Julia Marhenke

Isabella Benz: Heute darf ich Julia Marhenke auf der Autorencouch begrüßen! Sie hat zwei Kurzgeschichten aus der Anthologie Hexensteine (Amazon; Thalia) verfasst. Liebe Julia, deine Geschichten sind ja sehr unterschiedlich. Eine ist eher historisch, da andere sehr modern. Welche von beiden hat dir denn mehr Spaß gemacht?
Julia Marhenke: Da ich ein besonderes Faible für Wölfe habe, hat mir die Geschichte von Sarolf natürlich sofort gefallen. Das Einarbeiten in eine vergangene Zeit und das Einfühlen in den Charakter waren spannend, aber auch schwierig. Schließlich wollte ich keine gravierenden historischen Fehler in der Handlung haben. Dafür bin ich zu perfektionistisch veranlagt. Zudem ist Sarolf ein männlicher Hauptcharakter, wodurch ich bei manchen Reaktionen darauf achten musste, ihn nicht zu „weibisch“ werden zu lassen. 😉 Da war die Geschichte von Ines schon einfacher. Auch wenn ein Krankenhaus nicht unbedingt ein Ort ist, an dem ich mich oft aufhalte, fiel es mir nicht so schwer in die Handlung einzutauchen und sie auf Papier zu bannen.
Isabella Benz: Dass du Wölfe gerne magst, ist in deiner ersten Kurzgeschichte auch gut erkennbar, wie ich finde. Werfen wir einmal einen Blick darauf:

Traurig blickte er den Wolf an. Dann deutete er auf seine Hütte. „Komm, alter Freund“, lockte er mit brüchiger Stimme. Sanft drückte er die Tür zur Hütte auf und strich, in Erinnerungen versunken, über das morsch werdende Holz. Das Tier drückte sich winselnd an ihn.

Wie bist du denn bei der Entwicklung dieser Kurzgeschichten vorgegangen? Bist du eher ein Planer oder ein Bauchschreiber?
Julia Marhenke: Prinzipiell schreibe ich eher aus dem Bauch heraus, wodurch meine Charaktere sich allerdings manchmal in Situationen bringen, aus denen sie nur schwer wieder herauskommen. Ich habe dabei aber eher das Gefühl, frei schreiben zu können. Plane ich vorher genau durch, fühle ich mich in der Handlung eingeschränkt, auch wenn ich sie selbst so entwickelt habe. Klingt das seltsam?
Bei den Kurzgeschichten der Anthologie waren die Plots grob vorgegeben, damit sie zu Ende und Anfang der vor- und nachfolgenden Geschichten passten. Ich konnte mich daher gleich zu Beginn mit den Charakteren befassen und habe versucht, diese möglichst glaubwürdig zu gestalten und dem Leser die Möglichkeit zu geben, sich in sie einfühlen zu können. Dann habe ich die Geschichten in einem Stück erst einmal herunter geschrieben und anschließend Stück für Stück überarbeitet, bis alles gepasst hat. Die Herausforderung für mich war dabei der vorgegebene Plot, da ich dies zu dem Zeitpunkt noch nie wirklich strukturiert nach Plan geschrieben hatte. In dem Fall war es aber wichtig, da die einzelnen Geschichten ja zu einem großen Ganzen gehören. Nach einigen Anfangsschwierigkeiten hat es aber gut geklappt und ich denke, die Geschichten fügen sich sehr gut in das Gesamtbild ein.
Isabella Benz: Das finde ich auch! Worauf achtest du beim Schreiben eigentlich besonders? Gibt es eine Besonderheit in deinem Schreibstil, durch den du dich vielleicht mit einem anderen Autor vergleichen kannst?
Julia Marhenke: Die Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. Wie gesagt, ich schreibe meist eher aus dem Bauch heraus, daher muss sich die Geschichte beim Schreiben erst einmal „gut“ anfühlen. Das Feilen, Umschreiben und Perfektionieren kommt dann erst später, wenn die Geschichte gesackt ist. Während des Schreibens, achte ich vor allem darauf, dass ich Ruhe und Zeit habe, denn nur mal zehn Minuten zwischendurch zu schreiben, liegt mir gar nicht.
Und das Besondere an meinem Schreibstil? Puh … Ich glaube, da hat sich in den letzten Jahren einiges geändert. Durch meinen Beruf schreibe ich unter anderem auch viele Freizeitreportagen und habe mir dafür einen lockeren, leicht verständlichen, stärker beschreibenden und ab und an lustigen Stil angewöhnt. Der zeigt sich inzwischen auch in meinen Geschichten. Wobei ich gestehen muss, dass ich momentan gar nicht mehr so viel zum Schreiben neben der Arbeit komme.
Mit einem bekannten Autor würde ich mich nicht vergleichen. Natürlich gibt’s Vorbilder und Vorlieben, aber um mich vergleichen zu können, habe ich glaube ich noch nicht genug veröffentlicht. Und eigentlich will ich ja auch meinen eigenen Stil haben und nicht den von jemand anderem.
Isabella Benz: Ein durchaus erstrebenswertes Ziel. Auch wenn du momentan nicht so viel zum Schreiben kommst – nicht viel heißt ja nicht gar nichts: Woran arbeitest du denn momentan?
Julia Marhenke: Momentan überlege ich, einmal in eine ganz andere Richtung zu gehen und eher eine Art Alltagsroman zu schreiben. Eine grobe Idee habe ich schon und ich denke, ich werde den November nutzen, um sie soweit wie möglich umzusetzen.
Isabella Benz: Da wünsche ich dir auf jeden Fall viel Erfolg. Zum Abschluss mal noch eine „markttechnische“ Frage: Was hältst du von E-Readern/E-Books?
Julia Marhenke: Lange Zeit habe ich mich gegen Ebooks gesträubt. Dafür habe ich viel zu gerne meine Bücherregal in Wohn- und Arbeitszimmer stehen, liebe das Gefühl der Blätter und das Knistern, das beim Umblättern entsteht. Dennoch habe ich mir vor einigen Wochen einen E-Reader zugelegt. Nicht immer mit einem dicken Wälzer in der Handtasche herumlaufen zu müssen oder den halben Koffer für den Urlaub mit Büchern zu packen, hat doch auch seine Vorteile. Dennoch möchte ich meine Bücher zuhause nicht missen und bin mir sicher, dass sie auch weiterhin Zuwachs bekommen werden. 😉
Isabella Benz: Ich bin sicher, das werden sie 🙂 Vielen Dank für dieses spannende Interview!

Christa Lippert

Isabella Benz: Heute darf ich Christa Lippert auf der Autorencouch begrüßen! Sie ist eine der Autorinnen der Anthologie Hexensteine (AmazonThalia) und hat sich meinen Fragen ausgesetzt. Liebe Christa, zunächst würde mich interessieren: Wie viel Zeit hast du denn in der Regel zum Schreiben?
Christa Lippert: Nun, im Grunde hätte ich so vier bis fünf Stunden täglich Zeit zum Schreiben, aber da ich dazu absolute Ruhe brauche, und das mit drei kleinen Enkelkindern im Haus nicht gut möglich ist, kann ich nur ab 21 Uhr schreiben. Oft fehlt mir dann die Motivation. So komme ich auf höchstens vier bis fünf Stunden in der Woche zum Schreiben. Oft schaffe ich es auch eher, während der Arbeit zu schreiben, anstatt zuhause.
Isabella Benz: Deine Kurzgeschichte, die in den Hexensteinen abgedruckt ist, beschäftigt sich ja indirekt auch mit dem Leben nach dem Tod. Wie stehst du persönlich denn dazu?
Christa Lippert: Oh, das ist eine Frage, die sich nicht mit wenigen Worten beantworten lässt. Nach traditionellem Glauben steigt die Seele ja entweder in den Himmel oder fällt in die Hölle. Daran glaube ich nicht. Aber auch, dass es nach dem Tod absolut nichts gibt, ist für mich keine Option. Wenn ich mir Gedanken um ein Leben nach dem Tod mache, dann sehe ich in der Regel die Seele als unsterblich an. Da sie, meinen Vorstellungen zufolge, nicht in irgendwelche Fegefeuer oder himmlische Sphären aufsteigt, kommt für mich eigentlich nur eines in Frage, nämlich die Wiedergeburt. Ich möchte mir gerne vorstellen, dass die Seele nach dem Tod ein neues Leben findet, welches sie ausfüllen kann.
Zwischenweltliche Wesen, wie Geister oder Erscheinungen, halte ich eher für unreal. Aber nur, weil ich noch nie etwas derartiges gesehen habe, will ich diese Möglichkeit nicht als völlig absurd abtun. Wer weiß, vielleicht gibt es sie ja doch?
Isabella Benz: Zumindest dein Protagonist trifft ja auf ein solches Wesen. Werfen wir doch als einen Blick auf ein Zitat aus deiner Geschichte:

Nevin bewegte sich ein Stück zur Seite und glitt mühelos durch einen Baum hindurch. Auf seinem Gesicht erschien ein breites Grinsen. „Ganz schön praktisch, ein Geist zu sein. Hat ’ne Menge Vorteile.“

Hierbei handelt es sich ja um eine Mischung aus den Genres Historik und Phantastik. Was hältst du denn von der Verbindung zwischen diesen beiden?
Christa Lippert: Viel! Nun ja, diese Verbindung ist eine der häufigsten in der Fantasy. Ich lese gerne Romane, die Fantasy und Mittelalter miteinander verbinden. Spielen diese Geschichten in unserer Welt, erwarte ich allerdings vom Autor, dass er sich in dieser Zeit auskennt und die Gegebenheiten dieser Zeit gut wiedergibt. Selbst ein modernes Wort unbedacht eingesetzt, kann schon die Stimmung verderben. Sprache, Kleidung und Erzählweise sollten dem historischen Rahmen angepasst sein. Übertrieben gesagt: Rennt ein römischer Legionär mit Flipflops oder Sneakers rum, hört bei mir der Spaß auf.
Aber auch da gibt es Ausnahmen. Erkennt der Leser auf Anhieb, dass die Geschichte mit derlei Ausdrücken aus der modernen Zeit gespickt ist, um eine Art Slapstick-Charakter zu verdeutlichen, kann das durchaus amüsant sein. Nur sind diese Art Geschichten nicht Jedermanns und -fraus Sache.
Spannend finde ich es, mich mit der Einfachheit auseinanderzusetzen, in der die Menschen zu dieser Zeit lebten. Gerade die fehlenden Kommunikationsmittel, die langen Reisen von einem Ort zum anderen und die Konflikte, die von „Mann zu Mann“ ausgetragen werden mussten, finde ich daran reizvoll. Es war ein hartes Leben im Mittelalter, und mein Held darf es nicht leicht haben.
Isabella Benz: Dafür hast du dir ja mit der Hungersnot in Irland das richtige Ereignis herausgesucht. Hast du eigentlich eine besondere Verbindung zu diesem Land?
Christa Lippert: Leider war ich noch nie in Irland. Ich würde es gerne einmal kennenlernen. Die Landschaft muss wunderschön sein. Besonders faszinieren mich die Geschichten um Kobolde, Elfen und andere Fabelwesen, die besonders in Irland bis heute hoch geschätzt und sehr lebendig sind.
Isabella Benz: Zum Schluss würde mich noch interessieren – unabhängig von deiner Kurzgeschichte: Hast du eigentlich ein Lieblingsbuch?
Christa Lippert: Nein. Ich lese sehr viel und es gibt in meinem Bücherregal eine Menge Bücher, die ich sehr schätze. Oftmals lese ich eines und bin total begeistert. Das erhebe ich dann für kurze Zeit zu meinem Lieblingsbuch, bis ich wieder eines lese, das das vorige verdrängt. Die Liste der Bücher, die mir die Liebsten sind, ist recht lang. Angefangen von den Büchern von Marion Zimmer-Bradley (Darkover-Reihe), über Tad Williams (Osten Ard Saga), Jonathan Stroud (Bartimäus-Reihe) bis hin zu Cinda Williams Chima, deren Geschichten in der heutigen Zeit spielen und gekonnt mit Magie durchsetzt sind, oder meiner neusten Entdeckung: S. J. Kincade (Die Weltenspieler-Serie).
Isabella Benz: Da geben sich ja auch Historische und Phantastische Romane die Klinke in die Hand, das passt ja 🙂 Dann danke ich an der Stelle Recht herzlich für das Interview und wünsche dir noch einige gute Ruhezeiten zum Schreiben!

Petra Rudolf

Isabella Benz: Hallo Petra, willkommen auf der Autorencouch! Da ich deinen Werdegang sehr spannend finde, würde ich gerne mit einer Frage starten, die erstmal nichts mit dem Schreiben und der Anthologie der Hexensteine (AmazonThalia) zu tun hat: Du bist ja nicht hauptberuflich Autorin, wenn man einen Blick auf deine Homepage wirft, findet man ganz viele Illustrationen. Magst du uns etwas Genaueres über deine Arbeit verraten?
Petra Rudolf: Hauptberuflich bin ich freischaffende Illustratorin und Gamedesignerin. Also eine von denen, die wie der arme Poet einen Schirm unters kaputte Dach klemmen.
Illustration beinhaltet vor allem Buchcover, manchmal auch Innenillustrationen, Poster, Logos, Comicseiten. Gamedesign hat nichts mit Programmierung zu tun; hier geht es um Konzeption, Spielprinzip, Story und Dialoge. Während meiner acht Jahre Festanstellung in der Gamesbranche habe ich auch Concept Art gemacht, also die erste grobe Visualisierung des Konzepts.
Nebenbei schreibe ich ab und an Artikel über Gamedesign für das Bookazine WASD.
Prosa, so sehr ich sie liebe, existiert bisher nur unveröffentlicht, weil ich nichts Unfertiges einsenden möchte. Vom Schreiben leben können ist dennoch einer dieser Träume, vor denen der Schweinehund steht und wartet, dass ich ihn in den Hintern trete.
Isabella Benz: Das sind ja nun alles „künstlerische“ Berufe – beeinflusst sich das gegenseitig?
Petra Rudolf: Das beeinflusst sich auf jeden Fall. Es geht grundsätzlich immer darum, Interesse zu wecken und zu fesseln, egal ob ich zeichne, schreibe, oder an einem Spiel arbeite. Die unterschiedlichen Ziele und Arbeitsweisen geben vieles für die jeweils anderen Bereiche her.
Eine Illustration impliziert eine Geschichte, Prosa ist fürs Kopfkino. Game Writing liegt mitten dazwischen, denn hier spielt mit hinein, was man tatsächlich im Spiel sehen wird. Ein Spiel bedeutet viel Planung und Teamarbeit; intuitiv drauflos schreiben wie am eigenen Roman geht nicht. Zum Beispiel habe ich schnell gelernt, Charaktere in Spielen ähnlich intuitiv anzugehen und muss sie dadurch nicht künstlich konstruieren, und die Planungsarbeit hat meine private Schreiberei deutlich verbessert. Meine Malerei hat vom Schreiben her mitgenommen, dass die beste realistische Darstellung nichts bringt, wenn sie langweilig ist, und meine Prosatexte haben von der Malerei eine Menge Stimmungsaufbau und Dynamik. Das Prinzip der Implikation und das Lenken von Aufmerksamkeit eines Betrachters oder Lesers ist bei beiden dasselbe.
Isabella Benz: An der Stelle können wir ja einen kurzen Ausschnitt aus deiner Hexenstein-Geschichte heranziehen:

„Verzeiht meine Neugier; gestern haben ein paar Fuhrleute von einem Einbrecher erzählt, der soll ein Meister seiner Kunst sein und sogar einem Bischof die Schatulle geplündert haben. Der Teufel hilft ihm, sagt man sich, und damit dieser Meisterdieb ohne ihn nicht mehr zurechtkommt, habe der Leibhaftige dem armen Hund eine Hand abgerissen.“

Wie kam dir eigentlich die Idee für diese Kurzgeschichte?
Petra Rudolf: Vor einer Eisdiele in Weißenburg steht ein Stein, auf dem sich Kerben davon befinden, dass dort angeblich Leibesstrafen wie das Abhacken von Schwurfingern bei Eidbrüchigen vollzogen wurden. Mein Eisbecher stand dort, wo Martins frevlerische Hand endete. 🙂
Kurz zuvor hatte ich von der geplanten Anthologie erfahren. Weil ich ohnehin gerade hinter allem her war, was mit frühneuzeitlicher Rechtsprechung und Hexenglaube zu tun hat, habe ich recherchiert und herausgefunden, dass in Weißenburg Hexenverfolgung gar nicht hoch im Kurs stand; in Eichstätt sah es anders aus. Und wer wäre besser geeignet, um sich mit Hexenwerk herumzuschlagen, als ein Klosterschüler?
Isabella Benz: Nun, er hat zumindest besondere Probleme damit *gg* Sagmal, du arbeitest ja mit zwei Zeitebenen und springst zwischen diesen beiden. Warum hast du dich denn für diese Form entschieden?
Petra Rudolf: Ich mag Braiding, Wechselspiele zwischen Perspektiven und auch Zeiten, und wollte damit experimentieren. Anfänglich gab es die Rahmenhandlung des Meisterdiebs gar nicht. Martins Geschichte begann direkt im Kloster; das wollte so gar nicht funktionieren. Die meisten Zeitsprünge wären zu groß und zu unmotiviert gewesen. Also kam Aellin ins Spiel, die mit ihrer Neugier die in sich geschlossenen Episoden verbindet und dadurch, wie Martin sie im Vergleich zu Elisabeth sieht, seine Veränderung auf möglichst wenig Raum widerspiegelt.
Isabella Benz: Das ist dir meiner Meinung nach auch sehr gut gelungen. Darf ich abschließend von dir erfahren: Was ist eigentlich dein Lieblingsbuch?
Petra Rudolf: Ich habe keins mehr.
Anscheinend geht es allen Autoren irgendwann so, dass sie gewisse Ansprüche an ihre Lektüre haben, und gerade bei historischen Romanen bin ich sicher eine unerträglich pingelige Leserin. 🙂
Aus demselben Grund kann ich mich nicht mehr für ein Buch entscheiden. Sie haben alle ihre Macken, und ich mag sie gerade darum.
Unter meinen Jugendbüchern war es die Jugendfantasy-Romane Song of the Lioness (Alanna) von Tamora Pierce, und ein historischer Tagebuchroman: Catherine, called Birdy (Catherine, Lady wider Willen) von Karen Cushman. Beide stehen immer noch in meinem Regal.
Wenn ich nur wenige Bücher mit auf eine einsame Insel nehmen dürfte (nur eins? Keine Chance!), dann wären darunter: Der Letzte Wunsch von Andrzej Sapkowski, Company of Liars von Karen Maitland, und The Pale Horseman von Bernard Cornwell.
Isabella Benz: Wow, das ist ja eine beachtliche Liste, gut für all diejenigen unserer Leser, die noch nach Lektüre suchen. Vielen Dank, auch für das Interview insgesamt!
Weitere Informationen über Petra Rudolf und ihre Werke finden sich übrigens auf ihrer Homepage und/oder auf ihrem Blog.

Julia Brito

Isabella Benz: Hallo Julia, herzlich Willkommen auf der Autorencouch! Du bist heute als eine der Autorinnen der Hexensteine (AmazonThalia) zugegen. Schnuppern wir doch zunächst in den Anfang deiner Geschichte hinein:

Janus starb. Der Tod kam langsam. Sein Körper, daran gewöhnt auch schwere Wunden zu heilen, kämpfte mit verbissener Zähigkeit um sein Leben. Und obwohl er die besten Jahre bereits hinter sich hatte, war er bisher immer kräftig und gesund gewesen.
Trotzdem würde er sterben, das wusste er. Es lag nicht an der Verfassung, in der sich sein Körper befand, sondern an der seines Geistes. Außer dem Töten hatte er nichts gelernt. Er war ein Krieger, und in dieser neuen Welt des Friedens war kein Platz für ihn.

Nach diesem ersten Einblick: Wovon genau handelt deine Kurzgeschichte denn?
Julia Brito: In meiner Kurzgeschichte geht es um einen alternden Söldner, der sich zwischen der Macht des Jaspis‘ und einem neuen Leben mit neuen Freunden entscheiden muss.
Isabella Benz: Und welche dieser Personen ist dir der oder die liebste? Der Söldner? Oder einer seiner Freunde?
Julia Brito: Ohh, das ist gemein! Ich habe die meisten meiner Protagonisten lieb, aber in „Janus“ ist es Gilbert, denke ich, einfach deswegen, weil er, obwohl ich das leider nur andeuten konnte, ein sehr vielschichtiger und interessanter Charakter ist.
Isabella Benz: Hast du denn die Kurzgeschichte lange vorgeplant? Oder bist du allgemein eher Bauchschreiber?
Julia Brito: Definitiv ein Bauchschreiber. Wenn ich anfange zu schreiben, habe ich meistens die Charakterkonstellation schon im Kopf und weiß, worum es gehen wird. Ein paar Szenen sind manchmal auch schon da, aber alles andere kommt, wenn ich es schreibe, vor allem der genaue Handlungsverlauf. Da muss ich schon manchmal mehrmals ansetzen, aber so kann ich aktuelle Ideen und Eindrücke einflechten und der Eigendynamik der Geschichte Raum geben. All die Arbeit hat sich gelohnt wenn ich an den Punkt komme, wo die Charaktere anfangen, von selbst zu handeln.
Isabella Benz: Diesen Moment, wenn die Charaktere anfangen zu leben, finde ich auch sehr schön. Arbeitest du momentan auch wieder an Projekten?
Julia Brito: Ja, ich habe momentan verschiedene Projekte, an denen ich immer mal wieder arbeite. Veröffentlicht wird davon in naher Zukunft wohl keines, aber zusammen mit einer Freundin, die die Illustrationen beigesteuert hat, habe ich im Selbstverlag und in einer sehr kleinen Auflage ein Kinderbuch herausgebracht.
Isabella Benz: Das klingt auf jeden Fall sehr fleißig. Hast du einen Tipp, den du anderen Schreibbegeisterten gerne mit auf den Weg geben würdest?
Julia Brito: Für mich hat es sich bewährt, viel zu lesen. Wer bewusst liest, kann sich elegante Kniffe, passende Ausdrücke und wirkungsvolle Techniken abgucken – und im schlimmsten Fall immer noch aus den Fehlern anderer Autoren lernen. Und natürlich: viel schreiben. Meiner Erfahrung nach gibt es sowas wie eine Schreibblockade nicht. Vielleicht kann man grad nicht über ein bestimmtes Thema oder an einer bestimmten Geschichte schreiben, aber wenn man will, geht es immer. Man sollte sich immer ins Gedächtnis rufen, dass man in erster Linie nur für sich selbst und zum Spaß schreibt.
Und natürlich braucht man die richtige Musik und viel Kaffee.
Isabella Benz: Beim Kaffee sind wir voll und ganz auf einer Wellenlänge *lach* Vielen Dank für dieses Interview, liebe Julia!

Christin Lippert

Isabella Benz: Heute darf ich Christa Lippert auf der Autorencouch begrüßen! Sie ist eine der Autorinnen der Anthologie Hexensteine (AmazonThalia) und hat sich meinen Fragen ausgesetzt. Liebe Christa, zunächst würde mich interessieren: Wie viel Zeit hast du denn in der Regel zum Schreiben?
Christa Lippert: Nun, im Grunde hätte ich so vier bis fünf Stunden täglich Zeit zum Schreiben, aber da ich dazu absolute Ruhe brauche, und das mit drei kleinen Enkelkindern im Haus nicht gut möglich ist, kann ich nur ab 21 Uhr schreiben. Oft fehlt mir dann die Motivation. So komme ich auf höchstens vier bis fünf Stunden in der Woche zum Schreiben. Oft schaffe ich es auch eher, während der Arbeit zu schreiben, anstatt zuhause.
Isabella Benz: Deine Kurzgeschichte, die in den Hexensteinen abgedruckt ist, beschäftigt sich ja indirekt auch mit dem Leben nach dem Tod. Wie stehst du persönlich denn dazu?
Christa Lippert: Oh, das ist eine Frage, die sich nicht mit wenigen Worten beantworten lässt. Nach traditionellem Glauben steigt die Seele ja entweder in den Himmel oder fällt in die Hölle. Daran glaube ich nicht. Aber auch, dass es nach dem Tod absolut nichts gibt, ist für mich keine Option. Wenn ich mir Gedanken um ein Leben nach dem Tod mache, dann sehe ich in der Regel die Seele als unsterblich an. Da sie, meinen Vorstellungen zufolge, nicht in irgendwelche Fegefeuer oder himmlische Sphären aufsteigt, kommt für mich eigentlich nur eines in Frage, nämlich die Wiedergeburt. Ich möchte mir gerne vorstellen, dass die Seele nach dem Tod ein neues Leben findet, welches sie ausfüllen kann.
Zwischenweltliche Wesen, wie Geister oder Erscheinungen, halte ich eher für unreal. Aber nur, weil ich noch nie etwas derartiges gesehen habe, will ich diese Möglichkeit nicht als völlig absurd abtun. Wer weiß, vielleicht gibt es sie ja doch?
Isabella Benz: Zumindest dein Protagonist trifft ja auf ein solches Wesen. Werfen wir doch als einen Blick auf ein Zitat aus deiner Geschichte:

Nevin bewegte sich ein Stück zur Seite und glitt mühelos durch einen Baum hindurch. Auf seinem Gesicht erschien ein breites Grinsen. „Ganz schön praktisch, ein Geist zu sein. Hat ’ne Menge Vorteile.“

Hierbei handelt es sich ja um eine Mischung aus den Genres Historik und Phantastik. Was hältst du denn von der Verbindung zwischen diesen beiden?
Christa Lippert: Viel! Nun ja, diese Verbindung ist eine der häufigsten in der Fantasy. Ich lese gerne Romane, die Fantasy und Mittelalter miteinander verbinden. Spielen diese Geschichten in unserer Welt, erwarte ich allerdings vom Autor, dass er sich in dieser Zeit auskennt und die Gegebenheiten dieser Zeit gut wiedergibt. Selbst ein modernes Wort unbedacht eingesetzt, kann schon die Stimmung verderben. Sprache, Kleidung und Erzählweise sollten dem historischen Rahmen angepasst sein. Übertrieben gesagt: Rennt ein römischer Legionär mit Flipflops oder Sneakers rum, hört bei mir der Spaß auf.
Aber auch da gibt es Ausnahmen. Erkennt der Leser auf Anhieb, dass die Geschichte mit derlei Ausdrücken aus der modernen Zeit gespickt ist, um eine Art Slapstick-Charakter zu verdeutlichen, kann das durchaus amüsant sein. Nur sind diese Art Geschichten nicht Jedermanns und -fraus Sache.
Spannend finde ich es, mich mit der Einfachheit auseinanderzusetzen, in der die Menschen zu dieser Zeit lebten. Gerade die fehlenden Kommunikationsmittel, die langen Reisen von einem Ort zum anderen und die Konflikte, die von „Mann zu Mann“ ausgetragen werden mussten, finde ich daran reizvoll. Es war ein hartes Leben im Mittelalter, und mein Held darf es nicht leicht haben.
Isabella Benz: Dafür hast du dir ja mit der Hungersnot in Irland das richtige Ereignis herausgesucht. Hast du eigentlich eine besondere Verbindung zu diesem Land?
Christa Lippert: Leider war ich noch nie in Irland. Ich würde es gerne einmal kennenlernen. Die Landschaft muss wunderschön sein. Besonders faszinieren mich die Geschichten um Kobolde, Elfen und andere Fabelwesen, die besonders in Irland bis heute hoch geschätzt und sehr lebendig sind.
Isabella Benz: Zum Schluss würde mich noch interessieren – unabhängig von deiner Kurzgeschichte: Hast du eigentlich ein Lieblingsbuch?
Christa Lippert: Nein. Ich lese sehr viel und es gibt in meinem Bücherregal eine Menge Bücher, die ich sehr schätze. Oftmals lese ich eines und bin total begeistert. Das erhebe ich dann für kurze Zeit zu meinem Lieblingsbuch, bis ich wieder eines lese, das das vorige verdrängt. Die Liste der Bücher, die mir die Liebsten sind, ist recht lang. Angefangen von den Büchern von Marion Zimmer-Bradley (Darkover-Reihe), über Tad Williams (Osten Ard Saga), Jonathan Stroud (Bartimäus-Reihe) bis hin zu Cinda Williams Chima, deren Geschichten in der heutigen Zeit spielen und gekonnt mit Magie durchsetzt sind, oder meiner neusten Entdeckung: S. J. Kincade (Die Weltenspieler-Serie).
Isabella Benz: Da geben sich ja auch Historische und Phantastische Romane die Klinke in die Hand, das passt ja 🙂 Dann danke ich an der Stelle Recht herzlich für das Interview und wünsche dir noch einige gute Ruhezeiten zum Schreiben!