt es Rebecca Gablé meist auch die Motive der politischen Gegner des Hauses Laincester im Blick zu behalten.

Robin gerät in ein durchaus spannendes Intrigenspiel, das sich im dritten Teil der Hörspielreihe mehr und mehr zuspitzt. Spannende und unerwartete Tiefschläge sind sowohl im ersten, als auch im dritten Band vorprogrammiert. Der zweite Band flacht dahingegen etwas ab, da er sich mehr mit Robins Familie auseinandersetzt, aber auch hier steigert es sich gen Ende. Die Aufteilung der Hörspiel-Bearbeitung ist durchaus gelungen. Ich konnte es am Ende jedes Bandes immer nicht abwarten, bis der nächste erschien.

Während Gablé bei den Nebenfiguren durchaus Grauschattierungen rein bringt, sind die beiden Hauptfiguren klar schwarz-weiß gezeichnet. Es gibt zwar ein paar Szenen, in denen um Verständnis für Mortimer geheischt wird, wirklich gelingt dies aber meines Erachtens nicht, dafür ist er einfach ein zu großes Ekelpaket. Den ein oder anderen positiven Zug vermisse ich bei ihm. Es hätte ihn meines Erachtens glaubhafter gemacht, wenn Gablé wenigstens irgendein gutes Haar an ihm gelassen hätte. Robins sich steigernder Hass ihm gegenüber ist damit zwar vollkommen verständlich, lässt ihn aber wie ein schillernder Held dastehen. Manchmal handelte er mir auch etwas zu tugendhaft. Er hat zwar seine Macken, aber durch seine Großherzigkeit gerät er so oft in Bedrängnis, dass ich ihn einige Male wirklich dumm fand. Auch die Frauenfiguren finde ich eher typenhaft dargestellt und ich vermisste ein wenig eine Dame, mit der ich mich hätte identifizieren können. Die einzige, die ich wirklich sympathisch fand, war Lady Catherine, die leider viel zu selten vorkam. Interessant ist jedoch die Sippe rund um Laincester gezeichnet, allen voran John of Gaunt und sein Sohn Henry. Den historischen Persönlichkeiten Farbe zu verleihen, gelingt Rebecca Gablé ganz hervorragend.

Die Hörspiel-Bearbeitung finde ich im Großen und Ganzen gelungen. Die Stimmen der Sprecher waren sehr angenehm und gut zum Zuhören. Besonders passend fand ich die Stimme von Mortimer. Der Klang hatte etwas von falschem Edelmut und passte einfach perfekt zu dem Bild, das ich mir während des Hörspiels von ihm machte. Zwischen den Szenen werden immer wieder Musikstücke eingespielt. Das erleichtert das Zuhören ebenfalls. Ab und an waren die Sequenzen für meinen Geschmack aber etwas lang.

Fazit: Eine sehr schöne Umsetzung des ersten Bandes der Warringham-Saga. Die Geschichte selbst hat eine angenehme Mischung zwischen historischen Fakten und fiktiver, spannender Schicksalssaga. Die Figuren hätten zwar teilweise etwas tiefschichtiger sein können, aber davon abgesehen sind diese 3 Hörspiele trotz ihrer Länge ein kurzweiliges Vergnügen.

Ich lese gerade:

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    Im Bann der zertanzten Schuhe (Märchenspinnerei #5)

    Janna Ruth

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Die Himmelsbraut

Die Himmelsbraut

„Schön und stimmungsvoll geschrieben. Fritz beschreibt die Zeit des Umbruchs und das Leben im Kloster wirklich gut. Nur die Geschichte um Antonia und Philipp geht dabei streckenweise etwas unter.“

Autorin: Astrid Fritz
Print: 480 Seiten
Sprache: Deutsch
Kauf (Folgende Links kennzeichne ich gemäß §2 Nr. 5 TMG als Werbung): Amazon ~ Buchhandel ~ Verlag

Zusammenfassung
Antonia, die jüngste Tochter eines Edelknechtes der Ritter von Holderstein, und Philipp von Holderstein sind von Kindes Beinen an unzertrennlich. Ehe Philipp in die Dienste eines Ritters tritt, merken beide, dass sich aus der kindlichen Freundschaft neue, ihnen unbekannte Gefühle entwickelt haben. Doch es kommt zu keiner Aussprache und während Philipp mit seinem neuen Herrn durch die Lande zieht, versucht Antonias Vater seine drei Töchter unter die Haube zu bekommen. Die mittlere Tochter, Magdalena, tritt auf eigenen Wunsch hin in ein Kloster ein. Auf der Rückreise von der Hochzeit der ältesten Tochter wird die Gruppe jedoch überfallen. Einzig Antonia überlebt das Massaker und befindet sich nun unter der Obhut von Philipps Vater. Da dieser eine Hochzeit zwischen Antonia und seinem Sohn nicht gutheißt, stellt er Antonia vor eine Wahl, die sie letztlich zu ihrer Schwester Magdalena ins Kloster treibt. Und welches das ist, kann Philipp nicht in Erfahrung bringen …

Fritz schreibt sehr stimmungsvoll. Obwohl sie mitunter längere Passagen mit reiner Nacherzählung, bzw. die Zusammenfassung von Ereignissen bietet, war es vom Schreibstil her so angenehm zu lesen, dass ich nicht dazu verleitet war, die Seiten zu überspringen. Ausführlich zeichnet Fritz das Leben im Kloster nach. Dabei ist sie durchaus in Grautönen unterwegs, die Vorteile werden ebenso gezeigt wie die Schattenseiten, auch wenn letztere überwiegen mögen. Diese Beobachtung lässt sich meines Erachtens ebenso auf andere historische Aspekte des Romans übertragen: Fritz bemüht sich stets, keine klare Position zu beziehen, sondern die verschiedenen Anliegen der gegnerischen Seiten zu beleuchten. Dass dabei dennoch Tendenzen – allein schon durch die Charakterisierung der Protagonisten – zutage treten, lässt sich wohl kaum vermeiden.

Im Gegensatz zu den Historischen Ereignissen findet sich unter den Charakteren eine deutlichere Einteilung in Gut und Böse. Das mag sicher nicht für alle Charaktere zutreffen, hierbei ist vor allem Philipps Vater zu nennen, der eine sehr ambivalente Persönlichkeit darstellt. Gerade bei den beiden Protagonisten vermisste ich die Ecken und Kanten aber. Sie schienen mir beide doch sehr in die (hilflose) Opferrolle gedrängt. Ich hätte mir mehr Aktivität von ihnen erwünscht. Zwar ist durchaus nachvollziehbar, warum diese Aktivität unterbleibt, gefehlt hat sie mir dennoch.
Bei den Nebenfiguren stechen zwar einige hervor und manche machen auch eine Entwicklung durch. Im Großen und Ganzen trifft man hier aber auf „Typen“: Die verwöhnte adlige Priorin, die gutmütige, weise Äbtissin, der gut aussehende und vereinnahmende Rebellenanführer … Kurzum: mehr von den Grauschraffierungen aus der Historischen Darstellung hätte ich mir auch für die Charaktere gewünscht.

Obwohl ich mich nirgends gelangweilt habe und das Buch mich gut gefesselt hat, würde ich den Spannungsbogen als eher flach verlaufend bezeichnen. Das hängt damit zusammen, dass ich die Geschichte um Antonia und Philipp als roten Faden erwartet hatte. Sicher stehen die beiden als Perspektivträger im Mittelpunkt, allerdings mehr als Einzelpersonen und weniger als Paar. Der Roman erzählt ihre Schicksale, die durchaus miteinander verbunden sind. Aber eben diese Verbindung tritt, anders als ich es erwartet hatte, vor allem im Mittelteil stark in den Hintergrund. Hinzu kommt, dass Fritz mit dem Überfall auf Antonias Familie eine spannende Quest aufwirft, die dann leider in großen Teilen des Romans keine Rolle spielt. Insofern wurden also meine Erwartungen enttäuscht, „Die Himmelsbraut“ funktioniert jedoch meiner Meinung nach auch ohne den strammen roten Faden.

Fazit:
Antonia und Philipp haben – unabhängig voneinander – sehr bewegte Leben und mit ihren Protagonisten fängt Fritz sehr gut den Geist des Umbruchs ein. Allerdings darf man an diesen Roman nicht mit der Erwartung einer Liebesgeschichte herangehen. „Die Himmelsbraut“ hat ihren Schwerpunkt nicht auf den Charakteren, sondern auf den Historischen Ereignissen und deren Wahrnehmung. Wer gerne in die Reformationszeit abtaucht und wen zudem das damalige Klosterleben interessiert, der ist mit diesem Roman genau an der richtigen Adresse.

Ich lese gerade:

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Karl – Geschichten eines Großen

Karl – Geschichten eines Großen

„Eine interessante und informative Anthologie über Legenden und (möglichen) Wahrheiten zum „Gründer Europas“: Karl dem Großen.“

Herausgeber: Judith C. Vogt und Michael Kuhn
Print: 136 Seiten
Sprache: Deutsch
Kauf (Folgende Links kennzeichne ich gemäß §2 Nr. 5 TMG als Werbung): Amazon ~ Buchhandel ~ Verlag

Aufmachung:
Das Buch ist mit seinen 136 relativ dünn und liegt gut in der Hand. Die Schriftgröße fand ich sehr angenehm. Für mein Empfinden hätte der Rand zur Buchmitte noch ein wenig größer sein können, ich knicke Bücher so ungern auseinander, aber lesen ließ es sich dennoch gut. Auch das Cover ist sehr ansprechend gestaltet. Das Karlssiegel passt natürlich wunderbar, doch auch das kleine Detail mit der blutigen Feder deutet sehr schön auf die teils recht blutigen Geschichten hin.
Die Kurzgeschichten werfen aus verschiedenen Richtungen Blicke auf das Leben Karls des Großen. Dabei werden viele, verschiedene Genre bedient, neben kriminalistischen und mysteriösen Geschichten finden sich auch ein lyrisches Werk sowie historische Abhandlungen. Auch wenn ich Kurzgeschichten immer Recht schwer zu bewerten finde, will ich doch zu jeder eine kurze Beschreibung und einen Eindruck wiedergeben:

Kurzgeschichten
Die Bekehrung des Mahout
Ein Mahout soll Karl dem Großen als Geschenk des Kalifen einen Elefanten überbringen. Leider stirbt das Tier bei der Überführung. Der Mahout bleibt in dem fremden Land mit den rauen Menschen zurück und muss sich nun dort zurecht finden. ~ Eine traurige Geschichte, die schön die auch damals schon vorhandenen Probleme des Aufeinandertreffens fremder Kulturen aufweist.

Die Kinder des Kalbes
Jedes Jahr zu Ostern ermorden Askwin Haduwig Betrunkene Christen, die im Dienste Karls des Großen stehen. Doch warum? ~ Die Zeitsprünge haben mir in dieser Kurzgeschichte sehr gut gefallen. Man weiß bereits zu Beginn, wohin die Geschichte führt und ist dennoch erpicht darauf, zu erfahren, wie es soweit kommen konnte. Spannend und gut geschrieben!

Die Gabe der Zeichnerin (Auszug)
Bereits bevor Karl der Große den Bau des Aachener Domes in Auftrag gab, wurden dort Christen begraben, was sich für die Bauherren als eher hinderlich erweist. ~ Die kurze Szene aus dem gleichnamigen Roman von Martina Kempff ist gut gewählt. Man merkt zwar, dass mehr um die Charaktere herum geschieht, kommt aber dennoch gut in das Geschehen hinein. Nur der Cliff-Hanger am Ende, der vermutlich nicht zu vermeiden war, hat mich etwas gestört.

Die feurigen Schilde
Obwohl er ihre Heilige Irminsul gefällt hat, lehnen sich die Sachsen erneut gegen Karl den Großen auf. Kann er ihren Angriff auch diesmal abwenden? Oder werden sie nun siegen? ~ Geschickt sind in dieser Geschichte die Legenden aufgegriffen und zu einer spannenden Erzählung zusammengestrickt. Gut hat mir auch die szenische Schreibweise gefallen, sehr lebendig!

Charlemagne – Vater Frankreichs?
Hier wird nun ein geschichtswissenschaftlicher Blick auf Karl den Großen geworfen. Die verschiedenen Probleme der Wissenschaft rund um die Person Karls, seine berühmt-berüchtigte karolingische Renaissance und der nationale Gründungsmythos Frank(en)reichs wird hier näher beleuchtet. ~ Ich gebe zu, eine solche Berichtsform hatte ich in der Anthologie nicht erwartet. Es ist gut geschrieben, reizt mich aber nicht so wie Geschichten, in denen Charaktere etwas zu verlieren haben.

Der Rest des Lebens
Lyrische Werke finde ich fast noch schwerer zu beurteilen als Kurzgeschichten. Ich habe lange herum gerätselt, um wen es hier eigentlich geht. So richtig damit anfreunden, konnte ich mich leider nicht.

Der Ring der Fastrada
Fastrada, die vierte Ehefrau Karls des Großen, beichtet dem Ich-Erzähler der Geschichte, einem Bischof, kurz vor ihrem Tod was sie für ihrem Ehemann Karl verbrochen hat. ~ Innerhalb der Geschichte ist sehr viel nacherzählt. Die Form passt zur Geschichte, hat es mir aber zum Teil schwer gemacht, mich ganz auf die Erzählung einzulassen. Was Fastrada beichtet, ist aber durchaus spannend. Und wirft noch einmal ein ganz anderes Licht auf den großen Karl!

Die Schulzen von Büllingen
Karl setzt im betagten Alter zwei ebenfalls bereits Greise Brüder als Schultheißen ein und lässt von einem Untergeben prüfen, ob die beiden überhaupt noch dazu in der Lage sind. ~ Eine nette, kurzweilige Geschichte, die mich zum Schmunzeln brachte.

Einhard
Nach Karls Tod erzählt der gealterte Einhard einem jungen Burschen, wie er die Kaiserkrönung Karls miterlebt hat. ~ Ebenfalls sehr kurzweilig, wobei bei mir am Ende irgendwie das Gefühl zurückblieb, dass noch etwas fehlen würde. Vielleicht „leide“ ich aber auch nur mit Einhard 😉

Traue niemandem!
Gero ist geistliches Oberhaupt von Magadoburg für die Gerichtsbarkeit dort zuständig. Nun hat er endlich die Gelegenheit, den Händler Hatto zu überführen, denn der verkauft widerrechtlich Waffen an die Sachsen und heizt diese zu Überfällen auf Christenmenschen an. ~ Ein spannendes Verhör mit einer mehr als überraschenden Wendung!

Die gefälschte Karlslegende
Hier handelt es sich um historische Überlegung dazu, weshalb Karl der Große als Gründer Aachens stilisiert wurde. ~ Auch diese Informationen sind gut geschrieben und rübergebracht. Der oben genannte „Kritikpunkt“ trifft aber natürlich hier ebenfalls zu.

Eine Stadtrallye auf den Spuren Karls des Großen
Die Protagonisten aus der Trilogie „Die Geister des Landes“ führen den Leser in 9 Stationen durch Aachen, immer auf der Suche nach Hinweisen auf den wahren Karl den Großen, stoßen dabei aber natürlich auch auf viele Legenden. ~ Sehr amüsant geschrieben und ein super schöner Abschluss für die Anthologie!

Komposition und Gesamteindruck:
Ganz erschloss sich mir nicht, nach welchen Kriterien die Kurzgeschichten in der Anthologie angeordnet wurden. Das tut aber dem guten Gesamteindruck keinen Abbruch. Abwechslungsreich ist es in jedem Fall. Lediglich die Kurzgeschichten „Der Rest des Lebens“ und „Der Ring der Fastrada“ hätte ich mir anders herum gewünscht, da mir dann vermutlich während dem Lesen von „Der Rest des Lebens“ nicht ganz so viele Fragezeichen über dem Kopf gestanden hätten. Positiv hervorheben möchte ich zudem, dass jeder Autor in wenigen Sätzen erklärte, was ihn mit Karl dem Großen verbunden hat. Das sind zum Teil sehr nette Anekdoten, die ab und an im Nachhinein noch einmal ein anderes Licht auf die Geschichten werfen.

Fazit:
Ohne die Historischen Abhandlungen hätte es mir persönlich besser gefallen, aber alles in allem sind die Beiträge sehr solide geschrieben, es liest sich flott und in den allermeisten Fällen war es auch sehr spannend. Mein persönliches Highlight war die Spurensuche am Ende.

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Marcellus – Blutgericht

Marcellus – Blutgericht

„Zwischendurch tröpfelt es zwar ein wenig, aber insgesamt ein gelungener Abschluss der Trilogie …“

Autor: Michael Kuhn
Taschenbuch: 224 Seiten
Verlag: Ammianus
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Inhalt:
Ein weiteres Mal wird Marcellus von seinem Hof in Arduena fern gehalten. Diesmal fordert der Merowinger Chlodwig höchstpersönlich den Erweis der Treue des Romanen. Marcellus und sein Freund Wulfram sollen für ihn mit Hilfe des Mönchs Hunerich und des merowingischen Bluthundes Odilo den ehemaligen König Chararich sowie seinen Sohn Allowin aus dem Kloster St. Denys holen, in die er die beiden vor einem Jahr verbannt hatte. Chararich und Allowin sollen sich gegen den Merowinger verschworen haben und dieser will sie vor ein Gericht stellen. Doch die beiden sind nicht die einzigen Gegner im Land, mit denen der Merowinger abrechnet …

Auf Marcellus letzter Reise begegnen uns alte Bekannte wie Wulfram, Tassilo, Clodwig, Chlotilde, Theuderich und Silinga, aber Marcellus schließt auch neue Freunde wie Hunerich und Odilo. Hunerich sind dabei die Anfangspassagen des Buches gewidmet und er begleitet Marcellus eigentlich die ganze Zeit über. Gerade deshalb ist es mir allerdings eher negativ aufgefallen, wie blass der Mönch blieb. Zwischendurch habe ich gänzlich vergessen, dass es ihn noch gibt und als sein Name fiel mich mit einem erstaunten „ach, den gibt es ja auch noch“ daran erinnert. Schade! Das bei dieser Figur verschenkte Potential schöpft Kuhn bei Odilo hingegen vollständig aus. Der Bluthund des Merowingers, wie er häufig bezeichnet wird, ist ein höchst ambivalenter und spannender Charakter, der der Geschichte eine gute Würze verliehen hat. Die bekannten Figuren sind mir weder negativ noch positiv aufgefallen, einzig und allein Rotrudis nervt mich auch in diesem Band, obwohl ich sie diesmal stimmiger fand als in Band 02. Tassilo kam mir am Ende etwas zu kurz. Seine Rolle wird über die Geschichte hinweg häufig angedeutet und er erfüllt sie im Finale auch passend. Danach verschwindet er aber sang- und klanglos. Ich hätte gerne noch gewusst, was mit ihm geschehen ist.

Im Band 02 hatte ich ja über Recht viele Tippfehler gemeckert. Das ist in Band 03 seltener ein Problem, aber nach wie vor stimmen häufig Anführungszeichen nicht. Manche fehlen komplett, andere sind zu früh gesetzt, u.ä.

Die Geschichte ist teilweise sehr brutal, der Titel „Blutgericht“ hält hier, was er verspricht. Dennoch hätte der Spannungsbogen meines Erachtens sowohl beim Auftrag bezüglich Chararich und Allowin als auch bei den Vorkommnissen um Ullrich und Ragnachar höher sein dürfen. Es war nicht langweilig zu lesen, aber ich hätte mir mehr Ungewissheit gewünscht, ob die jeweiligen Pläne tatsächlich aufgehen. Die Geschichte verläuft, was das anbelangt, sehr glatt und geradlinig. Nur ein einziges Mal geschieht ein Unglück, das den einen Plan ins Wanken hätte bringen können. Wirklich gut fand ich dahingegend das Finale in der Colonia. Hier war ich mir nicht so sicher, wie es ausgehen würde, da mehrere Faktoren eine Rolle spielten, die ich nicht durchschauen konnte. Mehr von diesen Spannungsspitzen im vorherigen Verlauf der Geschichte hätten das Buch meiner Meinung nach fesselnder gemacht.

Sehr gelungen fand ich, wie Kuhn den Kreis der Trilogie in sich schließt: Das Ende passt gut zum Anfang (um weitere Spoiler zu vermeiden, belasse ich es bei diesem Hinweis).

Fazit: Ein würdiger Abschluss der Trilogie, der für meinen Geschmack eine Brise mehr Spannung vertragen hätte, dafür vielen Charakteren aber noch einmal gut Kontur verleiht.

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Marcellus – Graf von Arduena

Marcellus – Graf von Arduena

„Spannende Reise in die Zeit der Merowinger, durch Süd-Westdeutschland und nach Frankreich, die durch die fundierte Recherche besticht.“

Autor: Michael Kuhn
Print: 368 Seiten
Sprache: Deutsch
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Rezension:

Marcellus lebt mit seiner Frau Hilka und dem jungen Sohn Pippin in Arduena an der Mosel, wo er sich mit viel Hingabe um den dortigen Weinbau kümmert. Doch sein stetiger Widersacher Chloderich, der Sohn des Rheinfrankenkönigs Sigibert, erhält von König Chlodwig das Gebiet um die Mosel, weil Chlodwig die Soldaten Chloderichs braucht. Kurzerhand vertreibt Chloderich Marcellus von seinem Gut und nimmt Hilka und Pippin als Geiseln. Um seine Familie lebend wiederzusehen, braucht Marcellus die Hilfe von Chlodwig. Doch welche Bedingungen wird der König daran knüpfen?

Die Geschichte weist einen soliden Spannungsbogen auf. Spätestens ab der Gefangennahme von Hilka und Pippin, die sich unweigerlich andeutete, fieberte ich der Befreiung der beiden entgegen. Auch die „Aufgabe“, die Chlodwig Marcellus und seinen Freunden auferlegt, sorgt für einige spannende Höhepunkte. Marcellus muss sich einem Kriegszug anschließen und sowohl der Kampf gegen die Feinde als auch Reibereien im eigenen Lager sorgen für Konflikte. Dabei kommt es durchaus zu überraschenden und auch bedrückenden Wendungen.

Leider empfand ich einige Charaktere als sehr typenhaft, was meine Lesefreude zwischendurch etwas dämpfte. Besonders negativ aufgefallen ist mir hier Rotrudis, deren unbändigen Hass ich schlicht nicht nachvollziehbar fand. Es wird zwar aus der Sicht von Silinga und auch Hilka ab und an erklären, allerdings ist das eine fremde Beobachtung und aus der Sicht von Rotrudis kann ich die Beobachtung der beiden nicht „nachspüren“. Deshalb blieb mir dieser doch wichtige Schlüsselcharakter verschlossen. Auch Marcellus war mir mitunter unsympathisch. Er versinkt in seinem Selbstmitleid, ohne aus seiner Situation Schlüsse zu ziehen. Ich hätte mir ab und an gewünscht, dass er mehr Verantwortung für seine Taten übernimmt und daraus auch lernt. Eine Entwicklung vermisse ich hier und hoffe, dass sich das im letzten Band noch ändert. Dahingegen konnte ich Hilka sehr gut verstehen und auch Silinga weist einen meiner Meinung nach sogar spannenderen Charakter auf als in Band 1.

Ein zweiter Negativpunkt, der zwar nicht direkt die Geschichte betrifft, allerdings die Aufmachung des Buches, sind ein paar grobe und meines Erachtens unangenehme Schnitzer: Das Inhaltsverzeichnis stimmt leider nicht und häufiger sind Anführungszeichen falsch gesetzt – entweder sie fehlen oder sie stehen zu früh in der wörtlichen Rede. Das stört den Lesefluss nicht übermäßig, ist aber einfach Schade. Für eine Neuauflage wäre ein weiteres Korrektorat angebracht.

Abgesehen davon gefällt mir die Gestaltung des Buches aber gut: die Karte und die Spurensuche, die noch einmal an alle Handlungsorte des Romans führen, sind ein echter Hingucker. Wer sich für die Geschichte des Frühmittelalters und für archäologische Hinterlassenschaften interessiert, ist hier an der richtigen Adresse. Auch das Schriftbild und das Cover sind hübsch anzusehen. Allein von der Geschichte und den Charakteren her schwankte ich zwischen drei und vier Füchsen, aber die Spurensuche zerrt den vierten Fuchs definitiv noch aus seinem Versteck.

Fazit: Wer viel Wert auf gute Recherche legt und dafür über grobe Schnitzer im Satz hinüber lesen kann, sollte in jedem Fall einmal in die Leseprobe hineinschnuppern.

Ich lese gerade:

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