Der Schattendieb

Der Schattendieb

Autor: Ralf Isau
Print: 477 Seiten
Verlag: Thienemann
Sprache: Deutsch
Kauf (Folgende Links kennzeichne ich gemäß §2 Nr. 5 TMG als Werbung): Amazon

Bewertung: Ein fantastisches Abenteuer mit jeder Menge Sonnen- und Mondfinsternisse, einem Helden wider Willen und natürlich jeder Menge Schatten!

Zusammenfassung: Corvin ist ein ganz besonderer Schatten. Saros, der König der Schattenwelt Ostarra, hat ihn von dem Schotten John Lamont geerntet, der in einem Jahr geboren wurde, in dem es zum siebten Mal seit Entstehung der Erde fünf Sonnenfinsternisse gab. Corvin soll für Saros die Tiefe aus der Welt der Menschen, Terra, in die Welt der Schatten verschieben. Doch Corvin ist nicht sicher, ob er das möchte. Seit er seinem Schattenbruder zum ersten Mal begegnet, beginnt er zu zweifeln. Er will die Menschen besser verstehen, und stolpert dabei über ein Mädchen, das ihm den Atem raubt …

Die Schattenwelt Ostarra ist ein sehr dunkler Ort. Saros, der König, regiert mit eiserner Hand. Er schickt Schattenjäger bei jeder Mond- und Sonnenfinsternis nach Ostarra, um Schatten zu ernten. Sie schneiden die Schatten von den Menschen ab und hängen stattdessen hellere Attrappen an. Damit stehlen sie den Menschen jedoch nicht nur ihren Schatten, sondern auch eine ihrer drei grundlegenden Eigenschaften: Liebe, Gerechtigkeit oder Weisheit. Bei ihrer Jagd nutzen die Schattenjäger Nachtfalken, von Falken geerntete Schatten, die ihnen beim Aufspüren von Menschen helfen, deren Schatten die Jäger ernten wollen.

Der erste Weg eines Schattens in Ostarra führt zu Reschuth, dem Herrn der Schattenmühle. Er hat einen Blick dafür, ob ein Schatten Saros treu ergeben sein wird, oder ob er sich dem König verweigern wird. Rebellische Schatten gehen durch die Mühle, werden zerfetzt und aus ihren Hadern werden die Attrappen angefertigt. Dadurch hält Saros seine Gewaltherrschaft aufrecht.

Die fantastische Welt ist recht typisch aufgebaut: Es gibt einen bösen König, der ein für die Menschen schreckliches Ziel verfolgt und auf mehr und mehr Macht aus ist, unterdrückte Untertanen, und eine erstarkende Rebellion. Etwas schwer habe ich mir mit der Vorstellung getan, dass die Welt eindimensional ist. Isau beschreibt das in Form eines Bildes recht plastisch, aber einfach ist die Vorstellung für jemanden, der Drei-Dimensionalität gewohnt ist, natürlich nicht. Sehr gut gefallen haben mir aber die Nachtschatten, in die habe ich mich vom ersten Moment an verliebt.

Die Geschichte handelt hauptsächlich von Corvin. Sie beginnt bei der Geburt des Menschen John Lamont, von dem Corvin geerntet wird, behandelt seine Ausbildung und wie er zum Helden der Geschichten wird. Das beinhaltet einige Zeitsprünge. Die Geschichte beginnt 1805 und endet 1970. Da geerntete Schatten unsterblich sind, vergeht die Zeit für sie in anderen Dimensionen. Dennoch fand ich es teilweise etwas gewöhnungsbedürftig. Die vielen Zeitsprünge passen zwar zur Schattenwelt, aber teilweise hat es mich gestört, dass so viel Zeit verging, bis wieder etwas passiert. Am besten gefallen hat mir eigentlich der Part, in dem recht viel aneinander gereiht geschehen ist. An den meisten Stellen hat der Sprung gepasst und mich auch nicht gestört. Lediglich an einer Stelle fand ich es etwas unangenehm. Aber gewöhnungsbedürftig war es in jedem Fall.

Die Schatten bestehen hauptsächlich aus einer der drei genannten Eigenschaften. Entsprechend sind sie auch leicht typenhaft gezeichnet. Allerdings passen die Typen recht gut zueinander, weshalb ich es während des Lesens nicht als störend empfand. Als tiefer gezeichnete Figuren würde ich eigentlich nur Maloron, der Corvins Schatten erntet und ihn ausbildet beschreiben, sowie die deutlich später auftretende Iljara. Die meisten wichtigen Figuren treten auch erst nach ca. 200 Seiten auf, zu dem Zeitpunkt, zu dem die Geschichte die oben genannte Fahrt aufnimmt. Das fand ich etwas irritierend, ebenso wie die Tatsache, dass John Lamont etwa zur selben Zeit plötzlich nicht mehr relevant ist. Für mich war hier ein Bruch im Plot, den ich etwas Schade fand.

Dafür fand ich das Wissen des Autors umso beeindruckender. Er deckt nicht nur fast 200 Jahre Geschichte ab und erwähnt immer wieder Ereignisse, die sicherlich einiges an Recherche in Anspruch genommen haben, sondern beschäftigt sich vor allem auch mit Sonnen- und Mondfinsternissen. In der Danksagung erwähnt er, dass er dafür vom Institut für Allgemeine und Angewandte Geophysik der Universität München unterstützt wurde. Die Expertise merkt man und es wertet den Roman enorm auf!

Sehr gut gefallen hat mir auch der Stil des Autors. Obwohl ich die Zeitsprünge gewöhnungsbedürftig und die Charaktere als eher typenhaft empfand, hatte ich nicht einmal das Bedürfnis, abzuschweifen, sondern habe die Sätze sehr gerne in mich hineingesogen. Begriffe wie „auf Adlers Fittichen“ zu lesen, lassen mein Herz ehrlich gesagt höherschlagen. Der Schreibstil war einer der Gründe, weshalb ich die Geschichte wirklich sehr mochte.

Fazit: Alles in allem hat mir das Buch gut gefallen. Es ist keine Perle unter den Fantasy-Romanen, aber es gehört definitiv zu den besseren Büchern, die ich bislang lesen durfte! Wer Fantasyjugendbücher mag und eine klassische Geschichte in einer ungewöhnlichen Welt lesen möchte, der ist mit Ralf Isaus „Schattendieb“ gut beraten.

Ich lese gerade:

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    Janna Ruth

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Im Bann des Zyklopen

Im Bann des Zyklopen

„Ein weiterer spannender Ausflug in die griechische Mythologie. Alte Bekannte und neue Charaktere treten auf. Die Intrigen werden weitergesponnen. Ich freue mich schon auf die folgenden Bände!“

Autor: Rick Riordan
Sprecher: Marius Clarén
Umfang: 05:09 Stunden
Sprache: Deutsch
Kauf (Folgende Links kennzeichne ich gemäß §2 Nr. 5 TMG als Werbung): Amazon ~ Buecher ~ Verlag

Zusammenfassung: Im Sportunterricht gegen Ende des Schuljahres werden Percy und sein Schulkamerad Tyson von Feuerspeienden Riesen angegriffen. Dank Annabeth und Tyson entkommen sie. Denn Tyson entpuppt sich als Zyklop, dem Feuer nichts anhaben kann. Sofort machen sich die drei auf den Weg ins Camp Halfblood. Sowohl Annabeth als auch Percy werden von Albträumen geplagt. Percy macht sich Sorgen um ihren gemeinsamen Freund Grover, der in seinen Träumen von irgendetwas verfolgt wird. Laut Annabeth ist das Camp in Gefahr. Tatsächlich wurde der Baum vergiftet, in den Zeus seine Tochter Thalia verwandelt hat und der bislang das Camp vor Ungeheuern schützte.

Die Geschichte geht sofort mit Percys Albtraum in medias res. Auch die Gefahr für Camp Halfblood wird früh angedeutet. Die Geschichte spitzt sich spannungstechnisch mehr und mehr zu. Die Charaktere werden von einer Katastrophe in die nächste geworfen. Viel Zeit zum Ausruhen bleibt ihnen – zumindest in der gekürzten Hörbuch-Version – nicht. Dennoch wirkt die Geschichte nicht gehetzt, für meinen Geschmack hat sie genau die richtige Geschwindigkeit.

Wie Band 1 ist auch Band 2 aus der Ich-Perspektive von Percy Jackson verfasst. Daher weiß man immer nur genauso viel wie er und fiebert mit ihm mit. Percy hat nicht sonderlich viel Tiefgang, dafür werden besonders die Figuren Annabeth und Tyson sehr gut gezeichnet. Gut gefallen hat mir auch die Entwicklung rund um Clarisse.

Die griechische Mythologie bei „Im Bann des Zyklopen“ bewegt sich vor allem auf den Spuren von Homers Odyssee. Das Meer der Ungeheuer befindet sich mittlerweile im Bermuda-Dreieck und genau dorthin müssen Percy und seine Freunde. Die Parallelen zu Odysseus werden immer wieder gezogen, sodass Leser*innen erneut viel über die alten Geschichten lernen können.

Marius Clarén spricht ganz hervorragend. Nur an ein paar Stellen nutzt er die falsche Stimme für die Charaktere, das war manchmal etwas verwirrend. Aber es kam wirklich selten vor.

Fazit: Der zweite Band bietet viel Spannung, führt die Geschichte weiter und neue Plot-Twists ein. Ich bin gespannt, wie der Kampf um den Olymp weitergeht!

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Diebe im Olymp

Diebe im Olymp

„Die Gestalten der griechischen Mythologie erwachen zum Leben. Rick Riordan liefert mit ‚Diebe im Olymp‘ einen spannenden Auftakt zu seiner fünfbändigen Jugendbuchreihe und Marius Clarén verleiht dem Werk eine angenehme Stimme.“

Autor: Rick Riordan
Sprecher: Marius Clarén
Umfang: 05:09 Stunden
Sprache: Deutsch
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Zusammenfassung: Der zwölfjährige Percy Jackson ist ein absolutes Problemkind. Ständig gerät er in seltsame Situationen und muss jährlich die Schule wechseln. Als sich seine Mathelehrerin in eine Furie verwandelt, werden die Geschehnisse um ihn immer skurriler: sein Lateinlehrer und sein bester Freund Grover scheinen nicht menschlich zu sein. Aber sie helfen ihm auf der Flucht vor den Wesen aus der Unterwelt, die Percys Tod wollen, weil er selbst ein Halbgott ist. Und für Halbgötter gibt es nur einen sicheren Ort: Das Camp der Halbblüter. Doch auch dort bannen sich Schwierigkeiten an, denn aus dem Olymp wurde etwas gestohlen und Zeus verdächtigt ausgerechnet Percy …

Furien, Höllenhunde, Zentauren, Sartyre und vieles mehr – in Rick Riordans Reihe „Percy Jackson“ erwachen die Figuren der griechischen Mythologie zum Leben. Dabei bleibt der Autor nahe an den Originalen und flechtet immer wieder spielerisch Wissen aus den Sagen und Mythen ein. Natürlich dürfen dabei auch die zwölf großen Götter nicht fehlen. Und wie in den alten Mythologien verfallen sie immer wieder Menschen und zeugen Halbgötter. Wer Percys Vater ist, ist dem Kenner der Sagen früh bewusst. Im Buch wird aber, anders als im Film, eine Weile gerätselt, ehe Percy nicht mehr ein „Unentschiedener“ ist (also einer, dessen göttlicher Elternteil nicht bekannt ist).

Die Geschichte ist aus der Ich-Perspektive geschrieben, daher weiß man als Leser/in nie mehr als Percy selbst. Mit ihm erkundet man die Geheimnisse der Götterwelt und stößt immer wieder auf neue Rätsel und Gefahren. Der Protagonist Percy ist simpel gehalten. Seine Ziele sind ebenso klar wie seine Motivation zu handeln, ohne, dass dies großartig ausgebreitet werden würde. Seine Gedanken spielen – zumindest in der Hörbuch-Version – eine eher untergeordnete Rolle, was ich aber keineswegs als störend empfunden habe. Auch die Ziele von Percys Begleiter Grover sind eindeutig und gut dargestellt. Nur die Figur der Annabeth fand ich diesbezüglich etwas … lahm. Bei ihr hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht.

Bei den Nebenfiguren gibt es sowohl eher typenhafte Charaktere – so die Figur des hilfsbereiten Lateinlehrers – als auch vielschichtige und vor allem undurchsichtig gestaltete. Letztere haben mir besonders gut gefallen. Sie passen zu den Göttern der griechischen Mythologie, die häufig auch als launenhaft dargestellt werden. Man weiß nie so recht, auf wessen Seite sie jetzt eigentlich stehen. Das ist Riordan bei einigen Figuren gelungen (Namen werden hier wohlweißlich verschwiegen ;-)).

Die Geschichte selbst ist im Großen und Ganzen simpel gestrickt, bietet aber einen guten Spannungsbogen. Langeweile kommt nirgends auf, viel mehr gerät Percy unablässig von einer Gefahr in die nächste, und man erwartet als Zuhörer jeden Moment das nächste Monster hinter der Ecke hervorspringen. Stilistisch war es mir persönlich teilweise etwas zu platt. Vor allem über Wiederholungen an Satzanfängen alla „Er ging hinaus. Er sah sich um.“ bin ich beim Zuhören ab und an gestolpert. Der Stil passt aber sicherlich zu einem Jugendbuch und ist eventuell auch der gekürzten Hörbuchversion geschuldet.

Der Sprecher Marius Clarén hat eine sehr angenehme Stimme. Die wörtliche Rede der Protagonisten ließ sich gut voneinander unterscheiden. Auch die Pausen hatten eine angenehme Länge. Die Stimme ist zwar nicht einschläfernd, aber tendenziell eher ruhig und auch in Spannungssituationen nicht aufgeregt.

Fazit: Griechische Mythologie, Jugendbuch, Spannung und eine angenehme Sprecherstimme? Meiner Meinung nach ein gelungener Auftakt. Ich freue mich auf die nachfolgenden Bände!

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Die Ratten von Chakkas

Die Ratten von Chakkas

„Spannender Auftakt einer Jugendbuch-Serie mit liebevollen Charakteren, der nur gegen Ende für meinen Geschmack etwas mehr Biss hätte haben dürfen.“

Die Ratten von Chakas ~ Die Greifen-Saga 1
Autorin: C. M. Spoerri
Taschenbuch: 380 Seiten
Sprache: Deutsch
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Zusammenfassung: Seit dem Tod ihrer Eltern lebt die sechzehnjährige Mika mit ihrem Bruder Faím bei den Kanalratten, die niedersten Bewohner der Hafenstadt Chakkas. Während die „Ratten“ (Diebe) immerhin noch einer Gilde angehören, gelten die Kanalratten als nichts. Mica träumt davon, dem Anführer der Kanalratten zu entkommen. Als Faím ein goldenes Ei aus dem Wassertempel von Chakkas stiehlt, nimmt das Unheil seinen Lauf. Mika gerät bei dem Versuch, ein wertvolles Schwert zu stehlen, in die Hände des Diebes Cassiel. Er macht ihr das Angebot, bei den Dieben unterzukommen, doch mit dem Angebot allein ist Mika noch lange nicht an ihrem Ziel. Unterdessen wird Faím vom Anführer der Kanalratten verjagt und gelangt auf ein Schiff, auf dem er sein ganz eigenes Abenteuer erlebt. Werden die Geschwister sich je wiederfinden?

Für mich war dieser Roman der erste, der mich in die Welt von Chakkas entführte. Die Alia-Reihe, die der Greifen Saga vorangegangen ist, kannte ich nicht. Obwohl die Beschreibungen der Welt eher spärlich blieben, fühlte ich mich sehr schnell wohl in der Hafenstadt. Da die Protagonistin Mika der untersten Schicht angehört, weiß sie sehr viel über die anderen Gesellschaftsschichten, über die Gilden und die Berufe, die in der Stadt vorkommen. Neben den Dieben stehen dabei durch Faím insbesondere Händler und Seeräuber im Mittelpunkt. Einzig die kurz angesprochene Abgrenzung von Magielosen(?) blieb für mich etwas rätselhaft und, wie sich die „Schurken“ von den Dieben unterscheiden, aber vielleicht löst sich das ja noch im Laufe der folgenden Bände. Die Unterscheidung zwischen Ratten und Kanalratten ist dafür sehr gut gelungen.
Wirkte die Geschichte anfangs eher wie Low Fantasy auf mich, wurde ich mit der Zeit eines Besseren belehrt. Chakkas ist definitiv eine High Fantasy Welt, in der nicht nur Magie, sondern auch magische Wesen eine wichtige Rolle spielen. In Band 1 nimmt Spoerri dabei besonders Meerjungfrauen und Greife in den Blick, aber auch ein Elf kreuzt den Weg der Leser*innen.

Die Szenen, in denen der Greif auftaucht, sind sehr schön beschrieben. Obwohl der Greif nie Perspektivträger ist, fühlt man mit ihm mit. Allerdings tritt das Fabelwesen erst ziemlich genau nach der Hälfte der Geschichte auf. Da hatte ich nach dem Titel etwas Anderes erwartet und die erste Hälfte habe ich mich auch lange gefragt, was der Name der Reihe soll. Spoerri bleibt dabei wage. Sie lässt zwar durchschimmern, dass der Greif noch eine tragende Rolle spielen wird, welche genau bleibt aber offen.

Laut den Kapitelüberschriften hat die Geschichte drei Perspektivträger, wobei die ein oder andere Nebenfigur ebenfalls eine kurze Szene erhält. Über den letzten Perspektivträger möchte ich in dieser Rezension nicht zu viel verraten, die anderen beiden sind Faím und Mika. Anfangs konnte ich mich als ältere Schwester sehr gut mit Mika identifizieren. Die Sorge um ihren Bruder ist der rote Faden, der sich durch den ersten Band zieht und am Ende zu einem passenden Abschluss kommt (ich verrate natürlich nicht, zu welchem :-P).
Faím fand ich anfangs etwas langweilig und hatte mehrmals das Bedürfnis, ihm in den Allerwertesten zu treten. Allerdings nimmt seine Geschichte dann doch eine spannende Wendung, die ich nicht erwartet hatte. Ich finde ihn als Charakter immer noch ziemlich wehleidig und etwas zu schwach, aber sein Abenteuer gefällt mir. Der Dieb Cassiel und die Wirren um ihn haben mir anfangs ebenfalls gut gefallen. Er beginnt nicht wie ein 08/15-Love-Interest.

Insgesamt bietet Spoerri einen durchaus guten Spannungsbogen. Die Geschichte geht mit dem Diebstahl des goldenen Eies gleich in medias res. Auch der nahezu unmögliche Auftrag, den Mika von ihrem Boss erhält, sowie die damit verbundene Drohung setzen die Spannungslatte sehr hoch. Die meiste Zeit über hält das Buch auch, was es am Anfang verspricht. Lediglich die etwa letzten 40 Seiten schwächelten dahingehend ein wenig. Da das rein quantitativ aber nicht sehr ins Gewicht fällt, mindert es keineswegs meinen durchaus positiven Gesamteindruck.

Fazit: Eine faszinierende Welt, zwei spannende Abenteuer und ein angenehmer Schreibstil – ich finde das Buch für Jugendliche und Junggebliebene absolut empfehlenswert und freue mich schon auf den weiteren Verlauf der Abenteuer.

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Drachenkralle: Die Klaue des Morero

Drachenkralle: Die Klaue des Morero

„Ein herrschsüchtiger Regent sucht nach einem mächtigen Artefakt, das die ganze Welt versklaven kann. Nur ein paar Jugendlichen und deren Drachen stellen sich ihm in den Weg …“

Autorin: Janika Hoffmann
Print: 370 Seiten
Sprache: Deutsch
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Zusammenfassung
Simon trifft auf die Drachin Maya, die in einem Gebirge von Männern angegriffen wird. Aus einem ihm nicht bekannten Grund durchtrennt er die Stricke, mit denen die Drachin gefesselt ist. Als die Männer ihn daraufhin angreifen, wird er von Maya gerettet. Schnell merken die beiden, wie verbunden sie sich fühlen und beschließen, ein Verpflichtungsritual einzugehen. Die Bewohner von Simons Dorf Taran sind zunächst gar nicht begeistert, denn sie fürchten sich vor der Drachin. Mit der Zeit gewöhnen sie sich an Maya.
Dann wird Simons Dorf angegriffen. Der machtgierige Igor hat seine Schergen ausgesandt, um die Klaue des Morero zu finden, ein Artefakt, mit dem er alle Menschen beherrschen könnte. Simon und seine Freunde wollen das nicht zulassen. Sie beschließen, das Artefakt selbst zu suchen und Igor zuvorzukommen.

Das Buch ist wirklich schön gemacht. Sowohl Cover als auch Layout haben mir gut gefallen. Das Hardcover liegt angenehm in der Hand, die Schrift hat eine leicht lesbare Größe, und ein besonderer Hingucker sind die Zeichnungen, die die Kapitel einleiten. Eingeteilt ist die Geschichte in drei Teile, von denen die ersten beiden etwa gleich lang und der dritte etwas kürzer ist.

Inhaltlich beschäftigt sich der erste Teil damit, wie sich Simon und Maya kennen lernen. Bei einem Streifzug mit Simons bester Freundin Katharina treffen die beiden außerdem auf den Drachen Maro, der in der Geschichte wichtig wird. Im zweiten Teil nimmt die Suche nach der Klaue den meisten Raum ein. Diese wird durch ein Rätsel versteckt, das die Freunde zu lösen versuchen. Den dritten Abschnitt werde ich nicht resümieren, da das ein zu großer Spoiler wäre. Die meisten Szenen sind aus der Sicht von Simon geschrieben. Ab und an kommt jedoch auch Alexis, Igors Sohn, zu Wort, der zu Beginn des Buches einen starken Silberdrachen mit einem Ritual unterwerfen soll, um seinen Vater bei dessen brutalen Machenschaften zu unterstützen.

Ein böser Herrscher, ein Artefakt, das alle unterwerfen kann, und eine hoffnungsvolle Allianz zwischen einem Jungen und einer Drachin – das klang nach einer Mischung aus Herr der Ringe und Eragon. Doch ich war gespannt, was Janika Hoffmann, die ich persönlich sehr schätze, aus dem Stoff machen würde. Bekannte Elemente können ja zu einer originellen Geschichte verarbeitet werden. Leider ist das für meinen Geschmack in der Drachenkralle nicht wirklich gelungen. Ich führe das auf zwei Gründe zurück:

Als erstes sind da die Stereotypen Charaktere zu nennen, deren Motivation sich mir nicht erschloss. Am schlimmsten war das bei Igor, der durchweg einfach nur als machtgierig beschrieben wird. Seine Macht kann er eigentlich nur durch seine Schergen ausüben, die halt alle furchtbare Angst vor ihm haben, und von denen es keiner wagt, sich ihm zu widersetzen. Ja, er hat sich einen Drachen unterworfen. Aber gegen Maya und Maro kämpfen seine Leute auf seinen Befehl doch auch. Sie könnten sich schon gegen ihn wehren, wenn sie sich zusammenschließen. Aber auf die Idee kommt niemand. Seinen Sohn finde ich zwar etwas interessant gestaltet, da der zumindest in einem Zwiespalt steckt, allerdings ist bei ihm außer Angst auch keine richtige Motivation zu erkennen.
Was die Gruppe um Simon und Maya anbelangt: Sie wollen nicht tatenlos zusehen. Das ist ja auch legitim. Allerdings schwebt Simons Familie in keiner unmittelbaren Gefahr. Bis die Männer in Taran aufgetaucht sind, hat aus irgendeinem Grund auch noch nie jemand etwas von diesem mächtigen Igor gehört. Aber trotzdem sieht Simon es als seine Pflicht an, etwas zu unternehmen. Bei ihm habe ich mich oft gefragt, ob er sich bewusst ist, dass er sich und seine Freunde in Lebensgefahr bringt. Dabei wirkt er auch nicht überheblich oder so, als würde er sich selbstüberschätzen. Tatsächlich ist mir Simon einfach ein blasses Rätsel geblieben, bei dem ich nicht so ganz wusste, was ich von ihm halten sollte.

Der zweite Grund ist, dass mir in dem Roman ein klarer Spannungsbogen fehlt. Im ersten Teil habe ich die ganze Zeit darauf gewartet, dass die im Klappentext angekündigte Suche endlich losgeht. Stattdessen finden sich dort Kennenlern-Szenen um Kennenlern-Szenen. Am relevantesten ist erst einmal, dass die Dörfler Maya nicht trauen. Dann kommt es endlich zu dem angekündigten Überfall und Simon entscheidet sich … und dann folgt erst eine lange Abschiedsszene, bevor es endlich losgeht. Zu dem Zeitpunkt habe ich bereits einiges nur überflogen.
Im zweiten Teil ist immerhin ein klares Ziel erkennbar, bei dem ich auch etwas mitfiebern konnte, und entsprechend auch weniger quer las. Aber selbst dort sind Schwierigkeiten im Prinzip gelöst, sobald sie auftauchen, von Konflikten keine Spur. Und die Protagonisten müssen auch nicht wirklich etwas tun, um die Probleme zu lösen. Zwischendurch hat Simon zwar Geistesblitze, aber meistens ist es doch eher der Zufall oder irgendjemand hilft ihnen.

Da das Beisiel SPOILER-Gefahr enthält müsst ihr es ausklappen, um es zu lesen.

Simons Schwester Jana, die sich heimlich mit schleicht, wird von einem Knöcherwaran gebissen und vergiftet. Die Freunde versuchen, sie zu einer Pflanze mit Gegengift zu bringen, was aber utopisch weit weg ist. Zu ihrem Glück erscheint wie aus dem Nichts eine weitere Drachin und deren Reiterin, die zufällig die Pflanze dabei haben …

Der Schreibstil von Janika Hoffmann ist im Großen und Ganzen solide. Ich musste mich zwar erst einlesen und besonders am Anfang gab es einige Stellen, die ich etwas seltsam fand (wieso braucht Simon einen ganzen Absatz, um das Brüllen des Drachen zu beschreiben?), aber das ist bekanntlich Geschmackssache. Nur sind bei der Überarbeitung doch ein paar Fehler durch- oder reingerutscht. Ein Beispiel aus Seite 25: „Jana jedoch schien gerade dadurch jedoch ihre Worte wiederzufinden.“ Solche Schnitzer sind mir vor allem anfangs aufgefallen, als ich noch aufmerksamer gelesen habe. Da kam es etwas alle paar Seiten vor, ich kann aber nicht sagen, ob das für das ganze Buch gilt.

Fazit: „Drachenkralle – Die Klaue des Morero“ hat eine ganz typische Schwarz-Weiß-Welt. Die Charaktere bleiben oberflächlich, die Geschichte ist eher langatmig und konnte mich nicht fesseln. Aber vielleicht sind Liebhaber von klassischer Fantasy, die nicht so sehr nach dem einen roten Faden suchen, mit der Geschichte besser beraten als ich.

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Die silberne Königin

Die silberne Königin

„Bewaffnet euch mit warmen Decken und heißer Schokolade und lasst euch nach Silberglanz entführen. Katharina Seck zaubert eine Welt voll kalter Verzweiflung und heller Hoffnung.“

Autorin: Katharina Seck
Print: 368 Seiten
Sprache: Deutsch
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Zusammenfassung: Winter – Emma kennt keine Jahreszeit außer dieser, denn schon lange vor ihrer Geburt wurde das Land Silberglanz von Schnee überhäuft, der nicht mehr weichen will. Das Überleben ist mühselig, denn nur über eine einzige Handelsstraße wird das Land mit Essen von Händlern versorgt. Die einzige Geldquelle besteht in den Silberminen, in denen auch Emma schuftet, um sich und ihren Vater am Leben zu halten. Denn ihr Vater ist seit ihre Mutter und ihre Großeltern verstorben sind, dem Alkohol verfallen und ihr Verhältnis ist unterkühlt.

Emma wird jäh aus ihrem tristen Alltag gerissen als der Schacht, in dem sie gräbt, zusammenbricht und sie dem Tod nur knapp entrinnt. Sie beschließt, sich eine andere Arbeit zu suchen, und landet bei Madame Weltfremd, die eine Chocolaterie betreibt. Madame Weltfremd erzählt Emma und deren Kollegin und baldigen Freundin Ophelia ein Märchen, die Geschichte der Silbernen Königin, die Emma ausgerechnet in die Arme von Casper, dem kaltherzigen König von Silberglanz, treibt.

Mit der Autorin dieses Romans, Katharina Seck, bin ich schon eine ganze Weile befreundet. Von „Die Silberne Königin“ habe ich früh gehört, denn etwa in der Zeit als die erste Fassung des Buches erschien, haben Katharina und ich uns kennen gelernt. Bei dieser ersten Fassung blieb es aber nicht und ich hörte immer wieder davon, wenn sie wieder am Überarbeiten war. So war ich ganz gespannt, was nun aus dem Buch geworden ist und bestellte es mir vor, sobald es vorbestellbar war. Das Buch kam mitten in meine Examensphase, deshalb bin ich erst jetzt dazu gekommen, es zu lesen. Dafür habe ich es innerhalb von zwei Tagen verschlungen, so gut hat mir das Buch gefallen.

Mit dem Einstieg habe ich mir etwas schwergetan. Die ersten Seiten habe ich gebraucht, um mich an die Namen zu gewöhnen. Das waren vor allem Namen wie das Land „Silberglanz“ und die Stadt „Glanzvoll“ oder „Madame Weltfremd“.

Nach ca. 30 Seiten war ich aber in die Geschichte hineingekommen. Vor allem die Charaktere habe ich nach und nach ins Herz geschlossen. Als erstes ist das Ophelia gelungen. Ihre lockere, freundliche Art hat mir sofort gut gefallen. Auch Emmas Vater mochte ich sehr gerne, auch wenn man ihm anfangs am liebsten einen Tritt in den Allerwertesten verpassen würde. Schließlich imponierte mir Madame Weltfremd mit ihrer verschrobenen Art. In dieser Geschichte gilt in den meisten Fällen: nomen est omen. Einzig und allein Emma selbst bleibt ein wenig blass, auch wenn sie durchaus eine Entwicklung in der Geschichte durchmacht. Ich frage mich ja oft, ob eine blasse Hauptfigur nicht notwendig ist, damit die Leser/innen eine Folie haben, in die sie sich hineinfallen lassen können. Auch hier passt der Name „Emma“ hervorragend. Man spürt dem Roman ab, dass er wohl überlegt und durchkomponiert ist.

Das trifft auch auf die Wendepunkte zu. Ich fand die Spannung stets sehr hoch und für mich war es eine angenehme Mischung zwischen Wendungen, die ich erwartet und denen ich entgegen gefiebert habe, und Wendungen, die ich so gar nicht hatte kommen sehen. In der Mitte wurde es etwas zäh, ich finde aber, dass hier eine der wichtigsten Charakterentwicklungen stattfindet und es daher legitim ist. Für meinen Geschmack hätte man es im Mittelteil und ganz am Schluss etwas straffen können, aber den Punkt, das es mich gelangweilt hätte, hat das Buch nicht erreicht.

Einen kleinen Tipp an alle, die das Buch noch lesen möchte oder bei denen es durch meine Rezensionen auf der Wunschliste gelandet ist: Stellt ein paar Täfelchen Schokolade für das erste Viertel bereit. Ich habe bei der Beschreibung von Emmas Arbeit in der Chocolaterie einen Heißhunger auf Schokolade bekommen. In der zweiten Hälfte sollte man sich dann warm einpacken (oder das Buch erst in einigen Monaten lesen ;)), denn es wird eisigkalt.

Fazit: Eine zauberhafte Winterlandschaft, eine tapfere junge Frau, Schokolade, ein kaltherziger König und dann ist doch alles anders als man denkt. Sehr gelungen!

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