Diebe im Olymp

Diebe im Olymp

„Die Gestalten der griechischen Mythologie erwachen zum Leben. Rick Riordan liefert mit ‚Diebe im Olymp‘ einen spannenden Auftakt zu seiner fünfbändigen Jugendbuchreihe und Marius Clarén verleiht dem Werk eine angenehme Stimme.“

Autor: Rick Riordan
Sprecher: Marius Clarén
Umfang: 05:09 Stunden
Sprache: Deutsch
Kauf (Folgende Links kennzeichne ich gemäß §2 Nr. 5 TMG als Werbung): Amazon ~ Buecher ~ Verlag

Zusammenfassung: Der zwölfjährige Percy Jackson ist ein absolutes Problemkind. Ständig gerät er in seltsame Situationen und muss jährlich die Schule wechseln. Als sich seine Mathelehrerin in eine Furie verwandelt, werden die Geschehnisse um ihn immer skurriler: sein Lateinlehrer und sein bester Freund Grover scheinen nicht menschlich zu sein. Aber sie helfen ihm auf der Flucht vor den Wesen aus der Unterwelt, die Percys Tod wollen, weil er selbst ein Halbgott ist. Und für Halbgötter gibt es nur einen sicheren Ort: Das Camp der Halbblüter. Doch auch dort bannen sich Schwierigkeiten an, denn aus dem Olymp wurde etwas gestohlen und Zeus verdächtigt ausgerechnet Percy …

Furien, Höllenhunde, Zentauren, Sartyre und vieles mehr – in Rick Riordans Reihe „Percy Jackson“ erwachen die Figuren der griechischen Mythologie zum Leben. Dabei bleibt der Autor nahe an den Originalen und flechtet immer wieder spielerisch Wissen aus den Sagen und Mythen ein. Natürlich dürfen dabei auch die zwölf großen Götter nicht fehlen. Und wie in den alten Mythologien verfallen sie immer wieder Menschen und zeugen Halbgötter. Wer Percys Vater ist, ist dem Kenner der Sagen früh bewusst. Im Buch wird aber, anders als im Film, eine Weile gerätselt, ehe Percy nicht mehr ein „Unentschiedener“ ist (also einer, dessen göttlicher Elternteil nicht bekannt ist).

Die Geschichte ist aus der Ich-Perspektive geschrieben, daher weiß man als Leser/in nie mehr als Percy selbst. Mit ihm erkundet man die Geheimnisse der Götterwelt und stößt immer wieder auf neue Rätsel und Gefahren. Der Protagonist Percy ist simpel gehalten. Seine Ziele sind ebenso klar wie seine Motivation zu handeln, ohne, dass dies großartig ausgebreitet werden würde. Seine Gedanken spielen – zumindest in der Hörbuch-Version – eine eher untergeordnete Rolle, was ich aber keineswegs als störend empfunden habe. Auch die Ziele von Percys Begleiter Grover sind eindeutig und gut dargestellt. Nur die Figur der Annabeth fand ich diesbezüglich etwas … lahm. Bei ihr hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht.

Bei den Nebenfiguren gibt es sowohl eher typenhafte Charaktere – so die Figur des hilfsbereiten Lateinlehrers – als auch vielschichtige und vor allem undurchsichtig gestaltete. Letztere haben mir besonders gut gefallen. Sie passen zu den Göttern der griechischen Mythologie, die häufig auch als launenhaft dargestellt werden. Man weiß nie so recht, auf wessen Seite sie jetzt eigentlich stehen. Das ist Riordan bei einigen Figuren gelungen (Namen werden hier wohlweißlich verschwiegen ;-)).

Die Geschichte selbst ist im Großen und Ganzen simpel gestrickt, bietet aber einen guten Spannungsbogen. Langeweile kommt nirgends auf, viel mehr gerät Percy unablässig von einer Gefahr in die nächste, und man erwartet als Zuhörer jeden Moment das nächste Monster hinter der Ecke hervorspringen. Stilistisch war es mir persönlich teilweise etwas zu platt. Vor allem über Wiederholungen an Satzanfängen alla „Er ging hinaus. Er sah sich um.“ bin ich beim Zuhören ab und an gestolpert. Der Stil passt aber sicherlich zu einem Jugendbuch und ist eventuell auch der gekürzten Hörbuchversion geschuldet.

Der Sprecher Marius Clarén hat eine sehr angenehme Stimme. Die wörtliche Rede der Protagonisten ließ sich gut voneinander unterscheiden. Auch die Pausen hatten eine angenehme Länge. Die Stimme ist zwar nicht einschläfernd, aber tendenziell eher ruhig und auch in Spannungssituationen nicht aufgeregt.

Fazit: Griechische Mythologie, Jugendbuch, Spannung und eine angenehme Sprecherstimme? Meiner Meinung nach ein gelungener Auftakt. Ich freue mich auf die nachfolgenden Bände!

Ich lese gerade:

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#NaNoWriMo2017: Vorbereitung 1

#NaNoWriMo2017: Vorbereitung 1

Wir schreiben den 15. Oktober 2017. Am Dienstag in zwei Wochen startet der November und damit der diesjährige National Novel Writing Month (NaNoWriMo). Einige meiner Kolleginnen und Kollegen fiebern dem Event bereits fleißig in Twitter oder über Instagram entgegen. Ich bereite meinen Roman zwar ebenfalls vor, komme aber nicht so recht dazu, regelmäßig zu berichten.
Stattdessen will ich euch in zwei Blogbeiträgen einen Einblick in meine bisherigen Vorbereitungen und meine weiteren Pläne bis zum 31. Oktober 2017 bieten. Denn meiner Meinung nach braucht der NaNoWriMo Vorbereitungen in zweierlei Richtungen. Das Projekt muss geplottet und die alltäglichen Aufgaben im November minimiert werden.

Widmen wir uns zunächst der Vorbereitung des Projektes. Bei meinen früheren NaNoWriMos wusste ich zu dieser Zeit bereits ziemlich genau, was ich im November schreiben würde. Im Gegensatz dazu bin ich heute noch nicht sicher, wohin es mich diesen November verschlagen wird. Ich habe einen Plan, weiß allerdings nicht, ob dieser auch gelingt. Falls ich es nicht rechtzeitig schaffe, das Projekt zu plotten, wird es mich nach Blaubeuren und Tübingen in das Jahr 1206 verschlagen. Hierfür habe ich bereits einen Szenenplan erstellt.
Eigentlich möchte ich aber in das Indien des Jahres 1855/56 reisen. Ich plane einen Roman über Pauline Mögling alias Weigle zu schreiben. Die junge Frau reiste als Mitglied der Basler Mission nach Indien und heiratete zunächst Gottfried Weigle und nach dessen Tod seinen älteren Stiefbruder Herrmann Mögling. Ich möchte ein Jahr aus ihrem Leben beleuchten, das von schweren Schicksalsschlägen bestimmt war.

Um einen historischen Roman schreiben zu können, bedarf es natürlich jeder Menge Recherchearbeit. Neben den historischen Fixpunkten darf man die Charaktere selbst nicht aus dem Blick verlieren. Was weiß man über ihr Aussehen und ihre Eigenschaften? Inwiefern wirkt sich das auf die Geschichte aus? Bei einem Missionsroman müssen zudemn die unterschiedlichen Kulturen beachtet werden. Die Missionare sind in einem christlich-pietistischen Milieu beheimatet, ihre Gegenüber zumeist Hinduis oder Muslime. Ich bringe als Theologin einige Grundlagen mit, dennoch muss ich mich in den Hinduismus und den Pietismus einarbeiten. Ferner ist mir das Land Indien fremd. Ich recherchiere, wie es dort aussieht und wie es riecht, was gegessen wird, und welche Politik betrieben wurde. Den Ort eines Romanes so gut zu kennen wie die Charaktere, ist mir sehr wichtig. Nur, wenn beides zusammenkommt, kann eine Geschichte lebendig werden.

Ehrlich gesagt klingt das so in seine Einzelteile zerlegt selbst für mich nach einer Mammutaufgabe. Allerdings lassen sich viele dieser Punkte miteinander verbinden. Ich habe 5 Bücher ausgesucht. Drei von ihnen habe ich bereits gelesen, das letzte lasse ich eventuell weg und informiere mich stattdessen noch besser über den Hinduismus, bzw. die Spielarten, mit denen es Pauline Mögling in Indien zu tun hatte.
Nun wisst ihr, was ich bereits hinter mich gebracht habe. Die Informationen, die ich bereits gesammelt habe, will ich noch in folgende Dokumente aufsplittern:
1. Charakterblätter mit:
a) Geschichte
b) Eigenschaften
2. Ortsbeschreibungen
3. Zeitstrahl
4. Schneeflockenmethode

Ich hoffe, damit gut genug vorbereitet zu sein, um die 50k zu kacken.

Wie bereitet ihr eure Geschichten auf den NaNoWriMo vor? Verratet mir eure Tipps und Tricks in den Kommentaren! Gerne dürft ihr auch zu eigenen Blogbeiträgen mit dem Thema #NaNoWriMo verlinken. Bei mir geht es am 29. Oktober weiter mit der Frage: Wie strukturiere ich meinen Alltag im (Ausnahmezustand) November.

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Die Ratten von Chakkas

Die Ratten von Chakkas

„Spannender Auftakt einer Jugendbuch-Serie mit liebevollen Charakteren, der nur gegen Ende für meinen Geschmack etwas mehr Biss hätte haben dürfen.“

Die Ratten von Chakas ~ Die Greifen-Saga 1
Autorin: C. M. Spoerri
Taschenbuch: 380 Seiten
Sprache: Deutsch
Kauf (Folgende Links kennzeichne ich gemäß §2 Nr. 5 TMG als Werbung): Amazon ~ Buchhandel ~ Verlag

Zusammenfassung: Seit dem Tod ihrer Eltern lebt die sechzehnjährige Mika mit ihrem Bruder Faím bei den Kanalratten, die niedersten Bewohner der Hafenstadt Chakkas. Während die „Ratten“ (Diebe) immerhin noch einer Gilde angehören, gelten die Kanalratten als nichts. Mica träumt davon, dem Anführer der Kanalratten zu entkommen. Als Faím ein goldenes Ei aus dem Wassertempel von Chakkas stiehlt, nimmt das Unheil seinen Lauf. Mika gerät bei dem Versuch, ein wertvolles Schwert zu stehlen, in die Hände des Diebes Cassiel. Er macht ihr das Angebot, bei den Dieben unterzukommen, doch mit dem Angebot allein ist Mika noch lange nicht an ihrem Ziel. Unterdessen wird Faím vom Anführer der Kanalratten verjagt und gelangt auf ein Schiff, auf dem er sein ganz eigenes Abenteuer erlebt. Werden die Geschwister sich je wiederfinden?

Für mich war dieser Roman der erste, der mich in die Welt von Chakkas entführte. Die Alia-Reihe, die der Greifen Saga vorangegangen ist, kannte ich nicht. Obwohl die Beschreibungen der Welt eher spärlich blieben, fühlte ich mich sehr schnell wohl in der Hafenstadt. Da die Protagonistin Mika der untersten Schicht angehört, weiß sie sehr viel über die anderen Gesellschaftsschichten, über die Gilden und die Berufe, die in der Stadt vorkommen. Neben den Dieben stehen dabei durch Faím insbesondere Händler und Seeräuber im Mittelpunkt. Einzig die kurz angesprochene Abgrenzung von Magielosen(?) blieb für mich etwas rätselhaft und, wie sich die „Schurken“ von den Dieben unterscheiden, aber vielleicht löst sich das ja noch im Laufe der folgenden Bände. Die Unterscheidung zwischen Ratten und Kanalratten ist dafür sehr gut gelungen.
Wirkte die Geschichte anfangs eher wie Low Fantasy auf mich, wurde ich mit der Zeit eines Besseren belehrt. Chakkas ist definitiv eine High Fantasy Welt, in der nicht nur Magie, sondern auch magische Wesen eine wichtige Rolle spielen. In Band 1 nimmt Spoerri dabei besonders Meerjungfrauen und Greife in den Blick, aber auch ein Elf kreuzt den Weg der Leser*innen.

Die Szenen, in denen der Greif auftaucht, sind sehr schön beschrieben. Obwohl der Greif nie Perspektivträger ist, fühlt man mit ihm mit. Allerdings tritt das Fabelwesen erst ziemlich genau nach der Hälfte der Geschichte auf. Da hatte ich nach dem Titel etwas Anderes erwartet und die erste Hälfte habe ich mich auch lange gefragt, was der Name der Reihe soll. Spoerri bleibt dabei wage. Sie lässt zwar durchschimmern, dass der Greif noch eine tragende Rolle spielen wird, welche genau bleibt aber offen.

Laut den Kapitelüberschriften hat die Geschichte drei Perspektivträger, wobei die ein oder andere Nebenfigur ebenfalls eine kurze Szene erhält. Über den letzten Perspektivträger möchte ich in dieser Rezension nicht zu viel verraten, die anderen beiden sind Faím und Mika. Anfangs konnte ich mich als ältere Schwester sehr gut mit Mika identifizieren. Die Sorge um ihren Bruder ist der rote Faden, der sich durch den ersten Band zieht und am Ende zu einem passenden Abschluss kommt (ich verrate natürlich nicht, zu welchem :-P).
Faím fand ich anfangs etwas langweilig und hatte mehrmals das Bedürfnis, ihm in den Allerwertesten zu treten. Allerdings nimmt seine Geschichte dann doch eine spannende Wendung, die ich nicht erwartet hatte. Ich finde ihn als Charakter immer noch ziemlich wehleidig und etwas zu schwach, aber sein Abenteuer gefällt mir. Der Dieb Cassiel und die Wirren um ihn haben mir anfangs ebenfalls gut gefallen. Er beginnt nicht wie ein 08/15-Love-Interest.

Insgesamt bietet Spoerri einen durchaus guten Spannungsbogen. Die Geschichte geht mit dem Diebstahl des goldenen Eies gleich in medias res. Auch der nahezu unmögliche Auftrag, den Mika von ihrem Boss erhält, sowie die damit verbundene Drohung setzen die Spannungslatte sehr hoch. Die meiste Zeit über hält das Buch auch, was es am Anfang verspricht. Lediglich die etwa letzten 40 Seiten schwächelten dahingehend ein wenig. Da das rein quantitativ aber nicht sehr ins Gewicht fällt, mindert es keineswegs meinen durchaus positiven Gesamteindruck.

Fazit: Eine faszinierende Welt, zwei spannende Abenteuer und ein angenehmer Schreibstil – ich finde das Buch für Jugendliche und Junggebliebene absolut empfehlenswert und freue mich schon auf den weiteren Verlauf der Abenteuer.

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Tübinger Tolkientage 2017

Tübinger Tolkientage 2017

An Bebenhausen fahre ich jeden Donnerstag und jeden Freitag auf dem Weg zur Arbeit vorbei. Das beeindruckende Kloster taucht immer erst direkt hinter einer Kurve auf. Viel mehr Häuser habe ich von dem Dorf allerdings bislang nicht zu Gesicht bekommen. Dass hier der erste Teil der Tübinger Tolkientage stattfinden wird, war mir erst kurz vor Beginn – eine Woche vorher – bewusst.
Nach dem Ringe-Schmieden durfte ich am Montag, den 4.9. um 14:00 die Autorenlesungen im Rahmen der Tage einleiten, die sich mit Fantasy und Mittelalter beschäftigten. Ich habe aus „Tod einer Hofdame“ gelesen und war ehrlich gesagt so nervös wie schon lange nicht mehr. Die letzte Lesung lag doch wieder ein paar Monate zurück und ich hatte vergleichsweise wenig Zeit, um zu üben.
Wir waren eine gute halbe Stunde vor Beginn in Bebenhausen und konnten daher noch miterleben, wie das SWR eine kleine Einheit im Radio lieferte. Danach plauderte ich mit Leiter und Helfern der Tübinger Tolkientage. Man merkt sofort, dass viel Herzblut hinter dieser Aktion steckt. Fantasy- und Mittelalterfreunde reisen von vielen verschiedenen Orten an: der Referent nach mir kam aus Bochum, die Autorin aus Berlin.
Ich durfte vor einem knapp 20köpfigen Publikum lesen. Zunächst habe ich mich kurz vorgestellt und dann den Prolog gelesen. Im Prolog werden bereits einige Historische Fakten genannt, daher lieferte ich anschließend ein paar genauere Informationen über den Aufbruch Richards zum Kreuzzug und die Gründe für seine Gefangennahme. Nachdem ich daraufhin die erste Szene von Kapitel 1 vorgetragen habe, folgte eine kurze Fragerunde, in der sehr interessante Fragen gestellt wurden. Mit dem aufmerksamen Publikum hat die Lesung superviel Spaß gemacht.

Einen weiteren Programmpunkt der Tolkientage durfte ich am vergangen Samstag, dem 9.9 mitgestalten. Von 15:00 bis 17:00 fand zum ersten Mal im Rahmen dieser Veranstaltung ein Story-Slam statt. Viele von euch kennen vermutlich einen Poetry-Slam. Der Story-Slam verlief ähnlich: 9 Autor*innen traten gegeneinander an. Nach dem Zufallsprinzip wurden immer 3 Autor*innen zu einer Gruppe gepaart. 5-7 Minuten durfte gelesen werden. In der ersten Runde wurde aus jeder der drei Gruppe ein/e Lesende/r in die zweite Runde gewählt. Schiedsrichter war das Publikum. Anhand des Applauses wurde entschieden, wer weiterkommt.
Ich selbst bin leider schon in der ersten Runde ausgeschieden. Es war knapp, ich persönlich halte es aber für gerechtfertigt. Die Gewinnerin meiner Runde Veronika Serwotka las im Stehen, was ich selbst unglaublich herausfordernd finde, da dabei die Atmung noch einmal ganz anders kontrolliert werden muss. In der zweiten Runde wurde dann die endgültige Gewinnern gewählt, die auch einen Pokal erhalten hat. Jasmin N. Weidner hat nicht nur hervorragend gelesen, ihre Geschichte war einfach witzig und hat das Publikum gut unterhalten. Der Applaus war eindeutig. Ich gönne es ihr von Herzen.

Insgesamt haben mir die Tolkientage wirklich viel Freude bereitet. Die Veranstaltung findet nur alle 5 Jahre statt. Aber ich hoffe, ich kann auch 2022 wieder dabei sein, sei es als Autorin oder als Teilnehmerin!

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Die Tage die ich dir verspreche

Die Tage die ich dir verspreche

„Berührt auf Gefühlsebene und regt zum Nachdenken an. Lily Oliver bietet bewegende Einblicke in das Leben einer jungen Frau nach einer Herztransplantation.“

Autorin: Lily Oliver
Umfang: 370 Seiten
Sprache: Deutsch
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Zusammenfassung: Gwen hat ein neues Herz erhalten und steht nach der Reha nun vor der Aufgabe, ins Leben zurückzufinden. Dabei wird sie von Erwartungen erdrückt. Ihr Vater will sie unbedingt zum Studium bewegen, ihr Bruder will sie zum Laufen motivieren und überhaupt meint jeder, nach der Transplantation sei doch alles gut. Für Gwen hingegen ist gar nichts gut. Sie fühlt sich schuldig, trotz des großen Geschenkes kein Glück empfinden zu können, und sieht schließlich nur noch einen Ausweg: Sie muss das Herz jemandem geben, der damit auch leben kann. Also postet sie in einem Forum, in dem sie sich erst vor kurzem angemeldet hat: „Herz zu verschenken“.
Der Moderator des Forums, Noah, hält den Aufruf für einen grotesken Scherz und löscht den Beitrag kurzerhand. Weil er Gwen für einen „Troll“ hält, der im Forum nur Unruhe stiften will, sperrt er sie und behauptet sarkastisch, er habe sie gelöscht, weil er das Herz für sich will. Er hält das Thema für erledigt. Bis Gwen mitten in der Nacht vor seiner Haustür auftaucht, um ihm das Herz zu geben.

Der Roman ist (meist) abwechselnd aus der Ich-Perspektive von Noah und Gwen geschrieben. Eingeleitet werden die Kapitel mit einem Forumsbeitrag des jeweiligen Perspektivträgers. Der Kniff hat mir gut gefallen, weil man dadurch zum einen sofort wusste, welches ‚Ich‘ im Kapitel spricht und zum anderen die Themen der Kapitel vorab angedeutet werden.
Als Zeitform hat sich Oliver für das Präsens entschieden. Für mich war dieser Roman dadurch in mehrerer Hinsicht eine neue Erfahrung: Um Romane in Ich-Perspektive und Präsens habe ich bislang einen großen Bogen gemacht. Bewusst dafür habe ich mich diesmal nicht entschieden: der Trailer zum Buch hatte mich bereits so sehr angesprochen, dass ich nicht mehr in die Leseprobe geschaut habe. Zu meinem Schaden war es allerdings nicht. Perspektive und Zeitform haben ganz wunderbar zu der Geschichte gepasst und es las sich sehr angenehm.

Dazu beigetragen hat sicher auch der Schreibstil. Meiner Meinung nach war es eine gute Mischung aus Gedanken und Handlung, auch wenn erstere definitiv überwiegen. Allerdings hatte ich nur an einigen wenigen Stellen das Gefühl, die Gedanken würden sich im Kreis drehen. Es wird auch nicht seitenlang über Pro und Contras diskutiert. Oliver legt einen Schwerpunkt darauf, wie unterschiedlich dasselbe Verhalten und derselbe Satz von verschiedenen Personen wahrgenommen werden.

Durch die Ich-Perspektive ist der Leser sehr eng mit Gwen und Noah verbunden. Die Hauptfiguren haben dabei beide ihre eigenen Lasten zu schleppen. Auch die Probleme von Noah werden immer wieder in den Roman eingeflochten und spielen zu denen von Gwen eine ausgewogene Rolle. Oliver ist es wirklich gut gelungen, zwei fremde Persönlichkeiten aufeinanderprallen zu lassen und ihre je eigenen Sorgen miteinander zu verweben. Persönlich konnte ich mich besser mit Gwen als mit Noah identifizieren. Das lag meines Erachtens nicht nur am Geschlecht, sondern auch daran, dass Gwen im Großen und Ganzen die interessantere Entwicklung durchmacht. Außerdem kam es bei Noah meines Erachtens eher vor, dass sich die Gedanken im Kreis drehten. Bei ihm hatte ich auch häufiger als bei Gwen das Bedürfnis, ihm einen Tritt in den Hintern zu verpassen, weil er sich etwas trottelig anstellt (ohne jetzt behaupten zu wollen, dass ich mich in so einer Situation besser verhalten würde … ;-))
Bei zwei so klar definierten Hauptfiguren könnte man meinen, dass die Nebenfiguren zu kurz kommen würden. Aber ich finde auch sie auf angenehme Weise in die Geschichte eingeflochten. Ich hatte bei keiner Figur das Gefühl, einen bestimmten Typus vor mir zu haben. Einzige Ausnahme ist hierbei vielleicht Noahs Ex, die keine breite Rolle bekommt. Alle anderen hingegen, sowohl Gwens Eltern, ihr Bruder und ihr Freund Alex, als auch Noahs bester Freund Sevi und seine Mutter lassen mehrere Facetten erkennen. Und dann ist da noch Gwens beste Freundin Leni, die selbst auf ein Herz wartet. Wie sie in die Geschichte eingebunden wurde, hat mir besonders gut gefallen.

Die Geschichte entwickelt sich eher langsam. Oliver nimmt sich Zeit, die Veränderungen und Schicksalsschläge ihrer Protagonisten darzustellen. Dennoch fand ich die Geschichte die meiste Zeit über spannend. Angetrieben wurde sie vor allem von zwei Fragen: Findet Gwen einen Weg, mit dem neuen Herzen zu leben? Und wie wird Noah seine Lüge los, bzw. wie wird Gwen auf die Wahrheit reagieren? In der Mitte gab es für mich eine kurze Durststrecke. Ich hätte das Buch zwar nicht aus der Hand gelegt, aber fast ein wenig überflogen. Kurz davor hat es aber wieder die Kurve gekriegt: In das eher zähe Gefühlschaos um Gwen und Noah wird Leni stärker eingebunden, was der Geschichte neuen Wind verleiht.

Ich bin kein Experte, was Organspende anbelangt. Vor allem mit der Frage, wie es Patienten ergeht, nachdem sie ein Organ erhalten haben, habe ich mich bislang nie auseinandergesetzt. Der Roman bietet hierfür einen sehr interessanten Einblick, den Oliver eigenen Angaben nach zwar erfunden, aber gut recherchiert hat. Ich fand die Gefühle, Gedanken und Entwicklungen in jedem Fall gut nachvollziehbar.

Fazit: Das Buch bewegt und regt zum Nachdenken an. So intensiv mit Organspenden habe ich mich bislang nicht auseinandergesetzt. Auch mit einem kleinen spannungstechnischen Durchhänger in der Mitte sehr empfehlenswert!

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