Isabella Benz: Die nächste Autorin der Anthologie „Wenn alte Wellen singen“ entführt uns nach Skandinavien. Herzlich Willkommen Anna Eichenbach! Heute möchte ich euch als erstes einen Ausschnitt aus der Geschichte präsentieren:

„Ich kenne dich, Rorik“, mischte sich Svein erneut ein, „vielleicht sogar besser als du dich selbst, und ich sage dir, mein Freund: Du warst schon viel zu lang nicht mehr auf Raubzug. In dir schlägt das Herz eines Wolfes, nicht das eines Hasen.“

Liebe Anna, deine Geschichte handelt ja von einer Viking der Nordmänner. Warst du vorher schon mit der nordischen Mythologie vertraut oder war das für dich Neuland? Was fasziniert dich an diesem Thema?
Anna Eichenbach: Von Odin, Valhalla und den Walküren habe ich schon vorher gehört wie vermutlich die meisten anderen auch, aber mein Wissen in diesem Bereich war oberflächlich und begrenzt. Für die Kurzgeschichte habe ich auch in dieser Hinsicht einiges recherchiert.
Die Erzählungen über Götter und ihre Verflechtungen untereinander sind wirklich spannend. Am meisten fasziniert mich an der nordischen Mythologie aber, dass sie uns noch heute einen Einblick darin gewährt, wie die Menschen in Skandinavien damals die Welt betrachtet und sie sich erklärt haben.
Isabella Benz: Erzähl uns doch bitte noch ein wenig über deine Kurzgeschichte 🙂
Anna Eichenbach: Mein „Meereswolf“ spielt etwa im neunten Jahrhundert nach Christus, zu der Zeit, als die ersten Wikinger die englische Küste heimgesucht haben.
Es war nicht so sehr Faszination, die meine Entscheidung beeinflusst hat, vielmehr war es die erste Szene, die mir eingefallen ist: das Gespräch zwischen Rorik und Turid in ihrer kleinen Hütte am Fjord. Da war mir klar, dass kein anderes Setting als die Wikingerzeit in Frage kommt, obwohl man die zentralen Themen der Geschichte – Liebe, Freundschaft und Loyalität – auch vor einem anderen historischen Hintergrund hätte transportieren können.
Isabella Benz: Das stimmt. Ich finde trotzdem, dass du die Atmosphäre super dargestellt hast. Seit wann schreibst du eigentlich?
Anna Eichenbach: Ich schreibe schon seit einer ganzen Weile, genau genommen seit 2009.
Meine Anfänge waren eher dem Zufall geschuldet – und einer langweiligen Vertretungsstunde in der Schule. Um die Zeit tot zu schlagen, habe ich mit meinen Freundinnen angefangen, eine Parodie auf unser damaliges Lieblingsbuch zu schreiben. Meine Freundinnen haben die Flinte schnell wieder ins Korn geworfen, aber ich hatte das Schreiben ein für alle mal für mich entdeckt. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl mit dem Klang der Worte zu spielen, Bilder aus dem Nichts zu erschaffen und Tore zu anderen Welten zu öffnen.
Isabella Benz: Magst du mir zum Abschluss noch verraten, was für dich das Wichtigste beim Schreiben ist?
Anna Eichenbach: Für mich ist das Wichtigste beim Schreiben, eine ganz besondere Atmosphäre zu schaffen, die die Leserinnen und Leser in den Bann schlägt und aus dem Alltag in die Welt meiner Erzählung entführt. Authentische Charaktere zu schaffen, mit denen sie mitfiebern und die sie vielleicht länger als nur bis zum Ende der Geschichte begleiten.
Ich kann jedem nur raten, beim Schreiben auf seine Intuition zu vertrauen und experimentierfreudig zu sein, um herauszufinden, was einem besonders liegt und um seinen individuellen Stil zu entwickeln.
Der Austausch mit anderen Schreibverrückten, die genau wissen, wie viel Freude und wie viel Frust man manchmal beim Schreiben durchlebt, ist dabei wirklich hilfreich.
Isabella Benz: Das kann ich nur bestätigen. Vielen Dank für deine Antworten!

Die Anthologie erschien am 10.02. und kann beim Burgenweltverlag oder auf Amazon bestellt werden.