Nina Casement

Nina Casement

Isabella Benz: Die letzte Autorin in unserer Reihe „Wenn alte Wellen singen“ ist Nina Casement. Herzlich Willkommen, liebe Nina! Verrätst du uns erstmal, seit wann du schreibst?
Nina Casement: Ich schreibe seit etwa elf Jahren an unterschiedlichen Kurzgeschichten und Buchprojekten. Seit meiner Kindheit bin ich allerdings zunächst heftiger Lese-Junkie, das hat sicherlich den Grundstein gelegt. Ab davon faszinieren mich in erster Linie das Geschichtenerzählen und der Spaß an Sprache.
Isabella Benz: Und wie stehst du zum Wasser?
Nina Casement: Die meiste Zeit meines Lebens habe ich nicht mehr als 10 Minuten vom Rheinufer entfernt gewohnt, deshalb bin ich ein echtes Flusskind und fühle mich an Fließwässern so heimisch wie manche Menschen am Meer oder in den Bergen.
So kam es, dass ich mich auch beruflich immer wieder mit Gewässern auseinandergesetzt habe. Dabei stieß ich auch auf den schweren Eisgang im Winter 1784, der Köln-Mühlheim zu allergrößten Teilen zerstörte.
Isabella Benz: Der historische Hintergrund für deine Kurzgeschichte?
Nina Casement: Mehr oder weniger, die Vorstellung, wie Menschen eine solche Katastrophe erleben – insbesondere in einem Zeitalter, in dem man sich den Naturgewalten noch viel ausgelieferter sah – erschien mir sehr schreibenswert.
Isabella Benz: Liegt deiner Geschichte denn ein tatsächliches historisches Ereignis zugrunde oder entspringt alles komplett deiner Fantasie?
Nina Casement: Konkrete Belege für einen Eisgang der Donau zu dieser Zeit gibt es zwar nicht, es ist, meteorologisch betrachtet, aber davon auszugehen, dass auch damals und dort solche Ereignisse stattfanden.
Isabella Benz: Und das beschreibst du sehr eindrücklich. Vielen Dank für deine Antworten! Zum Abschluss gibt es deshalb einen Ausschnitt aus deiner Kurzgeschichte:

Abends brach das Eis auf und mit einem Mal verwandelte sich die Donau in ein Meer aus Schollen, manche schwerer als ein Ochse, die wie ein lebendig gewordenes Gebirge an ihr vorbeitrieben, aneinander stießen und sich ineinander verkeilten. Auch so etwas hatte Luise noch nie gesehen, sie schwankte zwischen Faszination und Schrecken.

Die Anthologie erschien am 10.02. und kann beim Burgenweltverlag oder auf Amazon bestellt werden.

Ich lese gerade:

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Marielle Bodenheimer

Marielle Bodenheimer

Isabella Benz: Marielle Bodenheimer ist die vorletzte Autorin, die ich im Rahmen der Anthologie-Reihe „Wenn alte Wellen singen“ interviewen darf. Liebe Marielle, verrate uns doch zunächst: Was ist für dich das Wichtigste beim Schreiben?
Marielle Bodenheimer: Das Wichtigste beim Schreiben ist es zu Schreiben. Man kann kein Schriftsteller sein, ohne zu schreiben, auch wenn es mal die Tage gibt, an denen die leeren Seiten einen anstarren. Einfach anfangen.
Isabella Benz: Wann hast du denn mit dem Schreiben begonnen?
Marielle Bodenheimer: Ich habe mit neun Jahren das erste Mal versucht ein Buch zu schreiben und das bei meiner Oma auf der Couch. Das Ergebnis fiel dementsprechend aus. Doch schon damals ging es darum, das zu schreiben, was ich selbst gerne lesen würde. Was hat mich motiviert? Eine Geschichte die ich gelesen habe und zu der mir noch so viele Dinge eingefallen sind, dass ich es eine schade fand, wenn man diese nicht erzählen würde.
Isabella Benz: Das verbindende Element in unserer Anthologie ist ja das Wasser. Was hältst du vom Wasser?
Marielle Bodenheimer: Um ehrlich zu sein gibt es Dinge, die ich mehr mag. Ich bin keine besonders gute Schwimmerin und der Gedanke an einen trüben See oder Fluss, in dem man nichts sehen kann und man nicht weiß, was unter einem wimmelt, macht mich nervös.
Isabella Benz: Deine Kurzgeschichte stellt ja eine gewisse Ausnahme innerhalb der Anthologie dar. Erkläre uns doch einmal, was der „historische Hintergrund“ für die Geschichte ist.
Marielle Bodenheimer: Bei meinem „historischen Hintergrund“ handelt es sich um eine Sage. Es war der Reiz etwas Uraltes neu zu erzählen mit modernerer und ungewöhnlicher Sicht. Wer würde sich nicht gerne mit einem jahrhundertealten Fabelwesen unterhalten?
Isabella Benz: Zumindest ist die Unterhaltung sehr amüsant:

In meiner Legende heißt es, die Strahlen der Sonne hätten grüne Lichtschimmer auf meinen Haaren tanzen lassen und die Leute hätten sich bewundernd nach mir umgesehen. Alles, was ich noch weiß, ist, wie laut mein Herz pochte, als meine Füße mich zu meinem Musiker trugen.

Die Isarnixe ist ja eine recht bekannte Sagengestalt. Wie nah bist du in deiner Erzählung den alten Überlieferungen gekommen und wie viel entspringt deiner Fantasie?
Marielle Bodenheimer: Es war mir wichtig mich genau an die Sage zu halten. Alles Historische, wie z.B. König Albrecht IV. und seine Hochzeit mit Kunigunde, sind historisch richtig und so auch in der Sage enthalten. Was jedoch die Isarnixe persönlich zu all den Geschehnissen sagt, entspringt keinen Überlieferungen. Bis jetzt hat sich ja auch noch niemand die Mühe gemacht sie zu fragen 😉
Isabella Benz: Das stimmt allerdings. Vielen Dank für deine bereichernde Geschichte und deine Antworten!

Die Anthologie erschien am 10.02. und kann beim Burgenweltverlag oder auf Amazon bestellt werden.

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Erik Huyoff

Erik Huyoff

Isabella Benz: Die nächste Person auf der Autorencouch ist der einzige Autor in einer Reihe von Autorinnen. Erik Huyoff! Herzlich Willkommen hier. Du hast ebenfalls eine Kurzgeschichte in der Anthologie „Wenn alte Wellen singen“ veröffentlichen. Magst du uns erstmal verraten, was Wasser für dich bedeuten?
Erik Huyoff: Hm, eine schwierige Frage. Ich mag leichten Regen in lauen Sommernächten, kristallklare Bergseen und Quellen. Zur Abkühlung in einem Pool ein paar Bahnen zu schwimmen – und Wasserrutschen, Wildwasserbahnen oder Raftinganlagen jeglicher Art. Was ich nicht mag: Salzwasser – und weltuntergangsartige Regenschauer, die einen binnen Sekunden bis auf die Knochen durchnässen.
Isabella Benz: Ja, solche Platzregen können sehr unangenehm sein. Mal unabhängig vom Wasser – Du bist Autor. Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Erik Huyoff: Bereits in der Schule habe ich angefangen, erste Kurzgeschichten und Gedichte zu schreiben, da mich Bücher, seitdem ich denken kann, begeistert haben. Mich hat es schon immer fasziniert, neue Welten zu erschaffen, Geschichten zu erzählen – oder einfach auch alltägliche Ereignisse durch das Schreiben nochmals zu erleben oder zu verarbeiten. Doch erst seit 2013, seitdem ich mich mit gleichgesinnten Autoren zusammengetan habe, schreibe ich regelmäßig und arbeite auch konsequent an meinen Texten, die ich vorher eher zum Spaß an der Freude geschrieben hatte.
Isabella Benz: Nun, ich hoffe doch, der Spaß ist dadurch nicht verloren gegangen. Wollen wir als nächstes einen Blick in deine Kurzgeschichte werfen:

Erneut fragte ich mich, wie es so weit hatte kommen können, wie wir uns so hatten überrumpeln lassen. Doch es war nicht an mir, den König zu kritisieren – als sein Lehensmann würde ich ihm bis in den Tod folgen. So verlangte es mein Gewissen. Mochten Gott und die Geschichte ihr Urteil über ihn fällen.

Du schreibst ja aus der Ich-Perspektive und hast damit einen starken Fokus auf deinen Protagonisten. Was ist dir bei der Entwicklung deiner Charaktere besonders wichtig?
Erik Huyoff: Dass sie sich auch wirklich entwickeln und nicht einseitig bleiben. Klar sind die Rollen als Protagonist und Antagonist ziemlich starr vorgeschrieben. Das heißt aber nicht, dass man als Antagonist keine guten, als Protagonist keine schlechten Eigenschaften haben kann. Kein Mensch, kein Charakter ist perfekt – und diesem Umstand sollte man auch in seinen Texten Rechnung tragen.
Isabella Benz: Sind dir die Charaktere beim Schreiben auch am wichtigsten? Oder gibt es da noch etwas anderes?
Erik Huyoff: Das Wichtigste beim Schreiben ist es, zu schreiben. Kaum ein Text (wenn überhaupt) ist perfekt, man findet immer wieder Sachen, die man nach längerem Überlegen anders machen würde. Daher ist es umso wichtiger, die Korrekturen auszublenden und erstmal eine Rohfassung zu produzieren, die man anschließend nochmal überarbeitet. Aber erstmal muss ein Text zu Papier (oder auf den Bildschirm) gebracht werden.
Isabella Benz: Verrate uns doch bitte zum Abschluss noch, was der historische Hintergrund deiner Kurzgeschichte ist.
Erik Huyoff: Geschichte war schon immer eines meiner Lieblingsfächer in der Schule und fast hätte ich es auch studiert. Bereits als Jugendlicher verschlang ich alle historischen Romane, die mir in die Finger gerieten. Meine Geschichte basiert auf dem Beginn des „hundertjährigen Krieges“ zwischen England und Frankreich im Spätmittelalter. Seit Rebecca Gablés bahnbrechenden Romanen über die Rosenkriege war ich ein Fan der Geschichte Englands – und dass diese Ausschreibung mir die Chance gab, ebenfalls mit einer Kurzgeschichte in diese faszinierende Thematik eintauchen zu können, kann nur als Glücksfall bezeichnet werden.
Isabella Benz: Nun, es ist zu einem Großteil aber auch deinem Können zu verdanken und nicht nur dem Glück 😉 Vielen Dank für deine ehrlichen Antworten!

Die Anthologie erschien am 10.02. und kann beim Burgenweltverlag oder auf Amazon bestellt werden.

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Manuela Schörghofer

Manuela Schörghofer

Isabella Benz: Manuela Schörghofer, du bist die nächste in unserer Reihe „Wenn alte Wellen singen“. Herzlich Willkommen hier! Du bist Autorin. Erzähl uns doch erstmal, wie du beim Schreiben vorgehst 🙂
Manuela Schörghofer: Ich brauche einen Plan für die Geschichte. Bevor ich den ersten Satz schreibe, stehen der Plot und einzelne Szenen, manchmal sogar schon eine ganze Abfolge davon fest.
Isabella Benz: Hast du einen Tipp für Schreibbegeisterte?
Manuela Schörghofer: Allen Schreibbegeisterten, die nicht ausschließlich für die eigene Schublade schreiben wollen, möchte ich zurufen, niemals aufzugeben und offen für Kritik zu sein. Rückschläge sind die Regel. Sich davon nicht entmutigen zu lassen ist unglaublich schwer. Konstruktive Kritik sollte angenommen werden, auch wenn das heißt, Szenen neu zu schreiben oder gar ein ganzes Buch. Jede Fassung ist besser als die vorhergehende.
Isabella Benz: Das klingt, als ob du das bereits einige Male hinter dir gehabt hättest. Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Manuela Schörghofer: Meine ersten eigenen Geschichten habe ich bereits in der Grundschule geschrieben und vor der Klasse vorgetragen. Bücher haben mich von Beginn an fasziniert und meine Fantasie angeregt. Wegen Familie und Beruf konnte ich meiner Leidenschaft lange nicht nachkommen. Neu belebt wurde sie durch die Geschichten von J.K. Rowling. Dadurch lernte ich das weite Spektrum der Fanfiktions kennen und habe selbst einige verfasst. Das weckte in mir das Verlangen, wieder eigene Charaktere zu erschaffen und in deren Geschichten einzutauchen.
Isabella Benz: Und jetzt hast du eine Kurzgeschichte zum Wasser geschrieben. Wie würdest du dein persönliches Verhältnis zu Wasser beschreiben?
Manuela Schörghofer: Als Kind waren Lesen und Schwimmen meine liebsten Freizeitbeschäftigungen. Auch heute noch halte ich mich gerne in und auf dem Wasser auf. Ich liebe das Rauschen der Wellen oder das leichte Schaukeln eines Bootes.
Isabella Benz: Da geht es dir wohl wie deinem Protagonisten. Zumindest klingt dieser Ausschnitt sehr ähnlich:

Er liebte es, die Schiffe zu beobachten, die den Rhein abwärts bis nach Köln fuhren, um dort Waren zu entladen und neue aufzunehmen. Ein einziges Mal war auch Thomas in der größten Stadt des Heiligen Römischen Reiches nördlich der Alpen gewesen. Kein Tag war seitdem vergangen, an dem er nicht daran gedacht hatte, an dem nicht das Pulsieren der Metropole in seinen Adern widerhallte, die einen großen Teil ihrer Lebenskraft aus dem Fluss zog, an dem sie lag.

Deine Kurzgeschichte spielt in der Nähe von Köln. Verbindet dich etwas Persönliches mit dieser Stadt?
Manuela Schörghofer: Meine Geschichte spielt im Siebengebirge. Das ist ein Mittelgebirge vulkanischen Ursprungs, südöstlich von Bonn und Köln gelegen. Dieses liegt praktisch vor meiner Haustür. Es ist das älteste Naturschutzgebiet in Deutschland und ein sehr beliebtes Ziel bei Wanderern. Auf Schritt und Tritt begegnen einem dort Ruinen des Mittelalters, auch die Löwenburg und die erwähnte Burg der Herren von Drachenfels gehören dazu.
Köln liegt nur etwa 30 km hiervon entfernt. Auch hier stolpert man überall über römische und mittelalterliche Geschichte. In Köln habe ich studiert. Insofern habe ich auch einen anderen persönlichen Bezug zu dieser Stadt, als diese nur zum Einkaufen aufzusuchen.
Isabella Benz: Abschließend würde ich dich bitten, mir etwas über den historischen Hintergrund deiner Kurzgeschichte?
Manuela Schörghofer: Im Mittelalter erschufen die Menschen mit einfachsten Mitteln monumentale Bauwerke, die bis heute Bestand haben. Moderne Bauten werden nie diese Beständigkeit erreichen. Auch der bedingungslose Glaube an Gott mit all seinen Auswirkungen auf das Sozialgefüge, sowie die Allmacht der Kirche und die teils gewalttätige Wirklichkeit sind Dinge, die mich gleichzeitig faszinieren und abschrecken. „Tödliche Gastfreundschaft“ spielt im Hochmittelalter, der Blütezeit der Ritter und Kreuzzüge. Dies ist meine liebste historische Zeit, obwohl ich nicht auf sie festgelegt bin.
Isabella Benz: Offen zu bleiben für Neues ist sicherlich ein guter Ansatz. Ich wünsche dir weiterhin viel Spaß beim Recherchieren und Schreiben, und ich bedanke mich recht herzlich für deine Antworten.

Die Anthologie erschien am 10.02. und kann beim Burgenweltverlag oder auf Amazon bestellt werden.

Mehr über die Autorin und ihre Werke erfahrt ihr auf ihrer Homepage www.schörghofer.de

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Corinne Hocke

Isabella Benz: Zu Geschichten, die von Wasser handeln, gehören auch Geschichten, die auf dem Wasser handeln, sprich: in einem Schiff! Einen besonderen Fokus darauf hat in der Anthologie „Wenn alte Wellen singen“ die Autorin Corinne Hocke gelegt. Liebe Corinne, ich darf dich heute auf der Autorencouch ganz herzlich begrüßen! Fangen wir einmal mit dem Thema „Schiff“ an: Du beschreibst das Leben auf einem Schiff sehr ausführlich. Warst du selbst schon einmal auf einer längeren Seefahrt? Wie hast du darüber recherchiert?
Corinne Hocke: Ich war schon öfter auf Schiffen verschiedener Größe unterwegs und habe es immer geliebt – auch wenn es durchaus mal beängstigende Situationen gab. Gerade, wenn man auf dem Meer ist und die Wellen mal ein wenig höher schlagen. Da kommt man sich schon sehr klein vor, besonders, wenn man in einem Schlauchboot sitzt. Daher konnte ich mich recht gut in die Angst meiner Hauptperson hineinversetzen. Einen Sturm auf einem mittelalterlichen Segelschiff möchte ich nicht erleben.
Isabella Benz: Bedeutet das, dass du Wasser eher skeptisch gegenüber stehst?
Corinne Hocke: Nein, ich liebe Wasser! Das Plätschern eines kleinen Baches ebenso wie die ruhige Strömung eines großen Flusses oder das Tosen eines Wasserfalls. Klare, stille Seen und Teiche oder das Meer in seiner gewaltigen und faszinierenden Weite, aber gleichzeitig mit so viel Kraft ausgestattet, dass einem angst und bange werden kann. Schwimmen finde ich übrigens auch toll. Man fühlt sich so herrlich leicht und vom Wasser umschmeichelt. Habe ich schon gesagt, dass ich Wasser liebe?
Isabella Benz: *lach* Ok, ich glaube dir! Jetzt einmal unabhängig vom Wasser: Seit wann schreibst du eigentlich?
Corinne Hocke: Ich schreibe, mit immer mal wieder längeren oder kürzeren Unterbrechungen, seit meiner Kindheit. Ich habe relativ früh lesen gelernt und immer reihenweise Bücher verschlungen. Das hat meine Fantasie angeregt, und gelegentlich habe ich mal eine der Geschichten zu Papier gebracht. Ich mag einfach den Umgang mit Wörtern und Sprache. Man kann so wunderbare Bilder damit entstehen lassen.
Isabella Benz: Das stimmt! Und ich würde sagen, das ist der richtige Zeitpunkt, um einmal einen Blick in deine Geschichte zu werfen:

Dass ausgerechnet Konstantinopel das Ziel der Reise war, hatte Alessandro von Anfang an erschreckt, doch als sie in der Morgendämmerung vor zwei Tagen die riesige Stadt erreichten, hatte der Junge sich einer Panik nahe gefühlt. Die vielen Menschen und die gewaltige Ausdehnung der Stadt machten ihm Angst …

Dein historischer Hintergrund ist der Handel mit Konstantinopel – was fasziniert dich so sehr daran, dass du darüber eine Kurzgeschichte geschrieben hast?
Corinne Hocke: Geschichte fand ich schon immer spannend. In der Schule war es eins meiner Lieblingsfächer. Je weiter weg von der Gegenwart, desto besser, war damals meine Devise. Mittlerweile ist das Mittelalter meine „Lieblingsepoche“, die oft gar nicht so finster war, wie der Volksmund oft behauptet.
Isabella Benz: Das stimmt allerdings! Sag uns doch bitte abschließend: Was ist dir beim Schreiben denn besonders wichtig?
Corinne Hocke: Ich denke, zum Schreiben gehört – neben Spaß und Inspiration – auch eine ordentliche Portion Durchhaltevermögen. Daran arbeite ich bei mir immer noch. Kurzgeschichten sind da manchmal ein guter Einstieg, weil man eben nicht ewig daran sitzt und dann auch mal etwas fertig schreibt. Ich weiß gar nicht, wie oft ich Geschichten begonnen und irgendwann nicht mehr weiter geschrieben habe, weil ich entweder eine Weile keine Zeit hatte oder – der häufigere Grund – nach einigen Seiten der Meinung war, dass meine Geschichten nicht gut genug wären. Wenn ich dann Monate später noch einmal einen Blick darauf geworfen habe, fand ich es doch gar nicht mehr so schlecht, habe dann aber meist keinen Anknüpfungspunkt mehr gefunden. Mein Tipp wäre daher: nicht entmutigen lassen! Und ruhig mal was Kürzeres schreiben, weil es einfach ein gutes Gefühl ist, eine Geschichte auch mal zu Ende gebracht zu haben.
Isabella Benz: Und das ist sicher ein schönes Gefühl. Vielen Dank für deine ausführlichen Antworten!

Die Anthologie erschien am 10.02. und kann beim Burgenweltverlag oder auf Amazon bestellt werden.

Elisabeth Schwaha

Isabella Benz: Die elfte Kurzgeschichte der Anthologie „Wenn alte Wellen singen“ spielt an einem Fluss, der auch bei mir in der Nähe fließt – die Donau! Heute ist die Autorin dieser Geschichte, Elisabeth Schwaha, auf der Autorencouch zu Gast. Herzlich Willkommen, liebe Elisabeth! Erzähl uns doch bitte als erstes, auf welchen historischen Hintergrund du in deiner Kurzgeschichte zurückgreifst.
Elisabeth Schwaha: Der Mittelpunkt meiner historischen Geschichten ist das Ministerialengeschlecht der Kuenringer. Ihr Image ist über Jahrhunderte hinweg kein gutes. In den Sagen werden sie meist als Raubritter kolportiert, wüste Kerle, denen erst der tapfere und edle Herzog von Österreich in einem verwegenen Streich das Handwerk legt.
Tatsächlich hatte dieser edle Herzog nicht zu Unrecht den Beinamen „der Streitbare“ und machte sich in seinem Machtstreben allseits unbeliebt, zu Zeiten, in denen anderswo schon unverbrüchliche Rechte für Ministerialen definiert waren. Diese Rechte forderten die Kuenringer an der Spitze der österreichischen Ministerialen vom Herzog ein.
Entgegen ihrem Raubritterruf waren sie höchste Beamte des Herzogtums, stellten auch den Vertreter des Herzogs selbst, wenn dieser auf Reisen war. Sie erbauten mehrere Burgen und Klöster und machten dadurch das nördliche Niederösterreich (Waldviertel) erst urbar.
Diese Zeit um 1200 ist eine sehr spannende Epoche. In ihr findet sich alles, was man sich für einen Mittelalterroman wünscht: Kreuzzüge, edle und weniger edle Herzöge, die gern gelesene Geschichte um Richard Löwenherz‘ Gefangennahme, byzantinische Bräute, ermordete Münzmeister, Minnesänger, Ketzer und vieles mehr. Mir war, bevor ich „Der Ring des Chuenringers“ schrieb, nicht bewusst, wie fesselnd Geschichte sein kann.
Isabella Benz: Dein Roman spielt, wie bereits eingangs erwähnt, an der Donau und du beschreibst sie meiner Meinung nach sehr eindrucksvoll, wie ich finde. Werfen wir einmal einen Blick in deine Geschichte:

Grünsilbern und unaufhaltsam zog seit Jahrtausenden die Donau tief unter der Burg vorbei und würde das bis zum Jüngsten Gericht tun. Elßlin schauderte. Alles war unaufhaltsam, der Strom, das Schicksal – und vor allem ihre Ehe mit Gelfrat Baumberg aus Regensburg.

Was ist denn dein persönlicher Lieblingsfleck an der Donau?
Elisabeth Schwaha: Als ich ein Kind war, gab es in Wien noch das sogenannte „Überschwemmungsgebiet“, eine richtige Gstettn (= unbewirtschafteter, naturbelassen verwilderter Grund, auf dem so allerlei kreucht und wächst, das ein Stadtkind sonst nicht zu sehen bekommt). Mit der Errichtung des Entlastungsgerinnes wurde diese Gstettn zum zivilisierten Naherholungsziel der Stadt Wien und verlor viel an Reiz. Dennoch gibt es auch heute noch Stellen, wo man die alte Au erleben und sich vorstellen kann, wie die Donau bis zu ihrer recht gnadenlosen Regulierung in den 1870er-Jahren ausgesehen haben mag. Diese Plätze liebe ich, auch wenn ich sie mit Millionen von Gelsen (Stechmücken) teilen muss.
Isabella Benz: Man merkt dir die Begeisterung für die Donau wirklich an! Eine schöne Grundeinstellung, um eine Kurzgeschichte zu verfassen. Aber gehen wir einmal weg von der konkreten Geschichte. Mich würde noch allgemeiner interessieren: Wie bist du eigentlich zum Schreiben gekommen?
Elisabeth Schwaha: Ich habe immer schon geschrieben, seit ich einen Bleistift halten konnte. Wenn andere Kinder zeichneten und malten, krakelte ich Buchstaben. Das Geheimnis von Buchstaben, Wörtern, Sprache faszinierte mich von Anfang an.
Meine Mutter hat viele, meist lustige Gedichte gemacht und mich oft in Reimen angesprochen, sodass ich schon sehr früh selber reimte. Überliefert ist „Pfapfe hapfe“ für „Ich möchte jetzt bitte mein Fläschchen haben“.
Ich habe alles gelesen, was mir in die Finger kam, und so entstand auch bald die Lust am Selbererzählen, Welten und Schicksale erschaffen – und die Bücher schreiben, die ich selber gerne lesen wollte.
Isabella Benz: Und gibt es etwas, das dir beim Schreiben besonders wichtig ist?
Elisabeth Schwaha: Das Wichtigste für mich ist das Hineindenken in die Personen meiner Geschichte. Ihre Handlungen sollen glaubwürdig und nachvollziehbar sein. Ich versetze mich gerne in die Situationen hinein, schaue, horche und rieche, was sich rundum tut.
Und ich versuche, Klischees zu vermeiden. Kein „Die Sonne knallte heiß auf das Pflaster“ oder „…dachte er bei sich“ – bei wem könnte er denn sonst denken? Auch gegen Phrasen wie „zur Geltung bringen“ habe ich eine veritable Aversion. Das sind so leicht hingeschriebene Sätze, die so gut wie nichts aussagen.
Dennoch muss ich leider immer wieder bei mir selbst feststellen, dass es allzu leicht ist, unversehens in die Klischeefalle zu stolpern.
Isabella Benz: Abschließend würde mich gerne noch wissen: Was für ein Verhältnis hast du zum Wasser?
Elisabeth Schwaha: Wir haben ein ausgezeichnetes Verhältnis! Ich kann es literweise in mich hineinschütten, ich kann stundenlang drin herumplantschen, und ich höre und sehe ihm gerne zu, wenn es mir Geschichten zuplätschert und Visionen von geheimnisvollen blaugrünen Reichen zeigt.
Isabella Benz: Ach ja, ein schönes Bild 🙂 Vielen Dank für diese begeisterten und begeisternden Antworten!

Die Anthologie erschien am 10.02. und kann beim Burgenweltverlag oder auf Amazon bestellt werden.